Zuverlässig, schnell und modern – die Flugbereitschaft BMVg
Köln-Wahn, 22.10.2008.
Die Fotos der Pressefotografen aus dem parlamentarischen Bereich zeigen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Staatsgäste gerne auf dem roten Teppich. Auch das Fernsehen liefert immer wieder Bilder von Politikern und Staatsgästen, die gerade aus einem Flugzeug die Gangway herab steigen. Was aber meist verborgen bleibt, sind Vorbereitungen und logistischer Aufwand, die hinter einem Staatsbesuch stehen. Dabei bestimmt das Protokoll alle zu berücksichtigenden Details. Für die Mobilität dieser wichtigen Passagiere greifen deshalb nicht nur das Kanzleramt, sondern alle Ressorts der Bundesregierung auf die Unterstützung der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) zurück.

Viele der Staats- und Ministerreisen liegen in Verantwortung der Flugbereitschaft und sind von der Bundeshauptstadt Berlin aus durchzuführen. Diese Aufgabe, die im Vorschriftenjargon unter den Begriff "Serviceleistung für andere Bedarfsträger" fällt, ist aber nur eine von vielen für die Flugbereitschaft mit Hauptsitz in Köln-Wahn. Die rund 830 Soldatinnen und Soldaten sind zusammen mit über 210 zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht nur für den schnellen und sicheren Transport aller Fluggäste, sondern auch für den technisch einwandfreien Zustand der Flugzeugflotte verantwortlich. Dabei leisten sie – meist im Hintergrund – ein umfangreiches Arbeitspensum, mit dem die Auftragserfüllung sichergestellt wird.

Kernauftrag der Flugbereitschaft
Die Flugbereitschaft ist trotz ihres besonderen Auftrags "Serviceleistung für andere Bedarfsträger" in erster Linie ein militärischer Verband mit klar definierten Aufgaben. Sie stellt mit ihren Langstreckentransportflugzeugen vom Typ Airbus A-310 einen wesentlichen Teil der Lufttransportkräfte in der Luftwaffe. Militärisches Personal und Material werden in die Einsatzgebiete, zu den Dienststellen oder Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr im In- und Ausland geflogen. Routine kommt dabei zu keiner Zeit auf, denn ihre Arbeit eröffnet den Angehörigen der Flugbereitschaft immer wieder neue Aufgabengebiete an unterschiedlichen Einsatzorten, die es zuverlässig zu meistern gilt. Im Frieden, aber auch in Krise und Krieg umfasst der Auftrag im Weiteren den sicheren Transport von Opfern durch Naturkatastrophen, Unfallverletzten oder Kranken ebenso wie von Verwundeten über zumeist große Entfernungen.

Moderne Zeiten brechen an
Ab 2010 soll die Flugbereitschaft BMVg für diesen Auftrag sechs neue Luftfahrzeuge (Lfz) für die mittleren und zwei Lfz für die langen Flugstrecken erhalten. Das notwendige Investitionsvolumen beläuft sich für die Mittelstrecke auf rund 615 Millionen Euro und beinhaltet den Kauf einer 2+4-Flotte (2 Airbus A319 + 4 Global 5000) und technisch-logistische Unterstützung über die nächsten zehn Jahre. Zusätzlich werden für die Langstrecke rund 370 Millionen Euro für zwei gebrauchte Airbus A340-300 bereitgestellt, die in eine VIP-Version umgerüstet werden und die bisher genutzten Airbus A310 VIP ersetzen sollen. Auch hier soll die Systembetreuung für einen Zeitraum von zunächst zehn Jahren zusätzlich beauftragt werden. Diese auf den ersten Blick beträchtlichen Summen sind jedoch für die Zukunft gut angelegt. So werden die in die Jahre gekommene Challenger CL-601–Flotte und, wie erwähnt, die zwei alten Airbus A310-VIP durch eine neuere und vor allem modernere Flugzeuggeneration ersetzt.

Die Challenger-Flotte wird seit 1985 auf Mittelstrecken und für Sonderflüge des politisch/parlamentarischen Bereiches betrieben. In den vergangenen Jahren führten technische Beanstandungen jedoch immer häufiger zu Flugausfällen. Zusätzlich kommt hinzu, dass durch die begrenzte Reichweite meist teure und zeitaufwändige Zwischenlandungen erforderlich sind und bei einer Kapazität von nur 12 Sitzplätzen größere Delegationen nicht bedient werden können. Gerade wegen dieser Faktoren greift man daher immer wieder auf einen der zwei Airbus A310 VIP mit 91 Sitzplätzen zurück, die ihrerseits seit 1991 in der Luftwaffe geflogen werden. Diese Maschinen wurden im Zuge der Wiedervereinigung von der Staatsluftfahrtgesellschaft der ehemaligen DDR "Interflug" übernommen. Mit der neuen Flugzeuggeneration und einem Mix aus drei unterschiedlichen Flugzeugmustern kann den Aspekten Wirtschaftlichkeit, Funktionalität und Planungssicherheit deutlich besser Rechnung getragen werden.

Für mittlere Delegationsgrößen stehen dann zwei Flugzeuge vom Typ Airbus A319CJ mit bis zu 48 Sitzplätzen und vier Bombardier Global 5000 für Delegationen bis zu maximal 12 Personen zur Verfügung. Präzisionsanflüge auch bei sehr geringen Sichtverhältnissen sind technisch möglich und tragen zum flexiblen und effizienten Einsatz der Luftfahrzeuge bei. Dazu müssen Flugplatz und Luftfahrzeug entsprechend ausgerüstet sein. Die neuen Flugzeugtypen erfüllen diese Anforderung ohne Ausnahme. Für die Langstrecke werden zwei gebrauchte Flugzeuge vom Typ Airbus A340-300 mit jeweils 142 Sitzplätzen aus dem derzeitigen Bestand der Deutschen Lufthansa übernommen. Der Beschaffungsvertrag mit der Lufthansa Technik AG umfasst im Wesentlichen die Beschaffung, Grundüberholung und Umrüstung in eine VIP-Version einschließlich der Möglichkeit zur Umrüstung der Flugzeuge für MedEvac-Einsätze. Die Systembetreuung und die zusätzliche Ausbildung der Besatzungen und Techniker werden in Folge in weiteren Verträgen mit der Lufthansa Technik AG beauftragt.

Sicherheit vor terroristischer Bedrohung
Gerade Regierungsflugzeuge sind einer immer größer werdenden terroristischen Bedrohung, beispielsweise durch Lenkflugkörper mit Infrarot-Zielsuchkopf, ausgesetzt. Durch Reichweite und Präzision dieser Waffensysteme unterliegen diese Flugzeuge besonders im Nahbereich von zivilen Flugplätzen einer besonderen Gefährdung. Für alle acht künftigen Regierungsflugzeuge der Mittel- und Langstrecke ist daher die Einrüstung einer elektronischen Selbstschutzausstattung vorgesehen. Damit kann der Bedrohung durch terroristische Anschläge mit hohem Wirkungsgrad begegnet werden. Mit diesen Neuanschaffungen und den entsprechenden Ausrüstungssätzen kann die Flugbereitschaft BMVg mit einer modernen und technisch optimal ausgestatteten Flugzeugflotte das geforderte Aufgabenspektrum in Zukunft noch bedarfsgerechter und zuverlässiger bedienen.
Umzug wegen Wirtschaftlichkeit
Das Bundesverwaltungsgericht hat im Jahr 2006 entschieden, dass der Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) als internationaler Verkehrsflughafen ausgebaut und zugelassen werden kann. Wenn neben allen damit verbundenen Auflagen auch die Voraussetzungen für die Abwicklung des Regierungsflugbetriebs auf dem zukünftig einzigen Flughafen Berlins geschaffen sind, ist beabsichtigt, den politisch/parlamentarischen Flugbetrieb der Flugbereitschaft ab 2012 über den BBI abzuwickeln. Das heißt letztendlich, dass vier Global 5000 und zwei Airbus A319CJ für die Mittelstrecke, die beiden Airbus A340-300 VIP-Versionen für die Langstrecke, aber auch drei bereits zur Flotte der Flugbereitschaft gehörende Cougar AS-532 Hubschrauber für die Kurzstrecke vom BBI aus operieren werden.

Logistisches Drehkreuz bleibt in Köln
Unabhängig von diesem Auftrag bleibt als Kernauftrag des vielseitigen Aufgabenspektrums der Flugbereitschaft BMVg der Transport und die Versorgung der Soldatinnen und Soldaten in den verschiedenen Einsatzländern gleichzeitig weiter bestehen. Vor diesem Hintergrund war die Entscheidung, den Stab der Flugbereitschaft und das logistisch-militärische Drehkreuz am bisherigen Standort in Köln-Wahn zu belassen, nahe liegend. Die Erfüllung dieses Auftrags erfordert höchsten Einsatz: Der Mechanismus, der mit dem Lufttransport einer Versorgungsladung für Afghanistan in Verbindung steht, löst eine komplexe logistische Kette aus.

Besonders die MedEvac-Version mit sechs Plätzen für Intensivpatienten und zusätzlichen 38 Patientenliegen stellt dann eine optimale Versorgung der verletzten oder kranken Passagiere sicher, die in ihrer medizinischen Funktionalität weltweit einzigartig ist. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 steht ein Airbus A310 in dieser MedEvac-Version ständig zur sofortigen Verfügung.

Die Einsatzoptionen dieser MRT-Maschinen werden aber noch erweitert. Um auch die Fähigkeit einer eigenständigen Luftfahrzeugbetankung sicher zu stellen, erhalten die Maschinen einen Rüstsatz Luftbetankung sowie eine rollengerechte Missionsavionik. Damit wandelt sich der Airbus MRT in einen sogenannten MRTT (Multi Role Transporter Tanker). Bislang fehlten der Bundeswehr diese eigenen Tankflugzeuge und insbesondere die Kampfflugzeuge der Luftwaffe mussten – auch bei regulären Überführungsflügen nach Kanada oder in die USA – die Dienste von Tankflugzeugen der NATO-Partner, wie der US-Air Force, in Anspruch nehmen. Mit der Schaffung einer derartigen eigenen Kapazität für die Luftbetankung verringert sich die Abhängigkeit der Bundeswehr von anderen Nationen deutlich und schafft Handlungsspielraum bei nationalen Übungseinsätzen und im multinationalen Einsatz.
Technische Daten
Global 5000 | Airbus A319CJ | Airbus A340-300 VIP | |
|---|---|---|---|
| Länge | 29,50 m | 33,84 m | 62,88 m |
| Höhe | 7,60 m | 11,76 m | 16,82 m |
| Spannweite | 28,60 m | 34,10 m | 60,30 m |
| Startgwewicht max. | 40,6 t | 76,5 t | 271 t |
| Kabinenhöhe | 1,91 m | 2,25 m | 2,54 m |
| Passagiere | 12 | 44 | 142 |
| Reisegeschwindigkeit | 907 km/h | 840 km/h | 880 km/h |
| Reichweite | 8.890 km | 7.410 km | 13.550 km |
Antrieb
Global 5000 | Airbus A319CJ | Airbus A340-300 VIP |
|---|---|---|
| 2 x Rolls-Royce BR-710A2-20 | 2x IAE V2527M-A5 | 4 x CFM56-5C4 |
