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Online-Tagebuch eines Luftwaffenoffiziers – Folge 9

Juba, 31.05.2010.
Im Sudan beginnt die Regenzeit, wodurch das Straßen- und Wegenetz schlagartig überspült wird. Schwierig, die hungernde Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen…

Minenräumer unterwegs
Minenräumer unterwegs (Quelle: Luftwaffe/Team Juba)Größere Abbildung anzeigen

Ein Land, dass nur langsam auf die Füße kommt

Einer der Schwerpunkte in unseren Treffen und Projekten bei UNMIS ist immer wieder die allgemeine Versorgungslage im Süd-Sudan. Ein guter Indikator hierfür sind eigentlich immer die Zahlen des World Food Programme (WFP/Welternährungsprogramm), die aber leider keinen Anlass zur Freude bieten. Wurden im Januar noch 200.000 Menschen durch das WFP versorgt, so sind es im Februar schon 1.200.000 – Tendenz steigend. Zudem gibt es kaum Schutz für Lager und Transporte, wenn selbst SPLA (Militär) und SSPS (Polizei) nicht unbedingt zeitgerecht ihre Gehälter bekommen - und selbst wenn, heißt das nicht, dass es für die betroffenen Gebiete überhaupt Nahrungsmittel zu kaufen- und zu verteilen gibt. Denn als würde das noch nicht reichen, liegen auch noch tausende Minen verstreut über das große Land, was eine effiziente Verteilung der Güter bisweilen erheblich behindert.

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Einfach nur trostlos…
Einfach nur trostlos… (Quelle: Luftwaffe/Team Juba)Größere Abbildung anzeigen

Kritische Versorgungslage

Gerade jetzt, wo viele Menschen auf Hilfslieferungen angewiesen sind, verschlechtert sich durch die kommende Regenzeit die Lage zunehmend. Dazu kommt die Nomadenbewegung der Meseria durch ihre Korridore gen Süden und die immer häufiger werdenden Überfälle auf das WFP (Lagerhäuser und Konvoys). 46% der Bevölkerung sind unterernährt, allein im Süd-Sudan sind dies deutlich über vier Millionen Hunger leidende Menschen. Um diese Masse ausreichend ernähren zu können, müssten schätzungsweise 60.000 Tonnen Nahrungsmittel monatlich verteilt werden - und das in der nun kommenden Regenzeit…

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Der „Camp-Marabu“ freut sich schon auf die Regenzeit
Der „Camp-Marabu“ (Quelle: Luftwaffe/Team Juba)Größere Abbildung anzeigen

Unerwünschte Besucher

Wieder Gewitter. Nicht so heftig wie vor kurzem, aber das Wasser steht innerhalb von wenigen Minuten an manchen Stellen knöcheltief. Die Frösche freut´s - die sind zu Weilen auch lauter als das Gewitter selbst.
Grundsätzlich hab ich nichts gegen die Frösche, aber wenn die sich hier so zahlreich einfinden, dann dauert es nicht mehr lange, bis die ersten Schlangen kommen. Und wenn man vom Teufel spricht… auf dem Weg zum Abendessen gibt es ein kleines Highlight: Die Kasernenwache hat eine Schlange entdeckt, keine fünf Meter vom Essenstisch entfernt - und mit Steinwürfen unter einen nahen Container gejagt. Jetzt wird sie (es ist eine schwarze Mamba, knapp 2,5 m lang) dort eingekreist und man weist ihr dann einen vermeintlichen Ausweg: Und genau auf dieser Flucht wird sie dann mit einem langen Stock erschlagen.
Den Rest erledigt unser Kasernen-Marabu, der sich an diese Schlange selbst wahrscheinlich nicht heranwagen würde. Ich mich übrigens auch nicht. Die schwarze Mamba ist die schnellste Schlange Afrikas und überaus aggressiv.

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Ungewohnte Besucher am Straßenrand während der Townpatrol
Ungewohnte Besucher am Straßenrand (Quelle: Luftwaffe/Team Juba)Größere Abbildung anzeigen

Townpatrol mit Folgen

Da wir gestern einen neuen Soldaten zugeschleust bekommen haben, habe ich spontan beschlossen, mit unserem Neuankömmling eine Tour durch Juba zu machen. Zunächst führt mich die Tour mit Nico zum Konyo-Markt, dann zum Hafen, durch die Juba Mountains und schließlich über die verschiedenen Märkte. Spontan sind auch Björn und Harry mit dabei, sodass wir uns nach dem Frühstück für eine kleine Stadtrundfahrt gefunden haben. Erst mal gehen wir Einkaufen. Dabei kaufen wir auch noch ein paar Fußbälle zum Verschenken ein, denn die Afrikaner sind mindestens genauso Fußball-verrückt wie wir in Deutschland. Und jeder kennt Michael Ballack!

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Die enge Auffahrt zur Brücke aus der Sicht des Beifahrers
Die enge Auffahrt zur Brücke (Quelle: Luftwaffe/Team Juba)Größere Abbildung anzeigen

Brenzlige Situation an der Nilbrücke

Eigentlich könnten wir ja mal wieder auf die andere Seite des Nils fahren …, dachten wir einige Stunden später, nachdem wir Juba „abgegrast“ hatten. Auf der Zufahrt zur Brücke (so viele gibt´s davon nicht in Juba und Umgebung) stellten wir fest, dass der Verkehr heute nur einseitig fließt – und wie immer sind reichlich Soldaten hier zur Bewachung dabei, auch um eventuell für einen kleinen Nebenverdienst die Hand aufhalten …

Ein verrosteter Panzer am Fuß der Brücke zeugt davon, dass Konflikte hier auch zeitweise anders „gelöst“ wurden…
Verrosteter Panzer am Fuß der Brücke (Quelle: Luftwaffe/Team Juba)Größere Abbildung anzeigen

Mit den Brücken ist das so eine Sache. Einmal drauf und in Schwierigkeiten geraten, sitzt man mehr oder weniger in der Falle. Die Anzahl der Fluchtwege ist dort eingeschränkt. Als wir schon auf die Brücke auffahren, springt einer der Wachposten vor unser Auto und schlägt mit voller Kraft auf die Motorhaube: Völlig erbost fragt er nach Kameras! Da er kaum Englisch spricht, ist es schwer zu verstehen, was er will. Es klingt für mich so, als ob er glaubt, wir hätten die Brücke fotografiert, was ja hier im Sudan absolut verboten ist. Wir versuchen ihm freundlich zu erklären, dass wir nicht mal eine Kamera dabei haben.
Als er aber dann seine Kalaschnikow von der Schulter nimmt, wird die Sache ernst. Mit „einer Knarre im Gesicht“ möchte ich nicht weiter auf meinen Standpunkt bestehen und entscheide mich für das Naheliegende: Unter freundlichen Beteuerungen und Wünschen für einen schönen Tag treten wir den Rückzug an.
Und zwar schnell…

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Stand vom: 21.06.11 | Autor: Marco S.


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