Luftwaffe und Heer – ein starkes Team
Flugplatz Eisenach-Kindel, 21.08.2008.
Vom 13. bis zum 17. August 2008 trafen sich insgesamt 44 Teams aus neun Nationen zur Hubschrauber-Weltmeisterschaft 2008 auf dem Flugplatz Eisenach-Kindel, um in vier Disziplinen die beste Hubschrauberbesatzung der Welt zu küren. Veranstalter war der Deutsche Hubschrauberclub e.V. Das deutsche Nationalteam konnte bei der Weltmeisterschaft sogar auf Unterstützung der Bundeswehr zurückgreifen. Zwei Kameraden aus den Teilstreitkräften Luftwaffe und Heer gingen für Deutschland als Team mit an den Start.

Das Besondere: Pilot und Co-Pilot sind Neffe und Onkel. Der Co-Pilot, Oberleutnant Helmut Korb vom Lufttransportgeschwader 61 in Penzing und sein Neffe, Oberleutnant Christian Korb vom mittleren Transporthubschrauberregiment 25 in Laupheim. Helmut Korb hat schon an vielen militärischen sowie zivilen Meisterschaften teilgenommen. Sein Neffe, Christian Korb, war damals schon von der Hubschrauberfliegerei angetan und sah seinen Onkel immer als Vorbild. So kam es dann auch, dass Christian Korb sich für die Laufbahn als Offizier im Fliegerischen Dienst entschied. Als er seine zweijährige Ausbildung abgeschlossen und auch den zivilen Flugschein erworben hatte, war für die beiden Oberleutnante klar, dass sie als Team an den Meisterschaften teilnehmen würden. Im Jahre 2007 haben Onkel und Neffe den zweiten Platz bei der deutschen Meisterschaft in Eisenach in der Juniorenwertung belegt. Nun treten sie gemeinsam vom 13. bis 17. August 2008 bei der Weltmeisterschaft in Eisenach an.

Eine besondere Verbindung
„Mich erfüllt es mit Stolz, dass ich jemanden aus meiner Verwandtschaft, in diesem Fall meinen Neffen, in meine Interessen und auch in die Fliegerei mit einbinden kann. Ich finde es sehr positiv, dass wir als Onkel und Neffe an den Start gehen. Diese Konstellation gibt es sicher nicht oft – vor allem da wir beide Bundeswehrpiloten sind. Das ist schon etwas Besonderes“, erklärt Oberleutnant Helmut Korb. Sein Neffe Christian Korb bestätigt: „Wir sind wirklich ein Superteam; das macht sich vor allem im Cockpit bemerkbar.“

Wettkampf als Übung für den Einsatz
Bei den Hubschraubermeisterschaften geht es aber nicht nur um Spaß. Die Disziplinen bei den Meisterschaften können durchaus auch als Übung für den Einsatz gesehen werden. Schnelle Koordination, Bestehen unter Zeitdruck, Geschicklichkeit und Präzision sind gefragt, genau wie im Einsatz. „Hier sind die Faktoren gefordert, die zum Beispiel bei der Bergrettung viele Leben retten“, so die beiden Oberleutnante. Die Disziplinen sind im Großteil von der Rettungs- und Versorgungsfliegerei abgeleitet und ähneln dieser sehr.
Umstieg von Porsche auf Trabbi
Im Dienst fliegen die Piloten des Heeres und der Luftwaffe auf anderen Hubschraubermustern; da fällt der Umstieg natürlich etwas schwerer. Oberleutnant Christian Korb vergleicht: „Im Dienst fliege ich eine CH-53 G; der Umstieg auf eine Hughes 300 C ist vergleichbar mit dem Wechsel von einem Porsche auf einen Trabbi.“

Sicherheit geht vor
Wie vor jedem Wettbewerb treffen sich Veranstalter, die Besatzungen und die Schiedsrichter zur Vorbesprechung, um Regeln und Flugwege festzulegen. Ein Flugweg bestimmt die Strecke, die Piloten mit dem Hubschrauber von der Landeposition über die Vorbereitungslinie bis hin zur Startlinie zurücklegen. Vor jedem Start prüfen die Besatzungen den Zustand ihres Hubschraubers. Schutzabdeckungen werden entfernt, Ölstände und drehende Teile kontrolliert und die Lager überprüft. Solche Sichtkontrollen sind Routine.

Präzisionsschwebeflug
Nach den Kontrollen kann der Wettkampf beginnen. Am ersten der vier Wettkampftage ist der Präzisionsschwebeflug an der Reihe. Bei dieser Disziplin wird bei gleichbleibender Höhe ein Quadrat abgeflogen. An zwei bestimmten Eckpunkten wird eine 360 Graddrehung vollführt. Im Anschluss wird zu einer Punktlandung angesetzt. Die Schwierigkeit bei dieser Übung besteht darin, eine bestimmte Höhe durch den ganzen Parcours zu halten. Dies wird mit zwei Ketten unterschiedlicher Länge, die unter dem Hubschrauber angebracht sind, kontrolliert. Die lange Kette muss und die kürzere Kette darf nicht den Boden berühren.

Slalom
Am zweiten Wettkampftag wurde der Slalom aufgrund des schlechten Wetters vorgezogen. Die Aufgabe beim Slalom besteht darin, einen Eimer, der mit Wasser gefüllt ist, in einer bestimmten Reihenfolge durch zwölf Tore zu manövrieren. Diesen Eimer führt der Co-Pilot mit einem fünf Meter langen Seil aus dem Hubschrauber heraus. Nachdem die zwölf Tore und das Abschlusstor passiert sind, gilt es, den Wassereimer auf einen Tisch mit einem Meter Durchmesser abzustellen. Hierfür muss das Seil auf mindestens elf Meter verlängert werden.
Navigationsflug
Der Navigationsflug, der wegen des schlechten Wetters mit dem Slalom getauscht wurde, fand am dritten Wettkampftag statt. Er besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil besteht darin, eine kurz vor dem Start erhaltene Suchzone anzufliegen und mehrere Zeichen aufzuspüren. Dafür haben die Besatzungen eine bestimmte Zeitvorgabe. Anschließend müssen mehrere Geländepunkte überflogen und mit Reis gefüllte Säcke über einer Markierung abgeworfen werden. Danach folgt das Überfliegen der Ziellinie. Gleichzeitig startet der zweite Teil des Navigationsfluges. Es gilt ein Rechteck abzufliegen und im Anschluss eine Last, die an einem sieben Meter langen Seil befestigt ist, in eine 40 mal 40 Zentimeter große Öffnung zu platzieren.

„Postbote“
Am letzten Wettkampftag steht die Disziplin „Postbote“ auf dem Plan. Bei dieser Übung müssen zwei Kegel, die an einem sieben Meter langen Seil befestigt sind und drei Sandsäcke in drei verschiedene Behälter abgeworfen werden. Die Reihenfolge ist hierbei egal und vom Piloten selbst zu bestimmen. Dieser Wettbewerb wird ebenfalls mit einer Punktlandung abgeschlossen.

Erfreuliches Ende
Am Ende der Meisterschaft steht das Team von Oberleutnant Helmut Korb und Oberleutnant Christian Korb in der Gesamtwertung auf Platz 31 von insgesamt 44 Teilnehmern. In der Juniorenwertung wäre das Team Korb und Korb auf Platz eins gelandet. Doch mittlerweile hat auch Christian Korb die Grenze von 250 Flugstunden überschritten; somit werden die Korbs seit dieser Meisterschaft nicht mehr in der Juniorenwertung berücksichtigt, was letztlich zum 31. Rang führte. Das deutsche Nationalteam musste sich zum Schluss nur knapp den Russischen Besatzungen geschlagen geben und erreichte einen guten zweiten Platz.

