Eine Konzentration, die wirkt
Neuburg a.d. Donau, 11.04.2011.
Seit Anfang März 2011 wurden unter dem Begriff „Konzentration“ Soldaten und Eurofighter verschiedener Verbände im Jagdgeschwader 74 am Standort Neuburg a.d. Donau zusammengeführt, um den operationellen Flugbetrieb der Luftwaffe aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu optimieren.
Als ein erstes erfolgreiches Zwischenprodukt schält sich bereits jetzt heraus, dass deutlich mehr Piloten am Eurofighter ausgebildet werden können - obschon dies eigentlich „nur“ ein Nebenprodukt der Konzentration ist.

Seit Anfang März dieses Jahres ist wieder mehr Flugbetrieb auf der Luftwaffenbasis in Neuburg. Nach der Zentralisierung der Eurofighter-Ausbildung beim Jagdgeschwader 73 (JG 73) in Laage, die bis Ende Februar diesen Jahres stattgefunden hat, sind jetzt wieder erheblich mehr Flugzeuge im Jagdgeschwader 74 (JG 74) stationiert. Die hohe Anzahl verfügbarer Maschinen lässt es dabei betriebswirtschaftlich zu, neue Kapazitäten zu nutzen.

Außerordentlich - Fliegerische Umschulung im Jagdgeschwader 74
Erstmalig werden in Neuburg Piloten auf den Eurofighter umgeschult. Die Umschulung wird als „Transition Course“, im Pilotenjargon „TX Course“, bezeichnet, dauert etwa 12 bis 14 Wochen und ist für Besatzungen konzipiert, die vorher ein anderes Kampfflugzeug geflogen sind. Die Umschulung, als Bestandteil der fliegerischen Ausbildung, passt in die strategische Ausrichtung der Konzentration, möglichst viele Piloten für den Eurofighter fit zu machen. So ist es denn auch nachvollziehbar, dass beispielsweise die Theorie noch in Laage stattfinden kann, aber die Simulatorflüge bereits in Neuburg. Nichtsdestotrotz stammen die Inhalte der Ausbildung und die festgelegten Durchführungsparameter - der sogenannte Syllabus - aus dem JG 73, während die Ausbilder praktisch aus allen drei Eurofighterverbänden stammen können.
Nach der Konzentration kann die Umschulung wieder in Laage stattfinden, wo nach wie vor die höchste Ausbildungskapazität „gefahren“ wird.

Der Transition Course
Der Kurs fängt mit den „Basics“ an: Starten und Landen, Formationsfliegen, Nachtflug. Die fliegerische Spanne reicht von der klassischen Abfangjagd bis hin zum Luftkampf zu zweit gegen mehrere Gegner, die noch außerhalb der Sichtweite der Piloten liegen (BVR / „Beyond Visual Range“) und daher mit dem Lenkflugkörper AMRAAM bekämpft werden müssen. Hier geht es dann auch nicht mehr nur um das reine Fliegen, sondern hier ist auch schon Taktik gefragt, die der Pilot erbringen muss, obschon ihn allein das Waffensystem - mit seiner ausgefeilten Manövrierbarfähigkeit am Rand des aerodynamisch Machbaren - an seine physische (Belastbarkeits-) Grenze bringt.
Das fliegerische Programm ist insgesamt gepackt in 16 Flüge, zuvor kommen 25 Einsätze im Simulator und viele Stunden Unterricht als einleitende Theorie: Ein straffes Programm für die Umschüler und Lehrer, insbesondere für die Jagdstaffeln, die sich organisatorisch und parallel bereits jetzt auf ihren kommenden Einsatz als Bestandteil der weltweit agierenden NATO Response Force (NRF) vorbereiten müssen.

Neben dem Erstflug in dem hochmodernen Kampfjet ist sicher auch der erste Alleinflug ein Höhepunkt des Kurses, weil es für viele "Umschüler" der erste Soloflug seit der fliegerischen Ausbildung in den USA ist. Und das kann bei dem einen oder anderen Piloten durchaus lange her sein, weil die Phantom F-4F beim Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ in Wittmund wie auch die Tornados der Luftwaffe stets als Zweisitzer geflogen werden. Auf den Umschüler kommen daher Änderungen zu, auf die er kaum vorbereitet ist: Zwar ist das Cockpit des Eurofighters ergonomisch ausgelegt, dem Piloten optimal zu dienen, doch ein „eingefleischter Zweisitzer“ muß sich dennoch erst an die Situation gewöhnen, dass ihm bestimmte Tätigkeiten im Cockpit - und die können beispielsweise in einem Angriffsmanöver sehr zeitkritisch werden - nicht mehr von seinem „Backseater“ abgenommen werden. Für den Piloten, der ohnehin schon unter einem immensen Druck steht, heißt dies: Noch mehr Informationen aufnehmen und verarbeiten, noch mehr Entscheidungen in kürzester Zeit fällen – bei gleichbleibender Verantwortung zur Zielerfüllung.

Strategische Investition
Geplant sind, 2011 und 2012 jeweils sieben Piloten zusätzlich zum Soll umzuschulen, wobei die Masse der Umschüler aus dem Jagdbombergeschwader 31 „Boelcke“ kommen wird, denn der Verband aus Nörvenich erhält die ersten mehrrollenfähigen Maschinen, deren Auslieferung der reinen Abfängervariante des Eurofighters zeitlich folgt: Folglich müssen die meisten Umschüler auch aus Nörvenich kommen.
Nach erfolgreich abgeschlossener Umschulung ist für die Nörvenicher Piloten zusätzlich die Ausbildung für die QRA(I) vorgesehen. Dieser Mehraufwand soll sich lohnen: Zum einen wird das Personalgerüst im fliegerischen Bereich des JG 74 entlastet, zum anderen haben die Nörvenicher Piloten damit die Möglichkeit, einen komplett neuen und fordernden fliegerischen Auftrag kennenzulernen, der sie taktisch nicht nur auf die reine Luft-Bodenrolle ihres mehrrollenfähigen Kampfjets festlegt.
Das gegenseitige „Voneinander profitieren“ ist ein Kernmerkmal der Konzentration: Durchdachte Projekte, gute Ideen und ein Schuss Pragmatismus werden die Luftwaffe um ihr modernstes Waffensystem weiter nach vorne bringen. Die Synergien greifen bereits jetzt - Dank des engagierten Einsatzes einfallsreicher Kameraden im Team Luftwaffe.




