Treffsicher im Einsatz (Teil 3)
Bundesweit, 30.03.2012.
Die bemannten Waffensysteme der Luftwaffe werden mit modernen Sensoren und Effektoren ausgerüstet, um in zukünftigen Szenarien bestehen zu können. Eine Bestandsaufnahme dessen, mit welcher Bewaffnung die Kampfflugzeuge der Luftwaffe ihrer Rolle als Jagdbomber auch in Zukunft gerecht werden…

Die Suche nach dem idealen Wirkmittel setzt bei zukünftigen Waffensystemen nicht unbedingt nur bei dem Bombenkörper selbst, sondern vielmehr bei seinen Anbauteilen an. Es sind dann auch einzelne Verbesserungen, die es möglich machen, Bombenkörper immer neuen operativen Möglichkeiten und Szenarien anzupassen. Erst wenn deren technische Möglichkeiten ausgereizt sind, werden neue Systeme in Auftrag gegeben: Ein Überblick.

Neue Zünder für neue Lenksysteme
In der Vergangenheit konnten Waffen nur eingeschränkt mit der vor dem Start am Boden gewählten Zündereinstellung gegen das vorgesehene Ziel eingesetzt werden. Der definierte Effekt konnte damit nicht flexibel an kurzfristige Lageänderungen angepasst werden. Mit der Einführung moderner Waffen wie der GBU-48 für den Eurofighter hat sich auch die Anzahl der möglichen Angriffsparameter (Geschwindigkeit, Auftreffwinkel, Verzögerung) erhöht. Der moderne Zünder, der passend zur GBU-48 beschafft wird, erlaubt die Explosion der Wirkladung zu den im Flug veränderbar programmierbaren Bedingungen (Schärfzeit, Verzögerungszeit, Bodenabstand). Mit der Möglichkeit der freien Programmierbarkeit der Waffen im Flug werden die Einsatzflexibilität und der zielangepasste Effekt erheblich verbessert.

Ein Trojaner aus Stahl
Die Erreichung des militärischen Ziels unter Minimierung unerwünschter Begleitschäden bleibt im wesentlichen Auftrag der eingesetzten Jagdbomber: Dafür ist erforderlich, dass nur dasjenige Maß an Zerstörung erreicht wird, das ausreicht, die gegnerische Anlage kampfunfähig zu machen.
Um diesem Anspruch gerecht zu werden, entwickelt die Luftwaffe im Rahmen des Projekts der „angepassten Wirkung im Ziel" eine zusätzliche Bombenkörper-Variante für die künftige Eurofighter-Bewaffnung in der Art, dass in die Bombenhülle der GBU-48 ein fast ausschließlich aus Stahl gefertigtes Projektil eingebaut wird, das in der Fachsprache mit dem Akronym TIP bezeichnet wird.
Dieses Projektil kann mit der Wucht des Aufschlags gehärtete und gepanzerte Ziele durchschlagen (Bunker oder Panzer beispielsweise) und erst danach die eigentliche Explosion ausführen. Der Anteil von Explosivstoff an der Gesamtmasse ist erheblich geringer als bei Sprengbomben der gleichen Gewichtsklasse, wodurch auch eine angepasste (sprich: verringerte) Wirkung im Ziel für die Luftnahunterstützung (Close Air Support) erreicht wird.

Abstandswaffe TAURUS
Als Abstandswaffe für mittlere bis große Reichweite nutzt die Luftwaffe den „TAURUS". Hier werden die Zielkoordinaten, weitere Zieldaten sowie eine vorgeplante Flugroute vor Missionsbeginn in den Flugkörper geladen. Die mit einer Cruise Missile vergleichbare Abstandswaffe orientiert sich während ihres Fluges neben der GPS-Ortung auch immer wieder an bestimmten Geländemarken, wodurch sie praktisch nicht mit elektronischen Maßnahmen zu täuschen ist. Unter Nutzung ihres Radarhöhenmessers kann sie außerordentlich tief dem Geländeverlauf folgen, ist damit sowohl schwer zu orten als auch zu bekämpfen. Damit ist sie prädestiniert zur Bekämpfung schwer verteidigter Ziele, die gleichzeitig gut geschützt sind; ein typisches Beispiel hierfür sind Bunkeranlagen.

Die Abstandswaffe wird durch den Tornado eingesetzt und soll gemäß aktueller Planung auch in den Eurofighter in der Mehrzweckrolle integriert werden. Dieser Lenkflugkörper erreicht mit seinem Auftrieb erzeugenden Körper, kleinen Tragflächen und einem sparsamen Strahltriebwerk große Reichweiten von bis zu 350 km, so dass sich die Trägerplattform selbst bei sehr gut verteidigten Hochwertzielen keiner direkten Bedrohung aussetzen muss. Die verwendete Zündersensorik, die in der Lage ist, einzelne Zwischendecken zu erkennen und so genau in der richtigen Etage zu zünden, ist weltweit bisher einzigartig.

Das Ende einer bewährten Waffe
Zur Unterstützung von Seekriegsoperationen und im Verbund mit dem Luft/Boden-Lenkflugkörper AGM 88/B HARM setzte die Luftwaffe bisher den Luft/Schiff-Lenkflugkörper Kormoran 1 und später Kormoran 2 ein. Mit der Einführung der GBU-54 und mit Hinweis darauf, dass die Tornados voraussichtlich Mitte der nächsten Dekade ausgemustert werden, verzichtete die Luftwaffe auf einen neuen Flugkörper zur Bekämpfung von Seezielen.

Die GBU-54 wird alternativ die Seeziele bekämpfen, während die HARM vorab das feindliche Schiffsradar niederhält. Diese Maßnahme kann organisatorisch auch dadurch gefestigt werden, dass die ECR-Tornados, die bisher am Standort Lechfeld stationiert waren, zum Fliegerhorst nach Jagel (oder einem nahen Ausweichflugplatz wie Jever oder Wittmund) temporär oder langfristig verlegt werden.
Mit dem neuen Standard ASSTA 3.0 und 3.1 werden zudem alle Tornados auf einen operativen Level gebracht, der alle Versionen zur Luftnahunterstützung und auch Seezielbekämpfung befähigt. Der Kormoran 2 indes befindet sich bereits in der Ausmusterung.

Zielgenau im Einsatz
Insgesamt hat sich die Luftwaffe mit den vorgestellten Effektoren gut für die Erfordernisse der Zukunft aufgestellt. Die neu einzusetzenden Waffen sind technisch auf dem aktuellsten Stand: Eine höhere, auf Laser- und Satellitentechnik basierende Zielgenauigkeit ist die Folge und wird den gestiegenen Anforderungen des militärischen Auftrags Rechnung tragen. Außerdem wird mit den aufgezeigten Maßnahmen versucht, unbeabsichtigte Begleitschäden mit der bestmöglichen Technik auf ein Minimum zu reduzieren. Ob dies gelingt, bleibt zwar abzuwarten, doch die technisch ähnlich ausgerüsteten Jagdbomber der britischen Luftstreitkräfte (sogenannte Austere-Lösung beim britischen Typhoon) haben im Libyen-Einsatz gezeigt, dass beide Ziele nebeneinander erreichbar sind. So kann erwartet werden, dass auch dieses, technisch anspruchsvolle Rüstungsvorhaben der Luftwaffe zukünftigen Erwartungen entsprechen wird.


