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Bis an die Grenzen gehen

Huntsville/Alabama, 27.01.2011.
Als am 17. Dezember 1998 der damalige Luftwaffenhauptmann Tim Döscher und seine Familie aus Huntsville, Alabama, zurückkehren, ahnen sie noch nicht, dass der schwülheiße Südosten der USA erneut ihre Heimat werden würde. Zum damaligen Zeitpunkt verließen sie nach nur rund sieben Monaten Aufenthalt ihr gemütliches Apartment in den USA, und damit ein Land, das sie während Ihres Aufenthaltes schätzen gelernt hatten.

Feuer frei! – Für FlaRak!

Feuer frei! – Für FlaRak! (Quelle: Luftwaffe/Christian Rother)Größere Abbildung anzeigen

Mehr als zehn Jahre später ist Oberstleutnant Döscher wieder in die USA zurückgekehrt. Der ehemalige Einsatzoffizier einer Flugabwehrraketenstaffel beim Waffensystem HAWK arbeitet bei der NATO MEADS Management Agency (NAMEADSMA), einer NATO-Agentur, die für die Beschaffung von MEADS (Medium Extended Air Defence System) verantwortlich ist. MEADS ist als Nachfolgesystem des sich heute im Betrieb der Luftwaffe befindlichen Flugabwehrraketensystems PATRIOT vorgesehen. Es wird von den USA, Deutschland und Italien etabliert.

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Ein HAWK-Lenkflugkörper wird abgeschossen

Ein HAWK-Lenkflugkörper wird abgeschossen (Quelle: Luftwaffe/)Größere Abbildung anzeigen

Fernziel immer vor Augen

Der studierte Elektroingenieur musste aber einen langen Weg hinter sich bringen, um nach über zehn Jahren wieder in eine Auslandsverwendung zu kommen, wo er an der Technologiefront die Zukunft „seiner Truppengattung“ mitgestalten würde – und das geht halt nur bei der NAMEADSMA in „good old Alabama“. Dieser Traum sollte sich nach einigen Etappen im Inland erfüllen, nachdem er verschiedene „Pflichttore“ in der Laufbahn durchlaufen hatte. Hierzu zählten die Stationen Einsatzoffizier/S3 einer Flugabwehrraketengruppe HAWK, Einheitsführer beim Waffensystem PATRIOT, eine höherwertige Stabsverwendung auf Divisionsebene und letztendlich auch das eine oder andere Projekt, das auch die FlaRak zu neuen Grenzen führte.

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Abschuß eines PATRIOT-Flugkörpers

Abschuß eines PATRIOT-Flugkörpers (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Pionier für FlaRak

Im Rahmen eines Sonderprojekts präsentierte Döscher mit seiner Staffel am Beispiel einer voll ausgestatteten Einsatzstaffel PATRIOT, warum eine Notwendigkeit besteht, auf mittlere Sicht auf ein noch flexibleres, neueres Raketenabwehrsystem umzuschwenken und zusammen mit den Vereinigten Staaten von Amerika und Italien ein neues Flugabwehrsystem weiterzuentwickeln, das in seiner technischen Ausformung vielleicht einem „schießenden Netz“ nahekommt. Die Fähigkeiten der deutschen FlaRak in allen Ehren, aber den Bedrohungen militärischer Anlagen im Rahmen der Force Protection entgegenzutreten, erfordert eine ständige Weiterentwicklung, wie man es beispielsweise deutlich an der gegenwärtigen Übernahme des Waffensystems MANTIS durch die Luftwaffe erkennen kann

Verschiedene Waffensysteme werden im Verbund ausgetestet

Waffensysteme werden im Verbund ausgetestet (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Die vernetzte Operationsführung beim Zusammenwirken aller Teilstreitkräfte sollte der nächste Schwerpunkt seines Aufgabenbereichs werden. Anhand diverser Experimente unter Zusammenwirken von Mitteln der Luftwaffe, des Heeres und der Marine zur Bekämpfung von Luftzielen erprobte er deren Wirkungsspektrum und erkannte dabei bereits früh die Grundzüge und Vorteile dieser Konstruktion: So wurden Flugzeuge, Flugabwehrraketen und Fregatten zu einer hocheffizienten, technischen Einheit verbunden – für unseren Protagonisten aus der FlaRak-Szene waren damit bereits die Umrisse eines „MEADS-light“ erkennbar: „Die Möglichkeiten waren enorm. Uns verband echter Pioniergeist und wir verspürten ungebremsten Enthusiasmus. Wir konnten damals durch weitere kleinere Übungen, die durch engagierte Einzelpersonen auf der Arbeitsebene vorangetrieben wurden, neue technische und prozedurale Möglichkeiten ausprobieren und wertvolle Erfahrungen für die Weiterentwicklung der Flugabwehr für die gesamte Bundeswehr sammeln“.

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Das Team der NAMEADSMA

Das Team der NAMEADSMA (Quelle: NAMEADSMA/Tim Döscher)Größere Abbildung anzeigen

Das Flecktarn im Schrank

Nach nur zwei Jahren wurde dieser Tatendrang jäh unterbrochen, denn Döschers Standort wurde aufgegeben. Endlich ergab sich die Gelegenheit, sich wieder bei der NAMEADSMA zu bewerben – und er hatte Erfolg!
Damit war der Kreis vollzogen und der Rückkehr mit Familie nach Huntsville stand nichts mehr im Weg. Dass Tim Döscher seinen geliebten Fleckentarnanzug nun gegen zivile Geschäftskleidung eintauschen musste, bedeutete für ihn nur eine kleine Umgewöhnung. Heute ist Döscher für die Betreuung der Entwicklung eines der Großgeräte bei MEADS mitverantwortlich und hat dabei ständig ein Bein in der zivilen Wirtschaft :„Es ist sehr erstaunlich, wie sich einerseits die Strukturen und Führungsphilosophien größtenteils ähneln und wie andererseits rauh der Wind mitunter in der Zivilwirtschaft weht“. Auch gibt das trinationale Umfeld bestimmte Spielregeln vor. „War ich es bei der Bundeswehr gewohnt, dass vieles sehr präzise umrissen war und Vorhaben unverzüglich durchgesetzt werden konnten, so kommt es im Zusammenspiel der Nationen, der Zivilwirtschaft und dem Militär auf sehr viel Fingerspitzengefühl und Diplomatie an, um Ziele zu erreichen.“ Im Wesentlichen überwacht Döscher heute alle erforderlichen Maßnahmen, die zu der technischen Entwicklung eines FlaRak-Großgeräts beitragen. Hierzu zählen unter anderem das Überwachen der Kosten und des Zeitplanes, das erfolgreiche Abschließen von Entwicklungsabschnitten, das Beiwohnen von Betriebsabnahmen, sowie das Begleiten der Test- und Auswertephase, die am Ende der Entwicklungsphase steht.

Das Wahrzeichen von Huntsville: Saturn V Rakete des Space- and Rocketcenters

Saturn V Rakete des Space- and Rocketcenters (Quelle: Luftwaffe/Phillip Winburn)Größere Abbildung anzeigen

Besonders stolz macht Döscher die Tatsache, dass er seine in der Truppe erlangten Kenntnisse an die Industrie weitergeben- und damit als Hinweise in die Entwicklung einfließen lassen kann. „Es herrscht beidseitiger Respekt und Vertrauen. So ist es möglich, unseren späteren Bedienern die bestmögliche Technik zukommen zu lassen“. Auch die Familie fühlt sich in den USA sehr wohl. Sie hat schon so manche Reise unternommen, um das einzigartige Land und deren Menschen kennenzulernen. Was sie besonders bemerkenswert herausstellt, ist der Umstand, dass die Amerikaner den Deutschen gegenüber uneingeschränkt positiv eingestellt sind.

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Tim Döscher

Tim Döscher (Quelle: NAMEADSMA)Größere Abbildung anzeigen

Triathlon für die Vereinigten Staaten

Verfolgt man die berufliche Entwicklung des heutigen Oberstleutnants Tim Döschers, wird schnell ersichtlich, dass er ständig die Herausforderung sucht. In seiner Freizeit betreibt er mit Begeisterung Triathlon. Dabei ist er auf allen Streckenlängen unterwegs und hat bereits zwei „Ironman“-Distanzen absolviert. „Was mich so an dem Sport fasziniert, ist die Vielseitigkeit und die erforderliche Disziplin“, beides Merkmale, die auch seinen Beruf kennzeichnen. Aufgrund seiner mehrjährigen Aufenthaltszeit in den USA war er zum ersten Mal berechtigt - nach vorheriger Qualifikation - an den US-Triathlonmeisterschaften teilzunehmen. Dabei gelang es ihm, sich in seiner Altersgruppe für die Langdistanztriathlonweltmeisterschaften zu qualifizieren: Er erhielt eine Nominierung für das US-Team.

Tim Döscher beim Zieleinlauf

Tim Döscher beim Zieleinlauf (Quelle: Luftwaffe/Tim Döscher)Größere Abbildung anzeigen

Ironischerweise fand die Weltmeisterschaft in Immenstadt, im Oberallgäu, statt. Da der Zeitpunkt im August mit dem Heimaturlaub zusammenfiel, konnte die gesamte sportbegeisterte Familie der Veranstaltung beiwohnen, was für ihn einen sehr starken Rückhalt bedeutete. „Es war ein unglaubliches Gänsehautgefühl, was mich einen Großteil der Strapazen auf dem sehr anspruchsvollen Kurs (Vier Kilometer Schwimmen/130 Kilometer Radfahren/30 Kilometer Laufen) ertragen ließ“. Getragen von der Anfeuerung seiner Familie beendete Döscher die WM als zweitschnellster Amateur des US-Teams: „ Auch meine Mitstreiter in der Agentur haben das Ergebnis mitverfolgt, mich unterstützt und mitgefiebert“.

Die Saison wurde im Herbst durch zwei weitere erfolgreiche Teilnahmen an US-Meisterschaften beendet, was ihn zwei weitere Teilnahmen an Weltmeisterschaften in diesem Jahr bescherte. Jetzt heißt es aber für das Energiebündel nach elfmonatigem Training durchatmen und Kraft für das kommende Jahr tanken. Und die wird er brauchen, denn MEADS wird aller Voraussicht nach in eine weitere entscheidende Phase gehen, die durch eine Vielzahl von Tests und Auswertungen gekennzeichnet sein wird.
Und das alles für FlaRak…

 

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Norbert Thomas


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