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TAURUS - ein Mythos erwacht

Arniston/Südafrika, 08.11.2005.

Tornado vom Jagdbombergeschwader 33 mit zwei TAURUS-Pods unter dem RumpfLupe
Tornado vom Jagdbombergeschwader 33 mit zwei TAURUS-Pods unt … (Quelle: Jagdbombergeschwader 33)

"Ten seconds to go….., five seconds to go, four, three, two, one – Missile release!"

Einen kurzen Moment lang angespanntes Schweigen nach dem Countdown über Funk von Waffensystemoffizier Major Heiko Eckert aus dem Tornado mit dem Call-Sign "Devil1" im Kontrollzentrum der "Overberg Toets Baan (OTB)", Südafrika. Danach ertönten die erlösenden Worte von den "Chasern" Oberstleutnant Paul Deissinger und Oberstleutnant Oliver Groß aus dem Begleit-Tornado über Lautsprecher: "Missile-Engine is running." Ein kurzes erleichtertes Raunen der Techniker, Ingenieure und Luftwaffenangehörigen erfüllt das mit Hi-Tech voll gepackte "Command and Control Center" (CCC) der Südafrikanischen Testrange. Die letzte wichtige Phase der abschließenden Einsatzprüfung für die Luftwaffe hat erfolgreich begonnen. Der von Pilot Major Jörg Kuhlmann geflogene Tornado, von dem der weitreichende Abstandsflugkörper ausgeklinkt wurde, dreht ab – der TAURUS ist unwiederbringlich auf dem Weg.

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Noch herrscht Ruhe im KontrollzentrumLupe
Noch herrscht Ruhe im Kontrollzentrum (Quelle: Presse- und Informationszentrum der Luftwaffe)

Southern Bull II

Der Hauptauftragnehmer, die Firma TAURUS Systems GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der EADS/LFK-Lenkflugkörpersysteme GmbH (67 Prozent), und der schwedischen Saab Bofors Dynamics (33 Prozent) hatte Monate und Jahre mit den Wehrtechnischen Dienststellen, dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung als Auftraggeber und der Abteilung Luftwaffenrüstung im Luftwaffenamt auf diesen Moment hingearbeitet. Nachdem die politische Entscheidung gefallen war, eine, im Rahmen des Kriegswaffenkontrollgesetzes konforme, Abstandswaffe für die Luftwaffe zu beschaffen, nahmen sie 1998 ihre Arbeit auf. Heraus kam eine der modernsten und präzisesten modularen Abstandswaffe der Welt - der TAURUS KEPD 350 (Target Adaptive Unitary and Dispenser Robotic Ubiquity System / Kinetic Energy Penetrator and Destroyer). Nach Flugtests unter Einsatzbedingungen im Jahre 2004 begann im Oktober 2005 unter dem Namen "Southern Bull II" die Einsatzprüfung für die Luftwaffe in der Verantwortung des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung mit Industrieunterstützung auf dem Testgelände in Südafrika. Generalleutnant Walter Jertz, Befehlshaber Luftwaffenführungskommando, über diese Einsatzprüfung:"Erfolgreich - eine überaus erfolgreiche Kampangne! Die gemeinsame Leistung der hier anwesenden Soldaten und Mitarbeitern aus Büchel, dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, den Wehrtechnischen Dienststellen, von General Luftwaffenrüstung und nicht zu vergessen der Industrie ist einfach phantastisch."

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Keinerlei Wetterphänomene stören die Überwachungsanlagen in der afrikanischen SavanneLupe
Keinerlei Wetterphänomene stören die Überwachungsanlagen in … (Quelle: Presse- und Informationszentrum der Luftwaffe)

Bedingungen

Hier in Südafrika herrschen ideale Bedingungen, den TAURUS gefahrlos auf Herz und Nieren zu testen. Die geographischen Gegebenheiten der Testrange erlauben auf 43.000 Hektar mit 70 Kilometern Küstenlinie umfangreiche Tests. Nahe dem südlichsten Punkt Afrikas, dem "Cap Agulhas" , 200 Kilometer von Kapstadt entfernt, liegt die "Overberg Toets Baan", für vier Wochen Heimat der Besatzungen und des Personals des Jagdbombergeschwaders 33 (JaboG 33) aus Büchel. Das Eifeler Geschwader führt unter Leitung von Kontingentführer Major Oliver Strothmann, Stab JaboG 33, für die Luftwaffe die Einsatzprüfung TAURUS durch. Geprüft werden mittels umfangreicher Möglichkeiten und riesigen Mengen telemetrischer Daten die Einsatzfähigkeit der neuen Abstandswaffe. Das südafrikanische Testgelände bietet, ausgestattet mit modernsten Trackingsystemen (Überwachungsanlagen), eine den heutigen Ansprüchen gerecht werdende, "State of the Art", Erprobungsmöglichkeit. So werden Flugzeuge und der Flugkörper ständig von immens starken Optiken verfolgt, die über ein leistungsfähiges Datennetz in Echtzeit bewegte Bilder auf riesige Leinwände übertragen. Neben den optischen Verfolgungsmöglichkeiten werden jedoch auch verschiedene Radar-, fotografische oder telemetrische Werte übertragen und ausgewertet. Meteorologische Daten werden von computerunterstützten Oberflächenmessungen bis hin zu Messungen in 55 Kilometern Höhe mittels Wetterballon bis unmittelbar vor dem Start des jeweiligen Testflugkörpers ermittelt.

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Das Innenleben des TAURUS-LenkflugkörpersLupe
Das Innenleben des TAURUS-Lenkflugkörpers (Quelle: European Aeronautic Defence and Space Company)

Präzision

Der TAURUS ist mit einem "Tri-Tec"-Navigationssystem ausgerüstet, das aus dem Global Positioning System (GPS), einem "Terrain Reference System" und einem "Image Based Navigation System" besteht. Alle drei unterstützen das Inertial Navigation System (INS) und erlauben eine hohe Treffergenauigkeit. Der Flugkörper, der mit "high subsonic cruising speed" (hohe Unterschallgeschwindigkeit – bis zu 0,9 Mach) allwettertauglich und den Geländeformen folgend fliegt, hat eine Reichweite von über 350 Kilometern und erfüllt höchste Anforderungen an die Treffergenauigkeit. Der Marschflugkörper, konzipiert um präzise Schläge auch gegen extrem harte Ziele zu führen, wiegt etwa 1.400 Kilogramm, bei einer Länge von fünf Metern. Bis zu jeweils zwei Flugkörper können von einem Tornado gleichzeitig mitgeführt und eingesetzt werden.

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von links: Gastgeber Oberst Cross, Oberst Pohlmann, Generalleutnant JertzLupe
von links: Gastgeber Oberst Cross, Oberst Pohlmann, Generall … (Quelle: Presse- und Informationszentrum der Luftwaffe)

Impact - Einschlag des Lenkflugkörpers

Die "Chaser", die Verfolger im Begleit-Tornado, drehen ab. Der Countdown läuft erneut - diesmal vom Kontrollzentrum aus: "Ten seconds to go….., five seconds to go, four, three, two, one , zero........." Die farbige Linie, die der Flugkörper auf den Überwachungsmonitoren während seines Fluges auf dem programmierten Kurs präzise nachgezeichnet hat, endet abrupt. Der TAURUS KEPD 350, der während seines knapp halbstündigen Fluges Millionen von Daten geliefert hat, ist von den Bildschirmen verschwunden. Schweigen im Kontrollzentrum. Eine kleine Ewigkeit danach - obwohl nur Sekunden später - die Stimme aus dem Lautsprecher: "Gentleman, we have an impact!"

Der Flugkörper war eingeschlagen - die Einsatzprüfung der Luftwaffe beendet. Es sollte sich erst später bei der Zielbegehung herausstellen, wie genau der Flugkörper das Ziel, eine Brücke, getroffen hatte. Die Zielgenauigkeit übertraf alle Erwartungen; der TAURUS hatte zentimetergenau getroffen. General Jertz: "Ein perfektes Ergebnis, insbesondere der letzte Schuss - besser geht es gar nicht. Wir müssen nun sehen, dass wir das System in der Luftwaffe einführen. Hierzu wird es aber noch einiger Anstrengungen bedürfen - wir sind jedoch vorbereitet."

Der Mythos war erwacht – TAURUS ist Wirklichkeit.

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Stand vom: 08.11.2007 | Autor: Herbert Albring

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