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Vernetzt erfolgreich – das Interview

Husum, 01.06.2011.
Im Rahmen der Übung Blue Sky/Hohe Geest bereitete sich das Flugabwehrraketengeschwader 1 “Schleswig-Holstein“ (FlaRakG 1 “S-H“) auf seine Rolle als Teil der NATO Response Force vor. An dieser Übung nahmen neben den Soldaten vierer PATRIOT-Staffeln des FlaRakG 1, der Einsatzführungsbereich 3 aus Holzdorf, die Fregatte “Sachsen“ der Bundesmarine und das Heeresflugabwehrsystem “Ozelot“ teil. Die Führungssysteme der einzelnen Teilstreitkräfte wurden gemeinsam in das Joint Air Defense Operation Center (JADOC) eingebunden. In dieser vom Kommodore des FlaRakG 1 “S-H“, Oberst Tilo Maedler, geführten Operationszentrale musste der Einsatz der Waffensysteme unter Beachtung der Rules of Engagement (ROEs) koordiniert werden. (K)eine leichte Aufgabe für den erfahrenen Kommodore?!

Oberst Maedler lässt sich von Hauptmann Blömke im JADOC in die Sicherheitslage einweisen

Oberst Maedler lässt sich in die Sicherheitslage einweisen (Quelle: Luftwaffe/Bernd Berns)Größere Abbildung anzeigen

Oberstabsfeldwebel Berns: Bei der Durchführung dieser Hochwertübung mussten Sie Ihren Verband in ein fiktives Land verlegen und im Szenario die Entscheidung zur Bekämpfung von Flugziele anhand von „Rules of Engagement“ (ROEs) treffen. Für viele Soldaten war dies der erste Kontakt mit dieser Form der Einsatzregeln. Sie haben diese Erfahrung, mit den Regeln für ein bestimmtes Verhalten in Konfliktsituationen, schon in Afghanistan gemacht. Wie hat sich Ihr Team im “JADOC“ und in den Kampfstellungen bei der Umsetzung bewährt?

Oberst Maedler: Die für mich wichtigste Erkenntnis ist, dass wir mit dem JADOC ein innovatives Konzept zur Führung von Teilstreitkraft-übergreifenden Luftverteidigungskräften zum Erfolg geführt und sinnvoll weiterentwickelt haben. Im JADOC bildeten während der Übung Soldaten des Deployable CRC, des SAMOC sowie von der Marine und der Heeresflugabwehr buchstäblich unter einem Dach (sprich: Container) einen gemeinsamen Gefechtsstand, der mich in meiner Aufgabe als Commander JADOC sehr professionell unterstützt hat. Dies war insbesonders bei der – meist zeitkritischen – Analyse der ROEs wichtig. Die Anwendung dieser ROEs bedeutet in unserem Metier der Luftverteidigung nicht weniger als die Entscheidung über die Bekämpfung von gegnerischen Flugzielen, beziehungsweise Flugkörpern. Das ist eine Führungsaufgabe, die sich nicht auf rein „handwerkliche“, militärische Aspekte beschränken darf. Unser Handeln - auch in den politischen beziehungsweise rechtlichen Kontext zu stellen - ist heute eine Selbstverständlichkeit. Wer dies nicht begreift, kann im Einsatz nicht bestehen!

Teil der Übung, die Fregatte “Sachsen“ kreuzte vor Helgoland

Teil der Übung: Die Fregatte “Sachsen“ kreuzte vor Helgoland (Quelle: Luftwaffe/Alexander Golz)Größere Abbildung anzeigen

Oberstabsfeldwebel Berns: Als Commander “JADOC“ waren Sie auch für die vor Helgoland operierenden Fregatte “Sachsen“ verantwortlich. War es nicht äußerst ungewöhnlich, das Kommando über ein Schiff der Marine auszuüben?

Oberst Maedler: Ja, das war schon etwas ganz Besonderes. Die Zusammenarbeit mit unseren Kameraden der Marine – dies gilt sowohl für die Besatzung an Bord der „Sachsen“, als auch für meine maritimen Berater im JADOC – verlief sehr angenehm und „smooth“.

Generalmajor Zimmer im Gespräch Oberst Maedler auf dem Truppenübungsplatz Schauendahl

Generalmajor Zimmer im Gespräch Oberst Maedler (Quelle: Luftwaffe/Bernd Berns)Größere Abbildung anzeigen

Oberstabsfeldwebel Berns: Sie haben dem Kommandeur der 4. Luftwaffendivision, Generalmajor Volker Zimmer, bei seinem Besuch während der Übung das JADOC zeigen können. Mit welchem Eindruck hat sich General Zimmer verabschiedet.

Oberst Maedler: Ich denke, dass wir unserem Divisionskommandeur vor allem das Konzept des JADOC näherbringen konnten. Und wir konnten verdeutlichen, dass wir mit dieser Übung auf dem Wege zur „vernetzten Operationsführung“ einen großen Schritt nach vorne gemacht haben. Darüber hinaus weiß unser Divisionskommandeur schon aus früheren Besuchen, dass wir „FlaRakies“ eine ganz besondere Truppe sind, die sich immer über ihren Waffensystemstolz und Pragmatismus - auch unter fordernden Rahmenbedingungen - definiert hat.

Oberstabsfeldwebel Berns: Die Übung „Hohe Geest“ diente der Vorbereitung für die NATO Response Force und wurde mit Einbindung der Übung „Blue Sky“ größer als zunächst geplant. Hat sich das am Ende bewährt und auch als richtungsweisend für kommende Übungen herausgestellt?

Oberst Maedler: Wir haben – vereinfacht gesprochen – zwei Übungen („Hohe Geest“ und „Blue Sky“) „verheiratet“ und damit in einer klassischen „win-win-situation“ für alle Beteiligten eine sehr wertvolle Übung geführt und auch außerdem noch Ressourcen sehr wirtschaftlich genutzt. Für uns als FlaRakG 1 heißt das konkret: Aus einer „einfachen“ Geschwaderübung „Hohe Geest“ wurde durch die Kombination mit „Blue Sky“ eine sehr anspruchsvolle - unter Aspekten der vernetzten Operationsführung - richtungsweisende Übung mit Teilnehmern aus Luftwaffe, Heer, Marine und Sanitätsdienst. Besser kann man seine Truppe nicht für das vorbereiten, was im Einsatz vor allem gefragt ist: Flexibilität und pragmatisches Handeln!

Das Interview führte Oberstabsfeldwebel Bernd Berns für www.luftwaffe.de.

 

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Bernd Berns


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