Die Ausbildung zum Fliegerleitoffizier
Nörvenich, 08.03.2012.
Sie haben ein Sprachleistungsprofil Englisch der Stufe 3332 sowie die Auslandsverwendungsfähigkeit? Eine gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit und zusätzliche Kenntnisse im Bereich infanteristischer Praxis sowie der Militärluftfahrt? Vielleicht wollen Sie ja auch Fliegerleitoffizier werden. Doch so einfach ist es nicht, einer dieser wenigen Spezialisten zu werden…

Am 1. April 2011 wurde das Organisationselement Forward Air Controller (OrgE FAC) auf dem Fliegerhorst Nörvenich aufgestellt. Truppendienstlich untersteht es dem Kommandeur der fliegenden Gruppe, fachdienstlich direkt dem Dezernat A 5 III a des Luftwaffenführungskommandos (LwFüKdo), das die Federführung im Bereich FAC (Abkürzung für die englische Bezeichnung „Forward Air Controler“) in der Bundeswehr innehat.

Zur FAC-Ausbildung können - neben den obligatorisch immer einsetzbaren Luftfahrzeugführern - Offiziere des Einsatzführungsdienstes, des Flugabwehrraketendienstes und der Luftwaffensicherungstruppe, die zu Beförderung zum Hauptmann anstehen, zugelassen werden. Fliegerleitoffiziere sind im Einsatz für die Koordination von taktischen Luftkriegsmitteln, insbesondere in Verbindung mit den Operationen von Heereskräften zuständig.

Weites Tätigkeitsfeld im Einsatz
Der andauernde Einsatz in Afghanistan hat die Fliegerleitorganisation in der Bundeswehr wiederbelebt und deren Aufgabenspektrum erweitert. War früher lediglich die Luftnahunterstützung die primäre Aufgabe des FAC, so zählen heute neben der Beratung des Führers vor Ort in allen Belangen der Luftnahunterstützung und deren Durchführung auch die nicht-traditionelle Aufklärung und Überwachung des Einsatzraumes durch Kampfflugzeuge (Non Traditional Intelligence Surveillance and ReconnaissanceNTISR), die Überwachung und der Schutz von Konvois und Patrouillen sowie das Anfordern von MedEvac-Helikoptern zu seinem Aufgabenbereich. Je nach Einsatzsituation kann aber auch Anforderung von luftgestützten Aufklärungsmitteln der Koalitionspartner, Luftraumkoordination auf dem Gefechtsfeld und auch das bodengebundene Führen von Kampfhubschraubern gefragt sein.

Ausbildungskern in Frankreich
Die Ausbildung zum Fliegerleitoffizier gestaltet sich - wie übrigens ein Großmaß des Arbeitsalltages auch, international. Die Ausbildung an der CFAA, der Deutsch/Französischen Ausbildungsstätte für Fliegerleitoffiziere, wird gemeinsam mit französischen Kameraden in Toul-Rosiers bei Nancy durchgeführt. Die Ausbildung selbst besteht aus einem Theorieanteil, einer Simulatorphase und zwei praktischen Anteilen. Die fünfwöchige, praktische Ausbildung kann an verschiedenen Orten in Frankreich und Deutschland, aber auch auf Sardinien oder in den USA durchgeführt werden.

Während dieser Zeit wird dem angehenden Fliegerleitoffizier das Grundhandwerkszeug zum Leiten von Luftnahunterstützung vermittelt. Dieses wird dann nach der Ausbildung in Deutschland noch mal vertieft und vor einem anstehenden Auslandseinsatz noch einmal überprüft. In Deutschland findet dann auch die Ausbildung am benötigten Gerät statt. Bevor die Fliegerleitoffiziere schließlich in den Einsatz gehen, durchlaufen sie noch die Einsatzvorausbildung bei demjenigen Truppenteil, den sie im Einsatz konkret unterstützen sollen. Und das kann dann auch noch mal bis zu 6 Monate in Anspruch nehmen.

Keine Ausnahme bei der Fortbildung
„Train as you fight”. Dieser - ins Englische übernommene - Leitsatz von Clausewitz, ist auch für den Fliegerleitoffizier von zentraler Bedeutung. Dazu nimmt er jedes Jahr an mehreren, nationalen und internationalen Übungen teil, bei denen er gemeinsam mit den Piloten den simulierten, aber auch scharfen Einsatz von Luftnahunterstützung trainiert. Dabei hat er, wie das Wort "Control" aussagt, die Befehlshoheit und damit auch die Verantwortung in dem ihm zugewiesenen Luftraum. Um dieses hohe Maß an Verantwortung wahrnehmen zu können, haben die Feuerleitoffiziere hohe Auflagen zum Erhalt ihrer Lizenz zu erfüllen.

Spezialisten auf ihrem Gebiet
Die Anforderungen und Vorraussetzungen an Fliegerleitoffiziere sind hoch. Sie müssen flexibel, mehrfach belastbar und „multitaskingfähig“ sein, gleichzeitig auch über ein gesundes Maß an körperlicher Leistungsfähigkeit verfügen, eine schnelle Auffassungsgabe an den Tag legen und vor allem müssen sie bereit sein, ein hohes Maß an Verantwortung zu übernehmen. Da die gesamte Arbeit des FAC in englischer Sprache stattfindet, ist ein Sprachleistungsprofil auf Höhe 3332 Vorraussetzung: Die Luftwaffe ist sich der hohen Verantwortung bewusst, die sie den FAC überträgt. Daher kann und wird es bei den hohen Lehrgangsanforderungen kaum Abweichungen von der Norm geben.

