Klassenzimmer Weltraum
Hamburg, 04.01.2012.
Ihre Mission lautete eigentlich, auf dem Marsmond „Phobos“ Bodenproben einzusammeln. Doch infolge eines technischen Defekts kam die russische Sonde "Phobos-Grunt" über die Erdumlaufbahn nicht hinaus. In Kürze folgt der Absturz des 13-Tonnen-Koloss. Damit Deutschland, seine Bevölkerung und die Bundeswehr nicht von einer derartigen Panne überrascht- und vom absehbaren Weltraumschrott des Satelliten betroffen werden, dazu gibt es das Weltraumlagezentrum in Uedem bei Kalkar. Das Wissen um die korrekte Bewertung derartiger Vorfälle erhielten die Teilnehmer erstmalig auf dem „Pilotlehrgang Weltraumlage“ in Hamburg.

Themen, die man im militärischen Sprachgebrauch bislang so gut wie nicht kannte: Trümmerwolken, Objektpopulation... Aber mit der zunehmenden Bedeutung des Weltraums für den militärischen und besonders auch zivilen Bereich - Stichwort Mobilfunk oder Navigationssysteme - muss man sich daran gewöhnen, dass die Verletzbarkeit dieser Systeme zunehmend auch das Geschehen in der Teilstreitkraft Luftwaffe und letztlich auch der Bundeswehr insgesamt beeinflusst.

An der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg wurde nunmehr der erste Lehrgang für Personal des Weltraumlagezentrums in Uedem erfolgreich durchgeführt. Ausgerichtet von der Technischen Universität (TU) Braunschweig, die führend auf dem Gebiet der Weltraummüllpopulation ist, soll mit diesem Lehrgang dem Personal des Weltraumlagezentrums das Grundwissen für die Erstellung eines Weltraumlagebildes vermittelt werden. Neben den Spezialisten der TU Braunschweig konnte auch das Fraunhofer Institut für die Ausbildung gewonnen werden.

Lehrgangsteilnehmer waren nicht nur die Soldaten und Mitarbeiter, die bereits heute im Weltraumlagezentrum Dienst leisten, sondern darüber hinaus auch Personal, welches in den kommenden Monaten seinen Dienst in Uedem antreten wird. Auch das Kölner Luftwaffenamt hatte Soldaten seines Dezernates „Weiterentwicklung Weltraum“ und den Verbindungsoffizier zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt nach Hamburg geschickt.

In verschiedenen Modulen wurde den Lehrgangsteilnehmern Basiswissen aus den Bereichen Objektpopulation, Umgebungsbedingungen im erdnahen Weltraum, Wiedereintrittsvorhersagen und Trümmerwolken sowie deren zeitliche Entwicklung vermittelt. Auch verschiedene Computerprogramme für den möglichen Einsatz im Weltraumlagezentrum wurden den Lehrgangsteilnehmern vorgestellt.

Oberstleutnant i. G. Olaf Holzhauer, Leiter des Uedemer Weltraumlagezentrums, zeigte sich mit dem Pilotlehrgang sehr zufrieden: „Wir haben eine hervorragende Ausgangsbasis für künftige Lehrgänge“, so Holzhauer. Gemeinsam mit der TU Braunschweig wird das Weltraumlagezentrum jetzt an einer weiteren Optimierung der Inhalte arbeiten. „Unser Ziel ist auch die Öffnung dieses Lehrgangs für Teilnehmer aus Partnernationen, insbesondere den USA und Frankreich“, fügte Holzhauer an und deutete damit an, dass die Luftwaffe daran arbeitet, die Arbeit des Weltraumlagezentrums auf eine internationale Basis zu stellen.


