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Die einzige Gams im Mittelgebirge

Des einen Freud ist des anderen Leid. Während es im Lufttransportgeschwader 61 in Penzing traurige Gesichter gab als die letzten drei Transall-Maschinen endgültig das Geschwader verließen, herrschte im Harz große Freude: Die „Silberne Gams“ landete endlich in Ballenstedt und bereichert in Kürze das Luftfahrtmuseum in Wernigerode.

Von vielen erwartet: die Transall mit der Kennung 51 01 landete nach Eskortierung durch zwei weitere Transall-Maschinen punktgenau auf dem Verkehrslandeplatz in Sachsen-Anhalt.
Von vielen erwartet: die Transall mit der Kennung 51 01 landete nach Eskortierung durch zwei weitere Transall-Maschinen punktgenau auf dem Verkehrslandeplatz in Sachsen-Anhalt. (Quelle: Luftwaffe/Uwe Lenke)Größere Abbildung anzeigen

Ungewohnter Flugbetrieb herrschte auf dem sonst so beschaulichen Verkehrslandeplatz in Ballenstedt, Sachsen-Anhalt. Zahlreiche Kleinflugzeuge trudelten bei bestem Wetter im Lauf des Vormittages ein. Dazu knapp 2.000 neugierige Zaungäste, die sich nicht entgehen lassen wollten, die Landung der „Silbernen Gams“ zu beobachten. Clemens Aulich, Chef des Luftfahrtmuseums, hatte die Transall mit der Sonderlackierung zum 60. Jubiläum des Lufttransportgeschwaders (LTG) 61 im oberbayerischen Penzing vom Bund gekauft. Nach der Zerlegung und dem Straßentransport in das 40 Kilometer entfernte Wernigerode soll die „Silberne Gams“ das Dach seines Museums zieren.

Maßarbeit beim Einwinken: die Rollwege sind nur für Kleinflugzeuge gedacht.
Maßarbeit beim Einwinken: die Rollwege sind nur für Kleinflugzeuge gedacht. (Quelle: Luftwaffe/Uwe Lenke)Größere Abbildung anzeigen

Die letzten Transall-Maschinen verlassen Penzing

Genau vier Tage nach der offiziellen Außerdienststellung des LTG 61 verließen die übrigen drei Transall-Maschinen das heimatliche Gamsbockgeschwader am Lech. Offensichtlich hatte sich der letzte Start der Transportflugzeuge herumgesprochen. So standen einige Leute am Zaun des Penzinger Fliegerhorsts, um den Maschinen noch ein einziges Mal zuzuwinken, bevor sie in einen, dem Anlass entsprechend, trüben Himmel verschwanden.

Extra zum letzten Flug angefertigt: ein Patch.
Extra zum letzten Flug angefertigt: ein Patch. (Quelle: Luftwaffe/Uwe Lenke)Größere Abbildung anzeigen

Perfekte Landung auf kurzer Piste

Ortswechsel – 450 Kilometer und knapp zwei Flugstunden weiter nördlich: Auf die Minute genau näherte sich die „three-ship-mission“ – drei Flugzeuge im Formationsflug. Sie überflogen mit eingeschalteten Landescheinwerfern den kleinen Flugplatz am Rande des Harzes. Während die beiden normal, grün lackierten C-160 nach einem gemeinsamen Überflug weiter ins Lufttransportgeschwader 63 nach Hohn in Schleswig-Holstein flogen, löste sich die „Silberne Gams“ aus der Formation. Unter Beifall der Zuschauer setzte Kommodore Daniel Draken, die in der winterlichen Sonne glänzende Transall, butterweich in Ballenstedt auf.

Die Techniker des Systemzentrums Erding erwarteten die Maschine und kümmerten sich um die Demilitarisierung.
Die Techniker des Systemzentrums Erding erwarteten die Maschine und kümmerten sich um die Demilitarisierung. (Quelle: Luftwaffe/Uwe Lenke)Größere Abbildung anzeigen

Die letzte Landung – für die Maschine, den Kommandanten Draken, den Copiloten Bernard und Emil, das Gamsbock-Maskottchen des LTG 61. „Es war mir eine große Ehre unsere Jubiläumsmaschine bei ihrem und meinem letzten Flug hierher gebracht zu haben“, so Oberst Daniel Draken. Dass die Landung auf der doch sehr kurzen Bahn so perfekt gelang, nötigte allen großen Respekt ab.

Emil an Bord: das Maskottchen war auf den wichtigsten Flügen dabei und hat sogar eine Akte beim Fliegerarzt.

Eine Transall wechselt den Besitzer

Nach der Übergabe von Geschenken, die an den letzten Flug erinnerten, signierte die Crew in alter Tradition das Flugzeug. Freudig übernahm Clemens Aulich aus der Hand des Kommodores die Schlüssel für seine Maschine. Der Traktor, der bereit stand, um die Transall zum Abstellplatz zu schleppen, musste jedoch erstmal warten: Draken startete nochmals die Triebwerke, um die C-160 aus eigener Kraft über die Wiese zu der Stelle zu rollen, an der die Bundeswehr-Techniker die Demilitarisierung vornahmen und die Betriebsstoffe abließen.

Der Kommodore des LTG 61, Oberst Daniel Draken, übergab den Schlüssel an Museumschef Clemens Aulich.
Der Kommodore des LTG 61, Oberst Daniel Draken, übergab den Schlüssel an Museumschef Clemens Aulich. (Quelle: Luftwaffe/Uwe Lenke)Größere Abbildung anzeigen

Nach getaner Arbeit reisten die Techniker wieder nach Penzing – mit dem Trost, dass die Maschine der Verschrottung entkam und jeder sie immer wieder besuchen kann. Die Transall mit der Kennung 51+01 ist zwar nicht die erste Penzinger Transall im Harz – hatte Museumschef Aulich doch vor fünf Jahren schon mal eine gekauft, die jedoch in Ballenstedt bleibt – aber die erste Gams im Mittelgebirge.

Alte Fliegertradition: Flugzeug-Kommandant Oberst Daniel Draken und die Crew signierten die Maschine nach dem letzten Flug.
Alte Fliegertradition: Flugzeug-Kommandant Oberst Daniel Draken und die Crew signierten die Maschine nach dem letzten Flug. (Quelle: Luftwaffe/Max-Joseph Kronenbitter)Größere Abbildung anzeigen

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Stand vom: 15.01.18 | Autor: Max-Joseph Kronenbitter


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