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Rund um die Uhr wachsam (Teil 2)

Deutschlandweit, 09.09.2011.
Der Einsatzführungsdienst der Luftwaffe führt seit über 50 Jahren Luftraumüberwachung und im Bedarfsfall die Einsatzführung zur Sicherheit des Luftraumes über Deutschland als integraler Bestandteil der NATO-Luftverteidigung durch.

Seit über 40 Jahren rund um die Uhr im Einsatz: Rundsuchradar der Luftwaffe
Seit über 40 Jahren rund um die Uhr im Einsatz: Rundsuchradar der Luftwaffe (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Die heutige Struktur des Einsatzführungsdienstes umfasst drei Luftverteidigungsgefechtsstände, sogenannte CRC (Control and Reporting Center), einen verlegefähigen Gefechtsstand (Deployable Control and Reporting Centre/DCRC) sowie die übergeordnete Führungszentrale Nationale Luftverteidigung (FüZNatLV).

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Blick auf einen Gefechtsstand in den 80er Jahren
Blick auf einen Gefechtsstand in den 80er Jahren (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Der Aufbau des Einsatzführungsdienstes

Ein Einsatzführungsbereich entspricht einem Verband auf Regimentsebene. Diese Luftverteidigungsgefechtsstände, auch CRC genannt (Control and Reporting Centre), sind ein integraler Bestandteil der NATO-Luftverteidigungsorganisation (NATINADS). Die Gefechtsstände überwachen im Dauereinsatzbetrieb an sieben Tagen in der Woche und rund um die Uhr den Luftraum im jeweils zugewiesenen Verantwortungsbereich. Die ortsfesten CRC operieren zudem im Verbund mit dem fliegenden NATO-AWACS-Aufklärungssystem, stationiert auf dem NATO-Flughafen in Geilenkirchen-Teveren. Der Einsatzführungsdienst der Luftwaffe stellt dazu ständig für die AWACS-Komponente einen festen Stamm an Luftraumüberwachungspersonal ab. Die militärische Luftraumüberwachung selbst wird durch einen Datenaustausch mit der zivilen Deutschen Flugsicherung (DFS) und den angrenzenden Nachbarstaaten organisiert und bei Bedarf ergänzt. Lageabhängig - respektive ereignisorientiert - wird die Luftraumüberwachung auch genutzt für wichtige politische-, oder allgemein wichtige mediale Veranstaltungen, wie beispielsweise während der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland.

Technik heute: Infolge des zunehmenden Luftverkehrs muss die Datenverarbeitung heutzutage weit mehr leisten und abbilden
Technik heute: Infolge des zunehmenden Luftverkehrs muss die Datenverarbeitung heutzutage weit mehr leisten und abbilden (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Technisch sind die CRC sind mit einem Computersystem ausgestattet, das in der Lage ist, die durch militärische und zivile Radarsysteme gewonnenen Daten aufzubereiten. Nach Auswertung und Identifizierung der erfassten Flugziele wird das gewonnene Luftlagebild an übergeordnete Gefechtsstände und Dienststellen weitergeleitet. Im Rahmen der aus dem Kalten Krieg entstandenen Luftverteidigungsarchitektur kommen die genutzten Erfassungs- und Gefechtsführungssysteme – bis zum Datenverarbeitungssysteme in Echtzeit – sowohl aus dem ehemaligen „Westen“ als auch aus dem „Osten“ (beispielweise das System „Arcona“ der ehemaligen Nationalen Volksarmee). Abgesetzte Bereiche und –Züge, wie dislozierte Luftverteidigungsstellungen und ihre Radarstellungen heute bezeichnet werden, finden sich in einer Kette von Norwegen bis zur Türkei.

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Die Abfangjäger der Luftwaffe beim gemeinsamen Start
Die Abfangjäger der Luftwaffe beim gemeinsamen Start (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Im scharfen Einsatz

Sollte im Friedensbetrieb eine Identifizierung eines Objektes durch Sichtkontakt erforderlich werden, veranlasst das regional zuständige CRC den Start einer Alarmrotte und leitet den Abfangeinsatz ein und durch. Die dabei zur Verfolgung des Eindringlings in Frage kommenden Alarmrotten stammen aus der QRA des Jagdgeschwaders 71 und 74: Phantom oder Eurofighter steigen zur Abfangjagd auf. Weil die Abfangjäger hierzu auch den zivilen Luftraum kreuzen, ist eine enge Zusammenarbeit mit den Kontrollstellen der zivilen Flugsicherung erforderlich. Auf Anforderung der zuständigen Bundes- oder Landesbehörden unterstützt der Einsatzführungsdienst der Luftwaffe auch bei der Absicherung von Großveranstaltungen und stellt im Rahmen der „Zivil-Militärischen Zusammenarbeit“ dem Bundesamt für Bevölkerung und Katastrophenhilfe erforderliche Luftlageinformationen zur Verfügung. Darüber hinaus wirkt der Einsatzführungsdienst der Luftwaffe im Bedarfsfall bei Such- und Rettungsmaßnahmen (SAR) mit. In Einsätzen unterstützt das CRC als bodengebundene Komponente die Luftkriegsoperationen im NATO-Rahmen. Über Datenlink-Verbindungen und Funksprechverkehr können militärische Sensoren und Waffenplattformen angebunden werden. Bei Luftverteidigungseinsätzen werden den Jagdflugzeugen und Flugabwehrraketensystemen dadurch rechtzeitig Informationen zur Verfolgung des Eindringlings zur Verfügung gestellt und bei Bedarf werden die Abfangjäger gerichtet an das Feindflugzeug herangeführt.

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Blick in die Führungszentrale Nationale Luftverteidigung in Kalkar: Hier wird der Schutz des Luftraums koordiniert
Blick in die Führungszentrale Nationale Luftverteidigung in Kalkar: Hier wird der Schutz des Luftraums koordiniert (Quelle: Luftwaffe/)Größere Abbildung anzeigen

Die Führungszentrale Nationale Luftverteidigung (FüZNatLV)

Die Ereignisse vom 11. September 2001 machten in Teilen ein Umdenken erforderlich. Im Ergebnis entstand die Einrichtung eines für diese Aufgaben optimierten Gefechtsstandes zur Wahrnehmung nationaler lufthoheitlicher Aufgaben. Seit dem 1. Juli 2003 betreibt der Einsatzführungsdienst der Luftwaffe die Führungszentrale Nationale Luftverteidigung (FüZNatLV) in Kalkar als militärischen Beitrag zum Nationalen Lage- und Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum (NLFZ SiLuRa). Als „militärischen Muskel“ des ressortübergreifend besetzten NLFZ SiLuRa nimmt es nicht nur die zentrale Verantwortung für die nationalen Luftraumsicherung wahr, sondern nimmt zentral und unter anderem für alle Kampfgeschwader der Luftwaffe die Koordination des Luftraumbedarfs militärischer Luftraumnutzer über der Bundesrepublik Deutschland wahr. Sie ist damit auch mitverantwortlich für die Verteilung des Flugaufkommens im deutschen Luftraum.

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Übersicht der Einrichtungen in Deutschland
Übersicht der Einrichtungen in Deutschland (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Unterstellungsverhältnisse

Als sogenannte NATO Command Forces sind die drei CRC bereits im Friedensbetrieb für den Einsatz unmittelbar den übergeordneten NATO-Gefechtsständen - wie beispielsweise dem NATO-CAOC in Kalkar - (Combined Air Operations Centre/Übergeordneter Luftverteidigungsgefechtsstand) unterstellt, damit die deutschen Soldaten sofort bei irgendeiner internationalen Bedrohung im Rahmen der NATO-Luftraumverteidigung (NATINADS) tätig werden können. Umgekehrt bei einer nationalen Luft-Notlage: Im Falle einer nationalen terroristischen Bedrohung durch zivile Flugzeuge, dem sogenannten „Renegade“ wechselt die Verantwortung auf die Führungszentrale Nationale Luftverteidigung (FüZNatLV) über, die ihrerseits für diesen Fall dem Inspekteur der Luftwaffe untersteht. Als Arbeitsmuskel des ressortübergreifend besetzten NLFZ SiLuRa kann der Inspekteur der Luftwaffe damit für die nationale Sicherheit agieren und gleichzeitig auch die Erkenntnisse anderer Ministerien zu seiner Entscheidungsfindung heranführen.

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Modernste Einrichtung ihrer Art in Europa: Das Einsatzgebäude des Einsatzführungsbereiches 2
Modernste Einrichtung ihrer Art in Europa: Das Einsatzgebäude des Einsatzführungsbereiches 2 (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Schlussbemerkung

In der heutigen Struktur des Einsatzführungsdienstes hat die Luftwaffe ein effektives Instrument geschaffen, um im Friedensflugbetrieb die Koordinierung der militärischen Nutzung von Lufträumen über Deutschland durchzuführen: Ihre Führungszentren, respektive Gefechtsstände in Kalkar koordinieren alle Maßnahmen der Luftverteidigung vollverantwortlich unter Beteiligung entsprechender ziviler, ressortübergreifender Dienststellen. Die Luftwaffe hat sich zudem mit ihren Abfangjägern und Einrichtungen zur Einsatzführung optimal in die NATO-Luftraumüberwachungsarchitektur eingerichtet.

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Stand vom: 21.09.11 | Autor: Jürgen KG. Rosenthal, Norbert Thomas


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