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Aus der Sponeck- wird die Südpfalz-Kaserne

Germersheim, 22.06.2015.

„Feierlich, aber ohne zu feiern.“ So bezeichnete Oberstleutnant Maximilian Olboeter die Umbenennung der germersheimer Kaserne, die sein Luftwaffenausbildungsbataillon beheimatet und seit der Gründung 1966 den Namen General-Hans-Graf-Sponeck-Kaserne trug. Zahlreiche Gäste aus Politik, Öffentlichkeit und Militär erschienen um diesem historischen Ereignis beizuwohnen.

Enthüllung des Kasernennamen
Enthüllung des Kasernennamen (Quelle: Luftwaffe/Marco Stano)Größere Abbildung anzeigen

Die Umbenennung der Kaserne ist „unvermeidlich und richtig“ betonte Oberstleutnant Olboeter, Bataillonskommandeur des Luftwaffenausbildungsbataillons, während seiner Begrüßung im Pfalzkasino. Er gab seinen Zuhörern damit zu verstehen, dass, auch wenn nicht alle Beteiligten froh über die Umbenennung der Liegenschaft sind, diese notwendig ist.

General Keller führt die Umbenennung durch

Offizielle Umbenennung durch Brigadegeneral Keller
Offizielle Umbenennung durch Brigadegeneral Keller (Quelle: Luftwaffe/Marco Stano)Größere Abbildung anzeigen

Nach der Begrüßung durch den Bataillonskommandeur übernahm Brigadegeneral Rainer Keller, Kommandeur des Kommandos Unterstützungsverbände, das Wort und verlieh um 15:58 Uhr der Kaserne den Namen Südpfalz-Kaserne. Er gab einen historischen Überblick über die Kaserne und betonte, warum nach der Erbauung 1965 die Kaserne ein Jahr später nach dem Wehrmachtsgeneral benannt wurde. Gleichzeitig räumte der General mit möglichen gemischten Gefühlen über die Umbenennung auf. Wegen jüngsten historischen Erkenntnissen werde man sich von dem Namensgeber trennen, da das Leben eines traditionsstiftenden Offizier insgesamt beispielhaft sein muss und nicht nur einzelne Facetten dessen. So habe Sponeck vielen seiner Soldaten durch Befehlsverweigerung gegenüber Adolf Hitler zwar das Leben gerettet, sei aber auch an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen. General Keller betonte aber weiterhin, dass das Andenken an seine beispielhafte positive Tat weiterhin erhalten bleiben soll und dass das Bataillon sich in Zukunft mit dem Thema Sponeck historisch auseinandersetzen wird. Der Dank, die Anerkennung und die Verbundenheit mit der Region und vor allem Dingen mit Germersheim und seinen Bürgern soll durch den neuen Namen zum Ausdruck kommen. Denn sie sind es „die den Soldaten eine Heimat geben.“ General Keller bedankte sich stellvertretend bei den Angehörigen von Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit für alle Menschen in der Region, die es ermöglichen, dass das Luftwaffenausbildungsbataillon eine so starke Verwurzelung in der Umgebung genießt.

Sponecks Andenken bleibt gewahrt

Oberstleutnant Olboeter vor der Stele Sponecks
Oberstleutnant Olboeter vor der Stele Sponecks (Quelle: Luftwaffe/Marco Stano)Größere Abbildung anzeigen

Im Anschluss an die Enthüllung des vorläufigen Namensschildes der Kaserne begaben sich die Gäste zum Gedenkstein Sponecks, wo eine Metallstele enthüllt wurde. Diese Stele stellt einen Teil der militärgeschichtlichen Sammlung des Standortes Gemersheim dar und soll das Andenken an Sponeck bewahren. Oberstleutnant Olboeter verwies auf die Bürgerinitiative, welche sich für den Namenserhalt Sponecks eingesetzt hatte. Die Stele schildert sowohl das Handeln Sponecks, für welches er jahrelang verehrt wurde, als auch die Taten, für die er letztendlich als Namensgeber angezweifelt wurde. Der Kommandeur betonte, dass neue Erkenntnisse die Tragweite seiner ehrenhaften Einzeltat nicht schmälern und dass nur hieran erinnert werden soll. Er zitierte den Historiker Grimmer-Solem, dass man nirgendwo die „Grenzen zwischen Täter und Opfer, zwischen Held und Gefolgsmann“ besser nachvollziehen kann als im Fall Sponeck.

US-Historiker brachte den Stein ins Rollen

Das neue vorläufige Kasernenschild
Das neue vorläufige Kasernenschild (Quelle: Luftwaffe/Marco Stano)Größere Abbildung anzeigen

Der US-Historiker Erik Grimmer-Solem legte in der „Militärgeschichtlichen Zeitschrift“ dar, dass der Wehrmachtsgeneral Hans Emil Otto Graf von Sponeck während des Zweiten Weltkriegs an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sein soll. Dem entgegen steht seine ehrenhafte Tat, tausenden seiner Soldaten das Leben gerettet zu haben, indem er sich dem Befehl Adolf Hitlers zum „fanatischen Widerstand“ bis in den Tod widersetzte und den Rückzug befahl, wofür er u.a. auch Namensgeber der Kaserne wurde. Nach einer kleinen Anfrage der Linken und nachdem Berlin eine Umbenennung empfohlen hatte, entschied man sich in Absprache mit dem Stadtrat nach öffentlicher Diskussion mehrheitlich für den Namen Südpfalz-Kaserne. Am 13. April dieses Jahres gab Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihre Billigung für den Vorschlag. In Germersheim, wo Sponeck 1944 hingerichtet wurde, bildete sich unterdessen eine Bürgerinitiative gegen die Umbenennung, welche die Forschungsergebnisse Grimmer-Solems anzweifelt und sich für den Erhalt des Namens und sein Andenken einsetzen.


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Stand vom: 28.11.17 | Autor: Alexander Danisch


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