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Multinationale Effektivität - EATC

Eindhoven/Niederlande, 22.02.2013.
Ein deutscher Heereskommandeur erhält zum Absetzen seiner Luftlandeeinheit über der Eifel sichtlich überrascht eine belgische C-130 Hercules zugeteilt. Eine Luftwaffen-Transall C-160 aus Landsberg nimmt Sanitätsmaterial der französischen Streitkräfte auf und transportiert dieses weiter nach Bamaku in Mali. In Berlin-Tegel landet jüngst ein Airbus A330 der belgischen Luftwaffe, der das deutsche Kontingent für den Flugabwehrraketeneinsatz „ACTIVE FENCE TURKEY“ an den Bosporus fliegt. Alle drei Episoden führen zum Europäischen Lufttransportkommando (EATC) im niederländischen Eindhoven. Schaltzentrale des militärischen Lufttransports in Mitteleuropa.

Flugzeugmuster der Partnernationen

Flugzeugmuster der Partnernationen (Quelle: Luftwaffe/EATC)Größere Abbildung anzeigen

Als Nachfolger des im Jahre 2010 aufgelösten Lufttransportkommandos in Münster ist das nunmehr multinationale Kommando im niederländischen Eindhoven auch fest in die Kommandostruktur der deutschen Luftwaffe integriert. Kaum ein militärisches Transportflugzeug hebt in der Bundeswehr ab, ohne dass das EATC nicht in Flugplanung, -genehmigung und -durchführung involviert wäre.

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Flagge des EATC

Flagge des EATC (Quelle: Luftwaffe/EATC)Größere Abbildung anzeigen

Eine Idee und ihre Entstehungsgeschichte

Nachdem sich am 30. November 1999 der Deutsch-Französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat auf eine tiefergreifende Kooperation im Bereich des militärischen Lufttransports verständigt hatte, folgte im Jahr 2001 die Gründung der multinationalen Koordinierungszelle (European Airlift Coordination Cell (EACC)). Motiviert von frühen Erfolgen bei der Optimierung limitierter Lufttransportkapazitäten, und darauf abzielend, die Koordination von Lufttransportkapazitäten um den Anteil konzeptioneller Arbeit zu ergänzen, gründeten die EACC-Nationen im Jahr 2004 das Europäische Lufttransportzentrum (EAC). Weiteren Schwung erhielt dieser Prozess zwei Jahre später durch den Deutsch-Französischen Ministerrat, der die Gründung eines gemeinsamen Kommandos beschloss. Diesem schlossen sich Belgien und die Niederlande an. Schließlich konnte nach rund 11 Jahren das European Air Transport Command (EATC) am 1. September 2010 unter Führung eines deutschen Kommandeurs, Generalmajor Jochen Both, in Dienst gestellt werden. Inzwischen trat Luxemburg der Europäischen Allianz bei und Spanien bekundete bereits offiziell seinen Willen zur Teilnahme.

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Die Flaggen der Partnernationen

Die Flaggen der Partnernationen (Quelle: Luftwaffe/Norbert Thomas)Größere Abbildung anzeigen

Eine militärische „Star Alliance“

Taktischer wie strategischer Lufttransport, Luftrettung (AirMedEvac) und Luftbetankung sind die Domänen, welche die Partnernationen Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande und Luxemburg dem EATC übertragen haben. Damit koordiniert das EATC etwa 130 Flugzeuge und elf verschiedene Flugzeugmuster.
Damit leitet die Operational Division einen internationalen Flugbetrieb, der etwa 60 - 80 Einsätze pro Tag umfasst. Das EATC organisiert vom niederländischen Luftwaffenstützpunk Eindhoven heraus beispielsweise die Transporteinsätze der drei deutschen Lufttransportverbände sowie der Flugbereitschaft BMVg mit Ausnahme der „weissen Flotte“ des parlamentarischen Flugbetriebes.

Ein Blick in die international besetzte Mission Control

Ein Blick in die Mission Control (Quelle: Luftwaffe/SIRPA)Größere Abbildung anzeigen

Hinter dem EATC verbirgt sich der tägliche Anspruch, dem jeweiligen Nutzer einen passenden Einsatz anzubieten sowie Parallel- und Leerflüge der Nationen zu vermeiden. Unter Anwendung der - ebenfalls im EATC entwickelten und betriebenen - Software MEAT (Management of European Air Transport) verbindet das Kommando derzeit 3.500 Nutzer. Es kann daher auch in jede Lufttransporteinheit der Partnernation „hineinschauen“, sieht die Anzahl einsatzbereiter Maschinen, deren Crews und auch den Wartungsstand der Maschinen. Anhand dieser Daten wählt man in der Operational Division dann die beste Maschine für den jeweiligen Einsatz aus. 24 Stunden vor dem Start werden die Flugdaten an die Einsatzzentrale (Mission Control) gegeben. Von da an überwacht im Schichtsystem ein Team aus Spezialisten alle Flüge rund um die Uhr – und weltweit.

Die Transportverbände in der Übersicht

Die Transportverbände in der Übersicht (Quelle: Luftwaffe/EATC)Größere Abbildung anzeigen

Hierzu zählen übrigens nicht nur die Einsätze im Rahmen der weithin bekannten ISAF-Operationen. So wurden beispielsweise im Jahr 2011, während der Libyen-Krise, etwa 1.000 Personen mit assignierten Maschinen des EATC ausgeflogen. Nationalen Vorbehalten wurde hier, wie auch bei jedem Einsatz, natürlich Rechnung getragen. Bereits zuvor wurde im Rahmen der Nuklearkatastrophe in Fukushima die Evakuierung von etwa 1.300 Menschen geleitet.
Durch die Zusammenlegung der nationalen Lufttransportflotten entsteht nicht nur der wirtschaftlich gewollte, synergetische Zuwachs an Effizienz, sondern auch ein Mehr an adäquaten missionsangepassten Möglichkeiten, weil nun 11 Flugzeugtypen jeder Partnernation zur Verfügung stehen. Dies wiederum eröffnet den nationalen Planungsgremien - beispielsweise dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr - neue operationelle Möglichkeiten.

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Fallschirmspringer im Rahmen der Übung Colibri: Auch Fallschirmspringen ist eine Domäne des EATC

Auch Fallschirmspringen ist eine Domäne des EATC (Quelle: Luftwaffe/Martin Gesenhoff)Größere Abbildung anzeigen

Die Denkfabrik

Doch nicht nur im operationellen, militärischen Lufttransport, sondern auch in seiner aktuellen und zukünftigen Gestaltung spielt das EATC, dessen größter Personalkörper sich aus dem deutschen Luftwaffenanteil rekrutiert, eine herausragende Rolle. In der zweiten Abteilung des EATC, organisiert und harmonisiert die multinationale Transportzentrale die Bereiche Logistik, Wartung, Ausbildung, Übungen, Einsatzgrundsätze und das Flottenmanagement der Partnernationen – um nur die wichtigsten Basisfelder zu benennen, auf welchen das Lufttransportkommando der Teilnehmernationen neue Akzente setzt.
Hier wird seit Indienststellung beispielsweise ein vereinfachtes Verfahren für Überflugrechte implementiert sowie das Training der A400M Besatzungen (Piloten und Ladungsmeister) gestaltet.

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Der Airbus A400M wird das Rückgrat des militärischen Lufttransports in Europa

Der Airbus A400M (Quelle: Luftwaffe/Airbus Military)Größere Abbildung anzeigen

Qualität setzt sich durch

Die deutsche Luftwaffe und die gesamte Bundeswehr werden weiterhin davon profitieren, bei dieser Neuordnung im militärischen Lufttransport von Anfang an mit dabei gewesen zu sein. Möglicherweise ist das multinationale Transportkommando auch eine Blaupause für andere Zukunftsprojekte im Rahmen der Europäischen Verteidigungspolitik, um im Sinne der multinationalen Ressourcenbündelung (Pooling and Sharing) entsprechende Synergieeffekte zu nutzen, Fähigkeiten zusammen zu legen und damit Mittel einzusparen.

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: Norbert Thomas


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