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Die erste Jetpilotin der Luftwaffe

Sheppard USA, 23.09.2006, Luftwaffe.

Oberstleutnant Christoph Kling (Dienstältester Deutscher Offizier beim Deutschen Anteil ENJJPT) bei der Verleihung der Luftfahrzeugfuehrerschwinge an Oberfähnrich FlenderLupe
Oberstleutnant Christoph Kling (Dienstältester Deutscher Off … (Quelle: Luftwaffe)

Sie ist die "First Jet-Lady" der Luftwaffe: Oberfähnrich Ulrike Flender hat in den USA als erste deutsche Frau die Ausbildung zur Jetpilotin abgeschlossen. Am 22. September 2006 wurde ihr offiziell der Militärluftfahrzeug-Führerschein verliehen. Ab Februar 2007 sitzt sie im Tornado-Cockpit.

Schon als Kind hatte Ulrike Flender den Traum vom Fliegen und wollte Astronautin werden. Doch mit 14 Jahren erkannte sie, dass dieser Berufswunsch nur sehr schwer zu erfüllen sein würde. Über das Internet informierte sich die angehende Abiturientin über den fliegerischen Dienst in der Bundeswehr. Ein Wehrdienstberater vermittelte schließlich ein Truppenpraktikum, bei dem sie den Alltag einer Tornado-Staffel hautnah miterleben konnte.

Ab diesem Zeitpunkt stand für sie fest, dass ihr künftiger Arbeitsplatz ein Jet-Cockpit sein sollte. Ihre Mutter war zunächst etwas besorgt wegen des nicht ganz ungefährlichen Jobs, den ihre ältere Tochter anstrebte. "Ich glaube, sie ist aber inzwischen sehr stolz", meint die frisch gebackene Jetpilotin. Bis zum Erreichen ihres Ziels musste Ulrike Flender aber einen langen und steinigen Weg hinter sich bringen.

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Oberfähnrich Flender in der T-38Lupe
Oberfähnrich Flender in der T-38 (Quelle: Luftwaffe)

"Ausbildungs-Marathon" bis zum Jet-Cockpit

Ganz am Anfang stand die Bewerbung als Offiziersanwärterin und der obligatorische dreitägige Test bei der Offizierbewerberprüfzentrale (OPZ) in Köln. Hier musste sie unter Beweis stellen, dass sie überhaupt für den Dienst in der Truppe geeignet ist. "Ich war total nervös und selbst überrascht, dass es dort immer weiter ging", erinnert sie sich. Dann folgte der "Ausbildungs-Marathon" bei der Luftwaffe. Während der ersten Wochen und Monate in Uniform steckte sie jedoch noch nicht in einer Fliegerkombi, sondern im Flecktarn-Feldanzug.

Nach Grund- und Offiziersausbildung ging es los mit dem eigentlichen Pilotentraining. Im ersten Schritt stehen für die angehenden Jetpiloten 14 Wochen Fliegerenglisch, Theorie und Überlebenstraining auf dem Lehrplan. Hinzu kommen medizinische Untersuchungen sowie flugphysiologische Ausbildung in der Unterdruckkammer und Humanzentrifuge.

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sehr konzentriert für den TraumLupe
sehr konzentriert für den Traum (Quelle: Luftwaffe)

Pilotentraining in den USA

Im zweiten Abschnitt der fliegerischen Vorausbildung absolvierten Ulrike Flender und ihre Mitschüler in Goodyear im US-Bundesstaat Arizona innerhalb von neun Wochen ihre ersten Flugstunden auf dem Propellerflugzeug Grob 120 A. Bei ihrem ersten Übungsflug fühlte sie sich zunächst einmal "total überfordert", wie sie sagt: "Kurz nach dem Start habe ich gar nicht mehr richtig realisiert, was überhaupt passiert. Erst als wir schon ziemlich hoch in der Luft waren konnte ich mich etwas entspannen". In erster Linie hat sie dort viel Theorie büffeln müssen.

Kurz darauf ging es weiter zur Sheppard Air Force Base im Norden von Texas, wo künftige Jetpiloten aus fünf Nationen gemeinsam auf ihre Aufgaben vorbereitet werden, unabhängig davon, welches Flugzeugmuster sie einmal fliegen sollen.

Unterschalltrainingsjet Cessna T-37 "Tweet"Lupe
Unterschalltrainingsjet Cessna T-37 "Tweet" (Quelle: Luftwaffe)

Ulrike Flender hat den größten Teil der Jet-Ausbildung bereits hinter sich gebracht. Ab Mitte August 2005 hat sie gelernt, wie man ein strahlgetriebenes Flugzeug bewegt. Tiefflug, Formationsflug und immer wieder Theorie und Simulatorausbildung sind feste Bestandteile des Lehrgangs. Zunächst lernen die „students“ das Jetfliegen im Unterschallbereich auf der Cessna T-37 "Tweet". Hier sitzen Fluglehrer ("Instructor pilot") und Flugschüler nebeneinander. Mit diesem Flugzeug absolvierte Ulrike Flender ihren ersten Solo-Flug, den sie "irgendwie unheimlich" empfand.

Überschalltrainer T-38 "Talon" beim StartLupe
Überschalltrainer T-38 "Talon" beim Start (Quelle: Luftwaffe)

Auf der nächsten Stufe wird die Northrop T-38 A "Talon" eingesetzt. Dabei handelt es sich um einen Überschalltrainer, in dem Lehrer und Schüler hintereinander im Cockpit Platz nehmen.

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Oberfähnrich Flender während des BriefingsLupe
Oberfähnrich Flender während des Briefings (Quelle: Luftwaffe)

"Hauptsache, die Leistung stimmt."

Die Ausbildung verlangt den Flugschülern einiges ab und sie stehen mächtig unter Druck. Wird ein Wertungsflug ("check flight") zweimal nicht bestanden, bedeutet das in der Regel das Aus für den Traum vom Jet-Fliegen. Dass Ulrike Flender diese Herausforderung als erste deutsche Frau gemeistert hat, ist ihr fast etwas unangenehm: "Ich wollte gar nicht die Erste sein, sondern immer einfach nur fliegen. Trotzdem bin ich auch etwas stolz", sagt sie. Im Kreise ihrer Mitschüler fühlt sie sich voll akzeptiert. Nicht nur bei den US-amerikanischen Kameraden gebe es schließlich schon lange weibliche Jetpiloten. "Die Deutschen waren nur anfangs etwas misstrauisch, aber das hat sich schnell gelegt", berichtet Flender weiter. Mitschüler Leutnant Bastian Bertram bestätigt, dass das Geschlecht eigentlich keine Rolle spielt: "Hauptsache ist, die Leistung stimmt". Dass dies bei Ulrike Flender der Fall ist, weiß Fluglehrer Fregattenkapitän Peter Schroth, der sie auf ihren ersten Solo-Flug vorbereitet hat: "Manchmal ist sie sich ihrer Fähigkeiten gar nicht richtig bewusst. Sie könnte also ruhig etwas mehr Selbstbewusstsein an den Tag legen".

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Ein startender Recce TornadoLupe
Ein startender Recce Tornado

In Zukunft auf dem Tornado

Nachdem ihr nun die "Flugzeugführerschwinge" verliehen wurde, steht in Texas noch die "Introduction to Fighter Fundamentals", also die Einweisung in taktische Grundlagen auf dem Programm. Noch bis Januar wird sie dazu in Sheppard bleiben, um sich vor allem mit Luft-zu-Boden-Verfahren vertraut zu machen – schließlich ist sie als Jagdbomberpilotin auf dem Waffensystem Tornado vorgesehen. Ihre Ausbildung wird sie deshalb einige hundert Meilen weiter nordwestlich auf der Holloman Air Force Base in New Mexico fortsetzen. Dass sie so lange weit weg von zu Hause ist macht ihr dabei nichts aus: "Ich vermisse Deutschland schon irgendwie, aber ich fühle mich überall wohl und möchte viel von der Welt sehen".

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Hintergrundinformationen - Ausbildung zum Jetpiloten bei der Luftwaffe

  • Aufnahmeprüfung bei der Offizierbewerberprüfzentrale (OPZ) in Köln (3 Tage)
  • Feststellung der Wehrfliegerverwendungsfähigkeit beim Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck (1 Woche)
  • Fliegerische Lernprobe beim Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck (1 Woche)
  • Kombinierte Grund- und Offiziersausbildung an der Offizierschule der Luftwaffe (OSLw) in Fürstenfeldbruck (11 Monate)
  • Vorbereitung auf die fliegerische Ausbildung (11 Monate): Überlebensausbildung (Land und See), Allgemeine Englischausbildung, Fliegerenglischausbildung, Flugphysiologische Ausbildung
  • Fliegerische Vorausbildung Teil I an der Offizierschule der Luftwaffe (OSLw) in Fürstenfeldbruck (14 Wochen): Fliegerenglisch, Fachtheorie und Überlebenstraining
  • Fliegerische Vorausbildung Teil II in den USA: 22 bis 33 Flugstunden auf dem Propellerflugzeug Grob 120 A in Goodyear/Arizona (9 Wochen)
  • Fliegerische Ausbildung auf der Sheppard Air Force Base in Texas (USA) im Rahmen des "Euro NATO Joint Jet Pilot Training" (ENJJPT): fliegerische Grundausbildung auf dem Trainingsjet T-37, Fortgeschrittenenausbildung auf der T-38 A und Einweisung in taktische Grundlagen auf der T-38 C (15 Monate)
  • Waffensystemausbildung (11-13 Monate): Tornado auf der Holloman Air Force Base in New Mexico (USA), F-4F "Phantom" in Wittmund, Eurofighter in Laage
  • Europäisierung: Die ausgebildeten Besatzungen werden in Deutschland mit den Witterungsbedingungen und den dichteren europäischen Luftraumverhältnissen vertraut gemacht.
  • Verwendung im jeweiligen Geschwader.

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Stand vom: 30.11.2007 | Autor: Nico Pestel

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