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Die Alarmrotte der Luftwaffe

Sobald zu einem Flugzeug längere Zeit kein Funkkontakt hergestellt werden kann oder es seine geplante Flugroute ohne Ankündigung verlässt, steigen zwei Kampfflugzeuge der Luftwaffe auf, um die Lage aufzuklären. Die sogenannten „Quick Reaction Alert-Interceptor (QRA-I)“-Rotten sind beim Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ in Wittmund mit dem Waffensystem F-4F Phantom und beim Jagdgeschwader 74 in Neuburg mit dem Waffensystem Eurofighter stationiert.

Zwei Piloten binnen weniger Minuten in der Luft

Zwei Piloten binnen weniger Minuten in der Luft (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Im Bedarfsfall können weitere Alarmrotten auch auf andere Stützpunkte verlegt werden. Die Kampfflugzeuge sind binnen weniger Minuten in der Luft und, abhängig von der Position des Flugzeugs und der entsprechenden Abfanggeometrie, an Ort und Stelle. Sie sind, wie auch die Kräfte der Einsatzführung, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr in Bereitschaft und sichern kontinuierlich den deutschen Luftraum. Die Hauptgründe für einen Einsatz der QRA sind meist Pilotenfehler oder technische Probleme an den abzufangenden Flugzeugen. Die Alarmrotte rückt beispielsweise aus, um Piloten, die die Orientierung verloren haben oder unbeabsichtigt in gesperrten Luftraum einfliegen, Hilfestellungen zu geben und das Flugzeug gegebenenfalls zu dem nächst gelegenem Flugplatz zu geleiten.

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Blick in das Nationale Führungszentrum

Blick in das Nationale Führungszentrum (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Die Alarmkette

In den Gefechtständen der sogenannten Control und Reporting Center (CRC) der Luftwaffe wird der deutsche Luftraum lückenlos überwacht. Dies erfolgt durch Abgleich von Radardaten mit Flugplänen der Flugsicherung und Dekodierung sogenannter Sekundärdaten, die von Flugzeugen abgestrahlt werden. Bei einem Eindringen eines unbekannten Objektes in den Luftraum oder der unplanmäßigen Veränderung einer Flugroute wird entweder das Combined Air Operations Centre (CAOC), ein NATO-Gefechtstand der integrierten Luftverteidigung in Kalkar oder das benachbarte Nationale Lage- und Führungszentrum Sicherheit im Luftraum (NLFZ SiLuRa) benachrichtigt. In der Regel werden die ersten Maßnahmen im Rahmen der NATO-Luftverteidigung veranlasst. Die Übergabe des Vorgangs in nationale Verantwortung erfolgt in Abhängigkeit der Situation und der vorliegenden Informationen. Im Falle einer Flugzeugentführung mit terroristischem Hintergrund, einem sogenannten Renegade-Fall (engl.: abtrünnig) wird das entsprechende Verfahren ausschließlich in nationaler Verantwortung durchgeführt.

Die Einsatzführung dirigiert die Piloten an den Eindringling heran

Die Einsatzführung dirigiert die Piloten an den Eindringling heran (Quelle: Luftwaffe/Andreas Hassler)Größere Abbildung anzeigen

Das NLFZ ist durch Personal des Verteidigungsministeriums (Führungszentrale Nationale Luftverteidigung), des Innenministeriums (Bundespolizei) und des Verkehrsministeriums (Deutsche Flugsicherung) im 24-Stunden-Schichtbetrieb besetzt. Hier laufen alle Informationen mit Relevanz für die Sicherheit im Luftraum zusammen, unabhängig von Bundes- oder Landesebene. Nach der Entscheidung zur Sichtidentifikation leitet im CRC ein sogenannter Jägerleitoffizier die Alarmrotte zu dem Flugzeug. Bleibt die Lage auch nach der Herstellung des Sichtkontaktes zur Maschine ungeklärt oder ist ein krimineller oder terroristischer Hintergrund nicht ausgeschlossen, wird der Inspekteur der Luftwaffe als Befehlshaber für die nationale Luftverteidigung („German Air Defence Commander“) - und bei einer weiteren Eskalation der Bundesminister der Verteidigung als Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt (IBuK) - informiert.

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Zwei Phantom-Abfangjäger kurz nach dem Start

Zwei Phantom-Abfangjäger kurz nach dem Start (Quelle: Luftwaffe/Michael Bertram)Größere Abbildung anzeigen

Vorbereitung

Die Besatzung der QRA-Rotte wird im Bereitschaftsraum durch einen Signalton alarmiert. Danach haben die Piloten 15 Minuten Zeit, bis sie mit ihren Maschinen in der Luft sein müssen. Diese Zeit kann lageabhängig verkürzt werden. Bei einer Bereitschaftsstufe von zehn Minuten sitzen die Piloten schon im Cockpit, bei zwei Minuten stehen die Flugzeuge bereits auf der Startbahn. Diese Verfahren werden regelmäßig geübt. Bei sogenannten „Tango-Scrambles“ wird der Abfangeinsatz simuliert. Einen tatsächlichen Alarmstart bezeichnet man als „Alpha-Scramble“. Die Piloten sind nicht die einzigen, die sich in den beiden Geschwadern in ständiger Bereitschaft befinden. Das Bereitschaftsteam besteht zusätzlich aus Technikern im QRA-Bereich und einer Vielzahl weiterer Personen. Dazu gehören unter anderem der Geschwadergefechtsstand, die Fliegerhorstfeuerwehr, der Fliegerarzt und die Besatzung des Kontrollturms der An- und Abflugkontrolle. Insgesamt sind etwa 50 Personen rund um die Uhr auf einen Einsatz binnen Minuten vorbereitet.

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Stand vom: 26.11.13 | Autor: PIZLw


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