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Neue Ära: DFS übernimmt Fluglotsenausbildung

Kaufbeuren, 13.01.2017.

In Kaufbeuren werden Soldaten und Zivilisten ab jetzt enger zusammenarbeiten. Eine Tochter der Deutschen Flugsicherung, die Kaufbeuren ATM Training, bildet angehende Flugsicherungskontrollleiter auf dem bayerischen Fliegerhorst aus. Mit dieser zivil-militärischen Ausbildungskooperation soll die Ausbildung für Soldaten von Luftwaffe, Heer und Marine moderner werden.

Es ist ein wichtiger Schritt für den Fliegerhorst Kaufbeuren. Die Verantwortung für die Fluglotsenausbildung wird an die Kaufbeuren ATM Training (KAT), eine Tochterfirma der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) übergeben. Das Ergebnis von neun Monaten Planungen, Gesprächen und Umbauarbeiten. „Und es beginnt eine neue Ära am Standort“, so Oberst Pötzsch, Kommandeur Abteilung Süd des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe in Kaufbeuren.

Bisher bildete die Bundeswehr hier militärische Fluglotsen und Flugberater, die Flugsicherungskontrollleiter, aus. Das übernimmt jetzt komplett die KAT. Diese neue zivil-militärische Ausbildungskooperation wurde bei einem Festakt offiziell besiegelt. Viele Gäste waren dazu in das Offizierskasino gekommen. Unter ihnen auch Lehroffizier Hauptmann Daniel Fernholtz.

Der 44-jährige Hauptmann Daniel Fernholtz war früher selbst in Lechfeld Fluglotse.
Der 44-jährige Hauptmann Daniel Fernholtz war früher selbst in Lechfeld Fluglotse. (Quelle: Luftwaffe/Niklas Engelking)Größere Abbildung anzeigen

Der 44-Jährige bildet seit zwei Jahren Fluglotsen der Luftwaffe in Kaufbeuren aus. In dieser Zeit hat der Lechfelder in allen Bereichen der Fluglotsenausbildung gearbeitet. „In meiner Zeit hier habe ich sowohl im Hörsaal unterrichtet als auch im Simulator Übungen geführt“, erzählt er. Doch auch mit der Übernahme durch die DFS geht sein Dienst in Kaufbeuren weiter. Zusammen mit 14 anderen Soldaten wird er nun bei der Kaufbeuren ATM Training als Ausbilder eingesetzt. „Beim militärischen Flugbetrieb gibt es einige Besonderheiten, die wir den Schülern als Soldaten am besten erklären können“, erläutert der Vater von zwei Kindern.

„Pseudo-Piloten“ und virtuelle Flieger

Ob Feuerwehrwagen oder Kampfjet: verschiedene Fahrzeuge und Situationen lassen sich mit dem Towersimulator darstellen.
Ob Feuerwehrwagen oder Kampfjet: verschiedene Fahrzeuge und Situationen lassen sich mit dem Towersimulator darstellen. (Quelle: Luftwaffe/Niklas Engelking)Größere Abbildung anzeigen

Für die neue Kooperation wurde im Ausbildungsgebäude für die Fluglotsen die Simulationstechnik auf den neuesten Stand gebracht. Hier gibt es Simulatoren für alle Bereiche einer „echten“ Flugsicherung. „Pseudo-Piloten“ steuern virtuelle Flieger durch den Luftraum. So nennen sich die Simulationsassistenten im Jargon. Die Schüler sitzen dann in einem fiktiven Tower oder der Radaranflugkontrolle und müssen die Maschinen leiten und koordinieren.

Sie steuern den Flugverkehr von Frankfurt bis „ILLER“

Wenn ein Flugzeug auf einem Flughafen landen will, nehmen die Piloten zuerst Kontakt mit der Radaranflugkontrolle auf. Fenster wie beim Tower gibt es nicht. Die Lehrlinge sehen alle Maschinen im Luftraum nur per Radar. „Letztes Jahr standen hier noch analoge Radargeräte“, erinnert sich Fernholtz. Die wurden jetzt von mehreren großen Displays abgelöst. „Auf diese neue Technik werden die Absolventen später zunehmend in den Geschwadern treffen“, erläutert er.

Hauptmann Fernholtz an einem Platz der neuen Radaranflugsicherung. Selbst Stift und Papier ersetzt jetzt ein Touchpad.
Hauptmann Fernholtz an einem Platz der neuen Radaranflugsicherung. Selbst Stift und Papier ersetzt jetzt ein Touchpad. (Quelle: Luftwaffe/Niklas Engelking)Größere Abbildung anzeigen

Der zweite Ausbildungsplatz ist der „Tower“, ein einziger großer Raum mit Leinwänden. Hier steuern die angehenden Fluglotsen Starts, Landungen und den Rollverkehr auf Sicht. Durch die „Fenster“ des Towers in Kaufbeuren blicken sie auf den fiktiven Flugplatz „ILLER“. Aber auch alle anderen Flughäfen wie zum Beispiel der Flughafen Frankfurt lassen sich anzeigen. Möglich macht das ein neues hochkomplexes Sichtsystem mit Laser Beamer, das ein virtuelles Bild auf die Leinwände im Übungstower wirft.

Die „Flugplatzregisseure“

Hauptmann Fernholtz und die anderen Ausbilder sitzen während des Simulatortrainings hinter den Trainees und in der Übungsleitung. Hier ist die Regie für alles, was sich auf den Leinwänden und Displays der Simulatoren abspielt. Die Lehrer sind die Piloten, lassen Flugzeuge zur Landung anfliegen oder auf die Startbahn rollen. Dabei folgen sie genau den Anweisungen der angehenden Fluglotsen. „Die neue Software bringt uns viele neue Möglichkeiten“, beschreibt Fernholtz. „Das ging früher nicht so, damit lassen sich die Übungen viel flexibler gestalten.“ Und Joachim Keck, Geschäftsführer der DFS-Tochter KAT ergänzt: „Wir haben zudem sehr leistungsfähige Tablet-PCs für jeden Schüler angeschafft, damit sie auch nach dem Unterricht Simulationsübungen im Bereich der Flugverkehrskontrollausbildung üben können, um die Ausbildungsqualität zu steigern.“

Ab sofort sitzt Hauptmann Fernholtz auch mit Zivilisten in der Übungsleitung
Ab sofort sitzt Hauptmann Fernholtz auch mit Zivilisten in der Übungsleitung (Quelle: Luftwaffe/Niklas Engelking)Größere Abbildung anzeigen

Aber für Fernholz und seine Kameraden verändert sich nicht nur der Arbeitsplatz. „Vorher haben wir hier ungefähr mit insgesamt 45 Soldaten die Ausbildung durchgeführt“, erzählt der Hauptmann. Viele wurden bereits versetzt, einige gehen bald in den Ruhestand. Dafür bekommt der Hauptmann jetzt 45 zivile Kollegen. 80 Lehrgangsteilnehmer können sie hier künftig mit den 15 Soldaten ausbilden. „Die neuen Kollegen ohne Uniform sind natürlich erst einmal ungewohnt“, gesteht der Lechfelder. Aber die vielen Neuzugänge sind auch eine Erleichterung für den Familienvater. Denn das Ausbildungszentrum kämpfte bis zuletzt mit Personalmangel. „Von den Ausbilderstellen waren nur etwa 50 Prozent besetzt. Das wird sich mit den vielen neuen Fluglehrern wohl ändern“, hofft Fernholtz. Bald beginnt der erste Pilotlehrgang. Hauptmann Fernholtz ist gespannt: „Darauf freue ich mich schon, besonders auf die Arbeit mit der neuen Technik und den neuen Kollegen.“

„Ich freue mich auf die vielen Jahre, die zur Chronik dazukommen werden“

Oberst Pötzsch übergibt Joachim Keck, Geschäftsführer der KAT, symbolisch die besonderen Anweisungen der militärischen Flugsicherung.
Oberst Pötzsch übergibt Joachim Keck, Geschäftsführer der KAT, symbolisch die besonderen Anweisungen der militärischen Flugsicherung. (Quelle: Luftwaffe/Benjamin Dempfle)Größere Abbildung anzeigen

Viele der neuen Gesichter trifft er auch schon bei dem Festakt auf dem Fliegerhorst. Wie wichtig die Kooperation für die Luftwaffe ist, zeigt auch der Besuch von Brigadegeneral Stefan Lüth. „Ihrem Engagement und Ihrem Team ist der Erfolg dieses Projekts zu verdanken“, sagte der General den Beteiligten. Mit Blick auf die Zukunft betonte Kommandeur Oberst Pötzsch: „Vor allem freue ich mich auf die vielen Jahre, die nun zu dieser Standort-Chronik dazukommen werden.“ Denn außerhalb des Fliegerhorstes entsteht ein komplett neuer Ausbildungscampus mit Unterkünften, einem Lehr- und Simulationsgebäude und einer Mensa. Bis Ende 2019 soll alles fertig sein.


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Stand vom: 28.11.17 | Autor: Niklas Engelking


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