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Die Aufklärung der Luftwaffe (Zweiter Teil)

Mazar-e Sharif, Jagel, Brüssel, 13.07.2011.
Aufklärungsergebnisse waren und sind wichtige Informationen, die als Ausgangspunkt für geplante Operationen von grundlegender Bedeutung sein können. Die Luftwaffe verstand sich dabei seit jeher als „Dienstleister“ für die Streitkräfte insgesamt. Speziell im Einsatz trägt sie zum Schutz der am Boden eingesetzten Soldaten bei, ist mit den Aufklärungssystemen Heron 1 und Euro Hawk Garant für eine zukunftsweisende Informationsgewinnung. Ein Streifzug durch die Aufklärung der Luftwaffe.

RPA über den Wolken
RPA über den Wolken (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Der Fähigkeitsmix, den die Luftwaffe mit dem Aufklärungstornado und dem Heron 1 den Streitkräften im Einsatz zur Verfügung stellte, erweiterte deutlich die Aufklärungsarchitektur der Bundeswehr. Die Luftwaffe arbeitet im Bereich der abbildenden und signalerfassenden Aufklärung bereits an maßgeblichen Weiterentwicklungen ihrer heute erfolgreich eingesetzten, fliegenden Aufklärungsplattformen.

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Arbeiten am RecceLite-Behälter durch Soldaten der Auswertestation
Arbeiten am RecceLite-Behälter (Quelle: Luftwaffe/Falk Bärwald)Größere Abbildung anzeigen

Vom Einsatz her denken

Für die Luftwaffe im Einsatz ist ein wesentliches Kriterium die Ausrüstung der eingesetzten Soldaten mit einsatzerprobtem und bewährtem Material. Die Einführung des digitalen Aufklärungsbehälters Recce Lite für den Aufklärungstornado - innerhalb weniger Monate - trägt dieser Prämisse Rechnung.
Auch die Realisierung der kontinuierlichen Überwachungs- und Aufklärungsfähigkeit mit dem unbemannten Aufklärungssystem Heron 1 ist ein Beispiel für schnelle Implementierung von dringend benötigten Fähigkeiten im Einsatz und zum Schutz der Soldaten.

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Heron 1, bereit für den nächtlichen Einsatz
Heron 1, bereit für den nächtlichen Einsatz (Quelle: Bildstelle Mazar-e Sharif)Größere Abbildung anzeigen

Die Zwischenlösung Heron 1

Staatssekretär Wolf hat am 24. April 2009 die Realisierung einer Zwischenlösung angewiesen, um den Bedarf an luftgestützter Aufklärung und Überwachung gerade im Hinblick auf den Schutz deutscher Soldaten im Einsatz in Afghanistan zu decken. Der Bundesminister der Verteidigung hatte daraufhin die Realisierung dieser Zwischenlösung als zeitlich befristete Dienstleistung auf Basis des UAS Heron 1 gebilligt. Das System befindet sich nunmehr seit dem Frühjahr 2010 mit bald 5000 absolvierten Flugstunden im Einsatz in Afghanistan. Langfristig ist die Stationierung von bis zu 16 Systemen abbildender Aufklärung - beginnend ab dem Jahr 2014 - beim AufklG 51 „Immelmann“ (AG 51 „I“)“ in Jagel beabsichtigt.

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Ein möglicher Kandidat: Amerikanischer RPA Predator
Amerikanischer RPA Predator (Quelle: US Department of Defense Archive)Größere Abbildung anzeigen

UAS für den Einsatz

Neben der Realisierung einer eigenen, permanenten Überwachungs- und Aufklärungsfähigkeit, die die im Einsatz durchaus erfolgreiche Zwischenlösung Heron 1 bautechnisch bedingt nicht abbilden kann, wird parallel weiterhin an dem Betreibermodell mit der Rheinmetall Defence festgehalten, um die Aufklärungskontinuität in diesem dringend benötigten Bereich zum Schutz der eingesetzten Soldaten zu gewährleisten.
Die in diesem Zusammenhang erhaltenen Kenntnisse sollen nicht nur dazu dienen, eigene operationelle und logistische Erfahrungen zu sammeln, sondern auch ausreichend Kompetenz auf dem Hochtechnologiefeld automatisierter Systeme – gerade auch im Einsatz – zu gewinnen. Zukünftig setzt die Luftwaffe dabei auf eine schnell verfügbare und bei NATO-Partnern womöglich bereits im Einsatz befindliche Plattform, um Synergien beim Betrieb gleicher Systeme ausnutzen zu können und um das Risiko bei der Einführung des neuen Waffensystems möglichst niedrig zu halten. Nach heutigem Planungsstand könnte die Luftwaffe ab dem Jahr 2013 mit der Beschaffung eines neuen UAS mittlerer Reichweite für die abbildende Aufklärung beginnen…

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Euro Hawk während des Jungfernfluges
Euro Hawk während des Jungfernfluges (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Der Euro Hawk

Mit dem Jungfernflug des Prototypen und Erprobungsträgers Euro Hawk am 29. Juni 2010 von Palmdale zur Edwards Air Force Base in Kalifornien begann für die Luftwaffe ein neues Kapitel im Betrieb fliegender, unbmennter Plattformen. Zusammen mit der Streitkräftebasis, des eigentlichen „Kunden“ für die Daten der signalerfassenden Aufklärung, wird dieses unbemannte Großluftfahrzeug weltweit eingesetzt werden. Die Luftwaffe - als Betreiber des RPA - leistet damit einen wesentlichen Beitrag für die signalerfassende weiträumige Aufklärung und trägt damit zu einer erheblichen Verbesserung des Fähigkeitsspektrums der Streitkräfte insgesamt bei. Mit dem für Sommer 2011 avisierten Nonstop-Überführungsflug des Euro Hawks von Kalifornien nach Manching tritt die Leistungsfähigkeit des Systems im Bereich der Reichweite und Flugdauer deutlich zutage.

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RPA des AGS Core klärt den Boden auf
RPA des AGS Core klärt den Boden auf (Quelle: NATO)Größere Abbildung anzeigen

Das AGS Core

Die NATO plant zur luftgestützten, abbildenden und weiträumigen Aufklärung wie Überwachung die Entwicklung und Beschaffung einer allwetterfähigen, luftgestützten Bodenaufklärungskernfähigkeit unter der Bezeichnung AGS Core. Sie stuft die AGS (Alliance Ground Surveillance) - als Aufklärung der Bodenlage sowie die Fähigkeit zur Entdeckung und Verfolgung sich bewegender Bodenziele - als Schlüsselfähigkeit für zukünftige NATO-Operationen und damit zum Schutz der eingesetzter Kräfte im jeweiligen Einsatzgebiet ein. Die operationellen Forderungen der NATO ergeben sich aus der Notwendigkeit, Aufklärung in mehreren Aufklärungs- und Überwachungsräumen gleichzeitig durchführen zu können. Die derzeitigen Planungen der NATO gehen noch von einer eigenen Kernfähigkeit von sechs UAS auf technischer Basis in etwa des US-amerikanischen Global Hawks aus, wobei dieses konkrete Modell als sogenannte „nationale Beistellung“ (Contribution in kind) noch nicht spezifisch, sondern zunächst als technischer und operativer Anhalt zu verstehen ist. Nach heutigem Planungsstand, werden dann neben den Euro Hawks weitere vier UAS von der Luftwaffe beschafft, die vom AG 51 „I“ aus operieren werden, allerdings ihre Informationen in erster Linie der NATO zur Verfügung stellen.

Denkbarer Kandidat für das AGS Core: Global Hawk der US-Streitkräfte
Denkbarer Kandidat für das AGS Core: Global Hawk der US-Streitkräfte (Quelle: Luftwaffe/Bobbi Zapka)Größere Abbildung anzeigen

Diese Beschaffungsmaßnahme schließt nicht nur die nationale Fähigkeitslücke zur abbildenden, weiträumigen Aufklärung, sondern entspricht gleichzeitig auch der NATO-Forderung zur Ergänzung der NATO-eigenen Kernfähigkeit.
Diese Fähigkeit stellt darüber hinaus dann auch die nationale Handlungs-, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sicher.
Da die Luftwaffe gemäß der Teilkonzeption Nachrichtengewinnung und Aufklärung (NG&A) ohnehin Kompetenzträger für die Ausbildung in der Luftbildauswertung der Streitkräfte ist, wird sie sich auch in dem Bereich der abbildenden, weiträumigen Aufklärung synergetisch einbringen können.

Ein Hawk „für alle Fälle“
Ein Hawk „für alle Fälle“ (Quelle: Northrop Grumman)Größere Abbildung anzeigen

Insgesamt werden damit in den nächsten Jahren drei neue Luftfahrzeugmuster bei der Luftwaffe eingeführt, die eine signifikante Veränderung in der Aufklärungslandschaft einläuten. Doch trotz aller Technik bleiben die Aufklärungstornados nach wie vor notwendig, denn kein UAS ist derart schnell genug, um eine weit entfernte Zielaufklärung schnellstmöglich zu gewährleisten. Gleichzeitig gibt aber ausgerechnet dieser Umstand die Gewähr, dass bemannte Aufklärungsplattformen auch weiterhin gefragt bleiben und komplementär zu den RPA´s eingesetzt werden können, alles in allem ein Mix, mit welchem die Luftwaffe ihrem Anspruch als Dienstleister für die Streitkräfte in außerordentlichem Maße gerecht werden wird. Mitte der Dekade wird kaum andere Nation eine derartig vilefältige Palette fliegender Aufklärungsplattformen zur Verfügung haben.

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Stand vom: 21.09.11 | Autor: Hans-Jürgen Knittlmeier, Norbert Thomas


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