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Ein Minister zum Anfassen

Köln-Wahn / Nörvenich, 05.11.2009.
Mein Name ist Marie Schöler, ich bin 18 Jahre jung und komme aus Bad Berleburg. Ich besuche das Städtische Gymnasium Bad Laasphe und absolviere gerade mein Abitur. Seit gut eineinhalb Wochen bin ich als Praktikantin im Presse- und Informationszentrum der Luftwaffe in Köln/Wahn tätig. Das Praktikum bietet mir sehr gute Möglichkeiten, in den Beruf eines Redakteurs hineinzuschnuppern. Es macht wirklich riesig Spaß, vor allem dann, wenn man wichtige Events mitgestalten darf, wie etwa das Interview mit einem Minister...

(v.l.n.r.) Generalleutnant Stieglitz, Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg und Generalleutnant Kreuzinger-Janik

(v.l.n.r.) Generalleutnant Stieglitz, Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg und Generalleutnant Kreuzinger-Janik (Quelle: Luftwaffe/Toni Dahmen)Größere Abbildung anzeigen

Am 29. Oktober 2009 fand die Übergabe der Luftwaffe in Nörvenich statt. Der neue Bundesminister der Verteidigung, Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, entband Generalleutnant Klaus-Peter Stieglitz von seinem Amt als Inspekteur der Luftwaffe und übertrug es auf Generalleutnant Aarne Kreuzinger-Janik.

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Kein alltäglicher Job

Ein einzigartiger Tag in meiner Praktikantenzeit: Gerade mal vier Tage bin ich hier im Presse und Informationszentrum der Luftwaffe in Köln/Wahn - und schon passiert etwas Unglaubliches: Wir fahren zu einer Veranstaltung, wo man einen Minister leibhaftig zu Gesicht bekommt! Alles begann morgens um zehn Uhr. „Mein“ Oberstabsfeldwebel Herbert Albring, zwei Redakteure und meine Wenigkeit machten uns auf den Weg nach Nörvenich. Um 11 Uhr erreichten wir die Wache der Kaserne. Als erstes machten wir uns mit dem Gelände vertraut. Wir besuchten den Platz, an dem der große Zapfenstreich stattfinden sollte, die Halle, in der später der Minister sowie die ehemalige und die neue Spitze der Luftwaffe für Interviews und Fotos zur Verfügung stehen würden, und schließlich ein Büro als „pressefachliche Operationszentrale“, in dem wir dann die Artikel zeitgleich zum Event gestalten würden.

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Der „erste Tag“ des Ministers bei der Luftwaffe

Der „erste Tag“ des Ministers bei der Luftwaffe (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Der Auftrag

Nachdem wir alles erkundet hatten, begaben wir uns in das Unteroffizierheim und nahmen erst mal eine kleine Stärkung zu uns. Bei Kaffee, Kaltgetränken und einem Imbiss tauschte man sich über die noch kommenden Ereignisse aus. Im Anschluss daran gingen wir zurück zu den Hallen und dem großen Platz. Dort befand sich das Wachbataillon bereits beim Vorüben des Appells und des großen Zapfenstreichs. Plötzlich kam Oberstabsfeldwebel Albring zu mir, um mir mitzuteilen, dass ich eventuell ein Interview mit dem neuen Bundesminister der Verteidigung durchführen dürfte. Mir rutschte das Herz in die Hose: Ausgerechnet ich, die kleine Praktikantin mit gerade mal vier Tagen „Berufserfahrung“ interviewt einen Minister! Nun begann die große Grübelei. Was könnte eine 18-jährige Praktikantin von einem frisch gebackenen Verteidigungsminister wissen wollen? Tausend Fragen gingen mir durch den Kopf, doch keine von diesen schien mir angemessen genug. Dinge wie, „Wie war ihr Grundwehrdienst ?“, erschienen mir absolut nicht angemessen und irgendwie zu lapidar. Auch meine Kollegen überlegten fleißig. Immer wieder schossen uns Dinge durch den Kopf, die wir aber sofort wieder verwarfen.

Das Nachdenken zog sich noch über den gesamten Nachmittag hinweg. Längst hatte die Übergabe begonnen. Generalleutnant Stieglitz war schon fast fertig mit seiner Rede, und uns war es mittlerweile gelungen, vier Fragen aus dem Ideenfluss auszuwählen (, wovon wir im Nachhinein doch noch eine wieder strichen). Nachdem der neue Inspekteur der Luftwaffe, Aarne Kreuzinger-Janik, seine Ansprache fast beendet hatte, wurde die gesamte Presse bereits in die Halle geführt, wo die drei Hauptpersonen des Tages erscheinen sollten. Alle Fernsehteams, Hörfunkmedien und sonstige Pressebeauftragten versammelten sich vorne „beim Ministerpult“ um gute Aufnahmen zu erhalten - schließlich war es der erste Amtstag des Ministers in einer Luftwaffeneinrichtung.

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Marie Schöler interviewt den Bundesminister der Verteidigung

Marie Schöler interviewt den Bundesminister der Verteidigung (Quelle: Luftwaffe/Ingo Bicker)Größere Abbildung anzeigen

Das Interview

Oberst Günther Thiermann, Abteilungsleiter des Presse- und Informationszentrums der Luftwaffe, hatte bereits alles arrangiert. Nach und nach bewegten wir uns immer näher in Richtung Minister - und mein Herz pochte wie verrückt. Ein Kamerateam vom ARD Hauptstadtstudio war noch „vor uns dran“ - dann war es plötzlich so weit. Oberst Thiermann stellte mich als Praktikantin vor, der Minister begrüßte mich und dann durfte ich „IHM“ meine Fragen stellen. In diesem Moment war ich äußerst aufgeregt und wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte... doch dann klappte es hervorragend. Meine erste Frage lautete, ob er sich seinen ersten Amtstag denn so vorgestellte hatte, wie er heute abgelaufen ist, worauf er die Antwort gab: „Ich habe mir ihn, nachdem ich wusste wie er sich gestalten würde und es kaum jemanden gibt, der Tage so gut planen kann wie die Bundeswehr, letztlich genau so vorgestellt. Aber wenn Sie mich fragen, ob ich ihn mir vor einer Woche so vorgestellt hätte, dann: Nein.“ Vor lauter Aufregung sagte ich dann gar nichts, sondern stellte sofort die nächste Frage. „Was bedeute es für Sie, Ihre erste Amtshandlung bei der Truppe zu haben, insbesondere der Luftwaffe?“ Zu Guttenberg: „Also, dass ist ein Punkt, der wirklich eine persönliche Herzensbindung auslöst. Ein erster Tag prägt ja auch die künftige Zeit - und deswegen bin ich im besten Sinne von dem heutigen Tag beeinflusst.“ Es folgte meine dritte und letzte Frage:„Hätten Sie sich damals als Unteroffizier der Reserve vorstellen können, heute vor der Truppe als Bundesminister der Verteidigung zu stehen?“ Einen kurzen Moment sagte er nichts und schluckte. Zu diesem Zeitpunkte dachte ich, ich hätte etwas Falsches gefragt, doch dann die Erleichterung: „Ich habe zwar einen relativ phantasiebegabten Kopf, aber dass war tatsächlich vor 18 Jahren nicht vorstellbar.“ Mit einem Lächeln verabschiedete er sich. Wir bedankten uns recht herzlich und gingen auseinander.

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Der große Zapfenstreich zu Ehren des Generals

Der große Zapfenstreich zu Ehren des Generals (Quelle: Luftwaffe/Ingo Bicker)Größere Abbildung anzeigen

Der Abschluss

Nach diesem Ereignis musste ich mich erst einmal wieder sammeln. So aufgeregt war ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Aber der Tag war noch nicht vorbei. Zunächst gingen wir alle in unser Büro, um einen allgemeinen Artikel von der Übergabe zu fertigen und möglichst schnell unter www.luftwaffe.de zu veröffentlichen, danach ging es zurück in die Halle, um die letzten Teile einer sehr persönlichen Rede von General Stieglitz zu hören. Anschließend folgte der große Zapfenstreich zu Ehren des Generals. Dies miterleben zu dürfen, war für mich ein atemberaubender Moment. Zwischendurch erklärte mir „mein“ Oberstabsfeldwebel, was die einzelnen Musikstücke zu bedeuten haben, wie auch ein paar Einzelheiten allgemein zum Thema Zapfenstreich. Anschließend fanden wir uns wieder in dem Büro ein, um nun den zweiten Artikel über den Zapfenstreich „in Angriff zu nehmen“.

Bevor wir uns endlich auf die Heimreise machten, besuchten wir noch mal das Unteroffizierheim, wo kleine Snacks vorbereitet worden waren. Dermaßen gestärkt, machten wir uns am späten Abend auf die Heimreise. Ein außergewöhnlicher Tag ging damit zu Ende...

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Marie Schöler


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