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Ciao Deci – Abschied vom Mittelmeer

Decimomannu, Sardinien, Italien, 15.12.2016.
Nach fast sechs Jahrzehnten wird die ständige Präsenz der Luftwaffe im Mittelmeer durch einen Verabschiedungsappell beendet. Decimomannu war ein Standort, zu dem nahezu jeder Offizier der Luftwaffe seine persönliche Geschichte erzählen kann. Generationen von Soldaten prägten die fliegenden Verbände der Luftwaffe von Sardinien aus.

Vor den deutschen und italienischen Gästen stellte Generalmajor Günter Katz den besonderen Verband außer Dienst.

Vor den deutschen und italienischen Gästen stellte Generalmajor Günter Katz den besonderen Verband außer Dienst. (Quelle: Luftwaffe/Johannes Heyn)Größere Abbildung anzeigen

Im Herbst 1960 landete eine F-84F Thunderstreak auf der Air Base in Decimomannu. Es war das erste Kampfflugzeug der deutschen Luftwaffe, das eine Jahrzehnte andauernde Freundschaft einleitete.

Grundlage war ein Beschluss von 1959. Darin hatten sich Kanada, Deutschland und die Gastgebernation Italien auf einen gemeinsam genutzten Standort für die taktische Ausbildung der Kampfflugzeugbesatzungen geeinigt. Seitdem starteten und landeten unzählige deutsche Kampfjets und Transportflugzeuge auf der Mittelmeerinsel. Nach fast sechs Jahrzenten der multinationalen Zusammenarbeit und Freundschaft beendet die deutsche Luftwaffe allerdings die ständige Präsenz auf der Air Base Decimomannu.

Mit dem Apell am 14. Dezember 2016 wird das Taktische Ausbildungskommando der Luftwaffe Italien (TaktAusbKdoLw Italien) aufgelöst. Zeitgleich wird damit die deutsche Beteiligung an der Air Weapon Training Installation (AWTI) beendet. Ein Schießplatz auf dem Luftkämpfe und die Bekämpfung von Bodenzielen geübt wurden.

Begrüßt vom Inspekteur der italienischen Luftwaffe, wurde Generalleutnant Karl Müllner mit militärischen Ehren auf der Air Base Deci empfangen.

Begrüßt vom Inspekteur der italienischen Luftwaffe, wurde Generalleutnant Karl Müllner mit militärischen Ehren auf der Air Base Deci empfangen. (Quelle: Luftwaffe/Johannes Heyn)Größere Abbildung anzeigen

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Letztmalige Verhüllung der Truppenfahne

Neben einigen zivilen, lokalen Würdenträgern, reisten ebenfalls die Inspekteure der deutschen und italienischen Luftstreitkräfte, Generalleutnant Karl Müllner und Generalleutnant Enzo Vecciarelli, an. Ebenfalls blickten beim Appell viele aktive und ehemalige Offiziere mit Wehmut auf ihre Zeit in „Deci“ zurück. Neben den 152 geladenen Gästen waren die Angehörigen des Ausbildungskommandos mit ihren Familien anwesend. Ein Ehrenzug des Wachbataillons BMVg und das Luftwaffenmusikkorps verliehen dem Appell einen würdigen Rahmen.

Generalmajor Günter Katz, Kommandeur der fliegenden Verbände der Luftwaffe, blickte in seiner Rede auf die gute Zusammenarbeit mit der Gastgebernation Italien zurück. „Ich selbst durfte ab Mitte der 80er Jahre regelmäßig zu Ausbildungszwecken zu Gast sein und neben den guten Trainingsvoraussetzungen hier vor Ort auch die herzliche und offene Gastfreundschaft Sardiniens erfahren.“

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Deci – Ein Ort für alle Luftwaffenoffiziere

Neben der Ausbildung der fliegenden Besatzungen wurde von Decimomannu aus auch der Lehrgang „Überleben See“ organisiert. Ein Lehrgang, den jeder junge Offizier der Luftwaffe durchlaufen muss. Somit trug die deutsche Beteiligung dazu bei, dass auch nahezu jeder Offizier der Luftwaffe einen Anteil an der langen Geschichte des Standortes hat. Kanada stieg bereits 1970 aus der multinationalen Zusammenarbeit aus. Aktuell musste auch aus deutscher Sicht die ständige Präsenz in Italien überdacht werden. Die fliegenden Jetverbände wurden zahlenmäßig kleiner und ihre Auslastung, zum Beispiel durch Bündnisverpflichtungen, höher. Durch Großübungen im internationalen Raum und einer teilweisen in die USA verlagerten, taktischen Ausbildung der Piloten waren die Verbände immer weniger zu Gast im Mittelmeer. Anhand der Ergebnisse einer Kosten-/Nutzenanalyse sagte Generalleutnant Katz: „…dass trotz jahrzehntelanger positiver Erfahrungen eine Fortführung der deutschen Beteiligung bei der AWTI nicht mehr zielführend ist.“

Zum letzten Mal trat die Truppenfahne nach vorne und wurde vor den Augen aller Gäste eingerollt und verhüllt.

Zum letzten Mal trat die Truppenfahne nach vorne und wurde vor den Augen aller Gäste eingerollt und verhüllt. (Quelle: Luftwaffe/Johannes Heyn)Größere Abbildung anzeigen

Nach den Reden des letzten Kommandeurs, Oberstleutnant Wolfgang Asmus, und des Generalmajors wurde die Truppenfahne des TaktAusbKdoLw Italien vor den Augen der mehr als 350 Anwesenden eingerollt. Damit wurde der einzigartige Verband nach seiner 57-jährigen Geschichte außer Dienst gestellt. Ein Nachkommando wird bis Ende 2017 vor Ort sein.

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Mehr als bloße Kameradschaft

Am Vorabend des Appells gab das Luftwaffenmusikkorps ein Platzkonzert in der Stadt Decimomannu. Damit verabschiedete sich die Luftwaffe von den Sarden, von denen rund 400 Besucher anwesend waren. Die Gastfreundschaft wurde nicht zuletzt durch die sozialen Projekte der Luftwaffe gestärkt. Im Rahmen der Deutschen Thalassämie-Hilfe gab es in den letzten Jahrzehnten nicht nur finanzielle Unterstützung. Die deutschen Soldaten und Soldatinnen spendeten auch regelmäßig Blut für die Erkrankten. Thalassämie ist eine genetisch vererbte Bluterkrankung.

Die Verbundenheit zwischen den deutschen Soldaten und der heimischen Bevölkerung zeigte sich auch bei einem Empfang nach dem Ende des Appells. Eine traditionelle, in Landestracht gekleidete Folkloregruppe führte verschiedene Tänze auf.

Mit Folkloretänzen verabschiedeten die Sarden die Deutschen, die für 57 Jahre ihre Gäste waren.

Mit Folkloretänzen verabschiedeten die Sarden die Deutschen, die für 57 Jahre ihre Gäste waren. (Quelle: Luftwaffe/Johannes Heyn)Größere Abbildung anzeigen

Der Abschied von den Einheimischen und dem Standort bedeute jedoch keinen Einschnitt für die traditionell sehr guten bilateralen Beziehungen zwischen unseren beiden Luftwaffen, unterstrich General Katz.

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Stand vom: 06.01.17 | Autor: Philipp Rabe


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