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Die Geschichte der Luftwaffe auf Kreta

Husum, 13.01.2017.

PATRIOT ist in der Lage, bis zu 5 Flugziele gleichzeitig zu bekämpfen.

PATRIOT ist in der Lage, bis zu 5 Flugziele gleichzeitig zu bekämpfen. (Quelle: Luftwaffe/Harald Hülsemann)Größere Abbildung anzeigen

„Achtung, Achtung! Gesamtes Personal muss Deckung aufsuchen!“ Diese Ansage tönt seit Jahrzehnten aus den Lautsprechern des NATO Schießplatzes auf Kreta, bevor Lenkflugkörper diverser Waffensysteme verschossen werden. NAMFI ist seit nunmehr fast 50 Jahren für jeden Soldaten der FlaRak-Truppe ein Begriff. Neuerdings heißen diese aber Truppen der bodengebundenen Flugabwehr. Als Abschluss langer Ausbildungen und Vorübungen heißt es auf der Nato Missile Firing Installation: Jetzt wird scharf geschossen!

Charakteristisch für Kreta sind die zerklüfteten Küsten und Berge.

Charakteristisch für Kreta sind die zerklüfteten Küsten und Berge. (Quelle: Luftwaffe/Susanne Hähnel)Größere Abbildung anzeigen

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Kreta als Sammelpunkt zum Flugabwehrschießen

Bereits in den frühen 1960er Jahren begannen die Verhandlungen, um einen NATO- Raketenschießplatz in Europa zu etablieren. Am 11.07.1964 unterzeichneten in Athen die Vertreter der zukünftigen Nutzerstaaten einen Vertrag, der die Errichtung und Benutzung von NAMFI zum Inhalt hatte. Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, die Niederlande, Norwegen und die USA haben somit den Weg für die kommenden FlaRak Generationen vorgezeichnet, der bis heute beschritten wird.

Die Halbinsel Akrotiri im Nordwesten der Insel Kreta bot viele Vorteile. Die direkte Nähe zu einem Flugplatz und einem Marine Stützpunkt samt Hafenanlage garantierte die Logistik. Die geografische Lage ließ genügend Raum zum Abschuss der Lenkflugkörper über das Mittelmeer. Außerdem gab es auf Kreta eine stabile Wetterlage, die in nördlicheren Breitengraden nicht zu finden ist. Ebenso spielte in den 1960er Jahren natürlich der Wehretat der Luftwaffe bereits eine große Rolle. Bis dato war es nur möglich gewesen, die Jahresschießen in den USA durchzuführen. Dazu war es nötig, mehr als 2.000 Soldaten 10.000 km weit zu transportieren. Die Entfernung nach Kreta beträgt von Hamburg aus gerademal knapp 3.000 km.

Der Nordwesten von Kreta bietet eine optimale Lage, um sämtliche Varianten des Flugabwehrschießens durchzuführen.

Der Nordwesten von Kreta bietet eine optimale Lage, um sämtliche Varianten des Flugabwehrschießens durchzuführen. (Quelle: Luftwaffe/Harald Hülsemann)Größere Abbildung anzeigen

Nach etwa drei Jahren Bauzeit war das ca. 1.000 Hektar große NAMFI-Gelände fertiggestellt. Zum Ende des Jahres 1967 war somit einer der modernsten Schießplätze für Lenkflugkörper der westlichen Welt entstanden. Im Oktober 1967 führte eine griechische Einheit bereits die erste gültige Vorübung für ein Jahresschießen durch. Im November des gleichen Jahres kam die erste gültige technische und taktische Überprüfung mit dem Waffensystem Hawk. Das erste Jahresschießen eines deutschen FlaRak-Verbandes folgte im März 1968. Am 17. Mai 1968 kam dann die feierliche Eröffnung des NATO Raketenschießplatzes durch die griechischen Gastgeber.

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Vom „Jahresschießen“ zum Tactical Firing – ein Konzept im Wandel

Beim Jahresschießen stellte die FlaRak mit dem „scharfen Schuss“ unter Beweis, dass sie alle Fähigkeiten zu einer erfolgreichen Luftabwehr besaß. Das sogenannte ASP, also Annual Service Practicing, wurde von der NATO bewertet. Neben weiteren NATO Überprüfungen, den sogenannten TacEvals (Tactical Evaluation), ein fester Bestandteil in der Laufbahn eines jeden FlaRak Soldaten. Das ist im Grunde genommen auch heute noch so. Das ASP wurde jedoch zu Beginn der 1990er Jahre durch das „Taktische Schießen“ in ein neues Konzept umgewandelt, TacEvals finden immer noch, wenn auch teilweise unter anderen Namem wie z. Bsp. CapEval (Capabilty Evaluation) oder OpEval (Operational Evaluation), statt.

Die Raketen des PATRIOT-Systems haben eine Bekämpfungsreichweite von fast 70 Kilometern.

Die Raketen des PATRIOT-Systems haben eine Bekämpfungsreichweite von fast 70 Kilometern. (Quelle: Luftwaffe/Susanne Hähnel)Größere Abbildung anzeigen

Die veränderte Weltsituation, der Zusammenbruch des Warschauer Paktes und die Erweiterung der NATO forderte auch von der Luftwaffe, sich einem neuen Szenario zu stellen. „Train as you fight“, heißt es heutzutage so schön. Also: Übe wie du kämpfst. Dies beinhaltet Vorbereitung, Transport und Verschiffung des Materials, Erkundung, Eintreffen des Hauptkontingents, das Waffensystem in Stellung bringen und abschließend: der „Scharfe Schuss“. Alles so, wie es in einem möglichen Einsatzszenario auf die Truppe zukommen würde.

Nachdem sich der leichte Morgennebel verzogen hat, starten bis zu eine Tonne schwere Flugabwehrraketen in den Himmel.

Nachdem sich der leichte Morgennebel verzogen hat, starten bis zu eine Tonne schwere Flugabwehrraketen in den Himmel. (Quelle: Luftwaffe/Harald Hülsemann)Größere Abbildung anzeigen

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Waffensysteme kommen und gehen

Seit der Inbetriebnahme von NAMFI ist die Entwicklung der Flugabwehrsysteme weit voran geschritten. Waren es Hawk und Nike, die 1968 den Reigen eröffneten, sind beide Systeme schon zur Geschichte geworden. Bereits 1988 wurde die letzte deutsche Nike auf Kreta verschossen, für Hawk und das in den 1980ern eingeführte Roland-System war 2003 Schluss. Das ab 1989 eingeführte PATRIOT Waffensystem ist zurzeit die einzige weitreichende Flugabwehrwaffe, die durch die Luftwaffe von NAMFI aus verschossen wird.

Nach den Schießtagen genießen die Soldaten auch mal den Sonnenuntergang auf der malerischen Mittelmeerinsel.

Nach den Schießtagen genießen die Soldaten auch mal den Sonnenuntergang auf der malerischen Mittelmeerinsel. (Quelle: Luftwaffe/Susanne Hähnel)Größere Abbildung anzeigen

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Was bringt die Zukunft?

In den vergangenen 48 Jahren hat man auf NAMFI Waffensysteme kommen und gehen sehen, der erste Schuss war dabei genauso spektakulär wie der Letzte. Konzepte wurden der Zeit angepasst. Das Jahresschießen einer Verteidigungsarmee wich dem Taktischen Schießen einer Einsatzarmee. Im Grunde hat sich aber doch nichts geändert. Es geht um die Ausbildung und das Training der Soldaten, das mit dem „Scharfen Schuss“ auf Kreta abschließt. So bleibt zu hoffen, dass auch für die zukünftigen FlaRak Generationen, auf der NATO Missile Firing Installation Kreta, die Ansage aus den Lautsprechern ertönt:

„Achtung, Achtung! Gesamtes Personal muss Deckung aufsuchen!“



Hier noch ein Blick auf die Insel und die NAMFI

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Stand vom: 16.01.17 | Autor: Harald Hülsemann


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