Der Einsatz hat sich gelohnt
Mazar-e Sharif, 30.11.2010.
Die Leistungsbilanz der Aufklärungsflüge der Recce-Tornados im Auftrag des ISAF-Hauptquartiers kann sich sehen lassen. Wenn am 30. November 2010 die Aufklärer zurück nach Deutschland kommen, haben sie eine Menge geleistet und dem Heron 1 eine gute Vorlage gegeben.

Am 7. Februar 2007 beschloss das Bundeskabinett die Stationierung von Aufklärungsflugzeugen vom Typ Tornado in Afghanistan. Der Bundestag sprach sich am 9. März 2007 über die Stationierung von sechs Aufklärungsmaschinen Recce-Tornados, (engl. Reconnaissance) aus dem Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ (AG 51 „I“) und die Entsendung von 500 zusätzlichen Soldaten mit überwältigender Mehrheit aus. Bereits am 5. April 2007 landete der erste Recce-Tornado in Afghanistan. Die Einsatzfähigkeit „Full operational capability“ wurde am 20. April 2007 dem Oberkommandierenden der ISAF-Schutztruppe gemeldet. Ab diesem Tage wurden bis zu vier Aufklärungsflüge und der jeweiligen Auswertung des Bildmaterials an sieben Tagen in der Woche gewährleistet.

Digital ersetzt Analog
Die ersten Aufklärungsflüge führten die Tornados mit dem altbewährten Recce-Pod (Aufklärungsbehälter) mit analoger Nassfilmtechnologie durch. Seit Oktober 2009 wurde mehr und mehr der digitale RecceLite Pod (digitaler Aufklärungsbehälter) neben dem analogem System eingesetzt. Der Recce-Pod mit der analogen Nassfilmtechnik enthielt zwei optische Kameras und einen Infrarotsensor, diese wurden modular an die jeweiligen Missionsprofile angepasst. Bei diesem System wurden Bildaufnahmen während des Überfluges mit Hilfe eines „Luftbildfilms“ angefertigt. Nach der Landung der Aufklärungsjets wurde der Film im Labor entwickelt und im Anschluss durch die Luftbildauswerter in der Recce-Ground-Station (RGS) analysiert. Durch die spezielle Negativgröße, je nach Ausstattungsvariante des Aufklärungsbehälters von 7,9 mal 7,9 Zentimeter (cm) bis zu 24,7 mal 12 cm im Verhältnis zu einem Kleinbildfilm (24 mal 36 mm), konnten feinste Details aus dem Bildmaterial herausgearbeitet werden. Das fertige Produkt wurde dem jeweiligen Bedarfsträger in einer Datenbank zur Verfügung gestellt. Mit der Einführung des digitalen RecceLite-Pod seit Oktober 2009 ist es nun möglich, das Bildmaterial in Form von digitalen Daten in nahezu Echtzeit an die Bodenstation zu übermitteln.
Jeder Recce-Lite Pod ist mit Infrarot- und optischen Sensoren ausgestattet. Mit Lasertechnik können die Bilddaten bei Tag und Nacht angefertigt und über eine Breitbandverbindung noch während des Aufklärungsfluges direkt zur Bodenstation „Ground Exploitation Station“ (GES) übertragen werden. Die Auswertezeiten - und damit die Bereitstellung der Aufklärungsergebnisse - sind durch diese moderne Technik erheblich kürzer im Vergleich zum analogen Aufklärungssystem. Auch ist der Recce-Lite Pod im Vergleich zum analogen System um einiges leichter und unterstützt damit die Manövrierfähigkeit und Schnelligkeit des Tornados. Das trägt auch zur Sicherheit der Flugzeugbesatzung bei.

Keine Aufklärungslücke
Mit dem Abzug der Tornado Aufklärungsflugzeuge entsteht keine Lücke in der taktischen Aufklärung. Mit den unbemannten Aufklärungssystemen Heron 1, KZO (Kleinfluggerät Zielortung) und LUNA (Luftgestützte unbemannte Nahaufklärungs-Ausstattung) verfügt der deutsche Kommandeur des Regionalkommandos Nord (RC Nord) weiterhin über leistungsfähige Aufklärungsmittel für den Einsatz in seinem Zuständigkeitsbereich. Die weiterhin erforderliche taktische Luftaufklärung in Gesamt-Afghanistan wird künftig durch Aufklärungssysteme von Partnernationen wahrgenommen. Ein Tornado-Einsatzmodul des Aufklärungsgeschwaders 51 "Immelmann" wird der NATO künftig als „Reserve“ bereitgestellt, um bei Bedarf kurzfristig nach Afghanistan verlegen zu können. Eine entsprechende Regelung wird derzeit erarbeitet.

