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Zwölf Journalisten für zwölf Tage in Oliv „verlegt“

Fürstenfeldbruck, Decimomannu (Italien), 29.05.2009.
Am Anfang ist ein Wort: Einkleiden! „Verkleiden trifft es eher“, spötteln einige Journalisten, als sie in der Kleiderkammer auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck etwa 20 Kilogramm Uniformteile für knapp zwei Wochen in Empfang nehmen. Olivgrüne T-Shirts, Feldblusen und Feldhosen in Tarnfleck. Parka in Tarnfleck. Regenhose und Regenjacke in Tarnfleck. Helm. Halstuch. Grüne Socken. Kampfstiefel. Kleiner Rucksack. Feldessbesteck. Feldflasche. Essgeschirr. Nähzeug. Schuhputzzeug. Handschuhe.

Aller Anfang ist schwer
Aller Anfang ist schwer (Quelle: Luftwaffe/Alexander Feja)Größere Abbildung anzeigen

„Verleger“ mal anders

Und das alles fliegt in eine licht-grüne Reisetasche. Reisetasche? „Verlegetasche“, sagt Stabsfeldwebel K., unser Spieß. Die Printjournalisten dachten bisher beim Wort „verlegen“ nur an ihre Zeitung oder ihren Verleger. Für zwei Wochen bekommt das Wort eine neue Bedeutung. Und „Oberverleger“ wird Stabsfeldwebel K. Aus Zivilisten sind – zumindest optisch – im Handumdrehen Soldaten geworden. Auch wenn zu Flecktarn mit Gefechtsstiefeln anfangs noch eine weiße Strickmütze getragen wird. Aber nicht lange. So etwas sieht unser Oberverleger gar nicht gern.

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Lagebesprechung am "Infanterietag"
Lagebesprechung am "Infanterietag" (Quelle: Luftwaffe/Alexander Feja)Größere Abbildung anzeigen

Von Pickeln, Eichenlaub und gelben Streifen

Soldatengesetz. Pflichten und Rechte der Soldaten. Vorgesetztenverordnung. Soldatische Ordnung. Auftrag und Aufgabe der Luftwaffe. Innere Führung. Wehrrecht. Grußordnung. Und mittendrin Gelöbnis und Ernennung zum Oberleutnant der Reserve. Und wen grüßt der Oberleutnant der Reserve auf dem Gelände der Offizierschule der Luftwaffe (OSLw)? „Auf jeden Fall Jeden, der mehr Pickel auf der Schulter hat – oder das Eichenlaub darunter“, lautet die Faustformel, die über die ersten Tage hinweghilft. Nur bei der Marine und ihren gelben Streifen („das sind die mit dem „Pommes“ oben drauf“) klappt es für einige bis zum Schluss nicht. Aber nicht verzagen: Wir sind ja bei der Luftwaffe. Und dazu gehören nicht nur Gespräche mit Offizieranwärtern, sondern mit ihrem Kommandeur, der erfreulich viel Zeit und offene Ohren für seine zwölf neuen Oberleutnante hat. Der Kommandeur hat übrigens goldenes Eichenlaub und einen Stern auf der Schulter.

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Faszination Fliegen…
Faszination Fliegen… (Quelle: Luftwaffe/Alexander Feja)Größere Abbildung anzeigen

„Schnupperkurs Luftwaffe“

Nach fünf Tagen „Schnupperkurs Luftwaffe“ und einer Rundtour durch etliche Standorte in Bayern kennen wir uns aus. Nicht zuletzt in den Strukturen. Denn jeder Vortrag und jede Einweisung beginnt mit einer Folie über die dienst- und truppenrechtliche Unterstellung. „Power Point“ erreicht schnell den Status „Unwort des Lehrgangs“. Doch immer hat die Bundeswehr auch ein Einsehen nach dem Laptop-Vortrag – offene Gespräche und der praktische Teil sind dran, wie wir in beeindruckender Weise beim Jagdbombergeschwader 32, Lufttransportgeschwader 61 und der technischen Schule 1 der Luftwaffe erleben durften. Doch auch schon ein Besuch der Luftwaffeninstandhaltung lohnt. In Erding erfahren wir, dass die „gute alte Transall“ die Bundeswehr noch weit in das kommende Jahrzehnt begleiten wird. Aber nicht nur deshalb erhält der Flieger alle drei Jahre ein Facelifting. „Die Runderneuerung kostet etwa eine Million Euro. Aber dann ist die Transall wie neu“, sagen die Prüfer, als wir neugierig unsere Nasen in das ausgeweidete Flugzeug stecken. „Das ist eben unser Arbeitspferd der Lüfte.“

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Warten auf die 3. Dimension
Warten auf die 3. Dimension (Quelle: Luftwaffe/Volkmar Otto)Größere Abbildung anzeigen

Mit dem fliegenden Pferd nach Sardinien

Dass fliegende Pferde auch mal schlapp machen können, erleben die zwölf Journalisten hautnah, als ihr Lehrgang wenig später in Landsberg eine „Transall“ nach Decimomannu auf Sardinien besteigt. Motoren an, brummen lassen, Motoren aus, aussteigen. Eine Lampe für die Öldruckwarnung geht nicht aus. Was folgt, ist wie eine geplante Lehrvorführung für bundeswehreigene Problemlösungen. Nur Minuten später ist der schnelle Reparaturtrupp an der Maschine und das Problem wird gelöst. Unser Fazit: Finger weg davon, alles in die Privatwirtschaft outsourcen zu wollen…! Doch zu Sardinien später mehr…

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Team Luftwaffe – gemeinsam erleben!
Team Luftwaffe – gemeinsam erleben! (Quelle: Luftwaffe/Volkmar Otto)Größere Abbildung anzeigen

Flugmedizinisches Institut der Luftwaffe

Schwierigkeiten der ganz anderen Art begegnen uns beim Flugmedizinischen Institut in „Fürsty“. Die Luftwaffe kann aus rund 5000 Bewerbungen pro Jahr, hochmotivierten und der Fliegerei zugeneigten Kandidaten auswählen. Im Simulatorraum erfahren wir, dass die Luftwaffe damit gerechnet hatte, dass durch die Öffnung aller Laufbahnen für Frauen die Bewerberzahlen rasant ansteigen. Einige Gebäude weiter: die Rechts- und Unfallmedizin. Die Ausgangslage umreißt der Toxikologe mit den Worten: „Wenn jemand vom Himmel fällt, dann ist es ein nichtnatürlicher Tod. Dann kommen wir.“ Und ergänzt: „Die Staatsanwaltschaft sucht nach einem Schuldigen, wir nach dem Grund.

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Auch das Bad sieht etwas anders aus …!
Auch das Bad sieht etwas anders aus …! (Quelle: Luftwaffe/Alexander Feja)Größere Abbildung anzeigen

Ran an den Baum, rauf auf den Baum

Verlegen ins Gelände. Praktischer Höhepunkt der ersten Woche. Unseren Ausbildungsfeldwebeln sei Dank. Dabei nutzt eine kleine Einweisung im Umgang mit Karte und Kompass: „Ran an den Baum, rauf auf den Baum“, heißt eine kleine Eselsbrücke im Umgang mit Koordinaten. Also erst von links nach rechts, dann von unten nach oben den Standort auf der Karte suchen. In der Realität vermeidet es zumindest Umwege.

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Die „berühmte“ Hindernisbahn…
Die „berühmte“ Hindernisbahn… (Quelle: Luftwaffe/Alexander Feja)Größere Abbildung anzeigen

Emma, ach, Emma!

Auch „EMMA“ lässt aufhorchen. Denn wenn man’s vergisst, ist ein lauter Knall programmiert. Beim Minensuchen heißt die goldene Regel: „Erkennen, Markieren, Melden, Ausweichen“ (EMMA). Bevor wir das hören, werden wir aber erst ins kalte Wasser geschmissen. Wir hören einen lauten Knall. Major F., unser Lehrgangsleiter: „Nun machen Sie mal!“. Einige Meter weiter entdecken wir einen lädierten LKW auf einem Rasenstück. Davor rote Absperrbänder. Aus dem LKW Hilfeschreie. Da muss sofort geholfen werden. Und sofort laufen zwölf Journalisten in Uniform zu dem LKW – und damit in ein Minenfeld. Da muss geholfen werden – aber nicht sofort. Zwölf Soldaten hätten gewusst, was rote Absperrbänder mit der Aufschrift „Achtung Minen!“ zu bedeuten haben. Emma, ach, Emma... Von Emma zu SAR (Search and Rescue-Hubschrauber). Vier Journalisten (Soldaten) werden zwanzig Meter in den Hubschrauber hochgeseilt und hineingezogen. Anschließend kleiner Rundflug. Dann wieder Abseilen. Verlegen zum Übungscamp, wo die Offizierschüler der OSLw ein leichtes Vorgefühl auf den Auslandseinsatz bekommen. Zwölf Soldaten (Journalisten) betreiben einen Checkpoint: durchsuchen Fahrzeuge, kontrollieren Personen (das arme Üb-Personal…) – und bekommen ein mittelschweres Vorgefühl, was Soldaten im Einsatz leisten müssen. Verlegen auf die Hindernisbahn, anschließend Geländemarsch zurück an die OSLw. Sonntag Ausschlafen: erst um Acht Uhr Aufstehen. Erholungstag.

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Nicht nur in der Luft zu Hause!
Nicht nur in der Luft zu Hause! (Quelle: Luftwaffe/Alexander Feja)Größere Abbildung anzeigen

Überleben See

Dann mit der Transall nach Sardinien. Taktisches Ausbildungskommando der Luftwaffe. Deutsch-italienische Kooperation. Da, wo Tornados und Eurofighter über See und Land weiträumig den Luftkampf üben können. Zwölf Journalisten in Uniform üben Überleben auf See: Wärmeschutz, Nässeanzug, Fliegerhelm und Schwimmweste. So müssen sich Leute im Spaceshuttle fühlen. Derart aufgerödelt geht es dann ins Mittelmeer. Die 50 Meter vom Speedboot bis zum Rettungsfloß können ganz schön lang werden – vom Weiterschwimmen zur Sechs-Mann und schließlich zur 20-Mann-Rettungsinsel ganz zu schweigen. Unser Spieß und Oberverleger Stabsfeldwebel K. fast wie ein Fisch im Wasser.

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Stand vom: 07.08.12 | Autor: 


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