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Über 40 Jahre Soldat – Inspekteur Müllner verabschiedet sich

Berlin, 28.05.2018.

Generalleutnant Karl Müllner war sechs Jahre lang Inspekteur der Luftwaffe und damit der ranghöchste Luftwaffensoldat. Er hatte dieses Amt so lange inne wie kein anderer vor ihm. Morgen wird sein Amt an seinen Nachfolger übergeben. Grund genug, um Müllner ein letztes Mal als Soldat Fragen zu seiner militärischen Karriere und zu seinen Zukunftsplänen zu stellen.

Was überwiegt bei Ihrem Abschied, die Wehmut oder die Vorfreude auf mehr Zeit für die Familie und die Kinder?

Ich habe Familie und Dienst nie als Gegensatz verstanden. Insofern schließen sich auch jetzt Wehmut beim Abschied und die Vorfreude auf die gewonnene Zeit mit meiner Familie keineswegs aus. Ich habe jeden Tag meiner Dienstzeit als Inspekteur der Luftwaffe genossen und selbstverständlich empfinde ich nun auch Wehmut. In meinen sechs Dienstjahren als Inspekteur habe ich selbst unzählige Male Generale, Generalärzte und Oberste verabschiedet und ihnen gewünscht, dass sie ihre nun gewonnene Zeit mit ihren Lieben daheim genießen mögen. Es fühlt sich jedoch anders an, wenn man nun selbst diese Worte hört und Abschied von einer Aufgabe nehmen muss, die so sehr das Leben bestimmt hat.

Generalleutnant Karl Müllner bei der Militärhistorischen Tagung in Berlin.
Generalleutnant Karl Müllner bei der Militärhistorischen Tagung in Berlin. (Quelle: Luftwaffe/Francis Hildemann)

Was wird Ihnen nach Ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst am meisten fehlen?

Ich denke, dass ich den tagtäglichen Kontakt zu meinen Soldatinnen und Soldaten, zu meinen Mitarbeitern und allen Angehörigen der Luftwaffe vermissen werde. Ihr Vertrauen und die Möglichkeit, zu gestalten und Verantwortung zu tragen – all dies wird mir fehlen.

Was werden Sie gar nicht vermissen?

Aus der Perspektive der Soldatinnen und Soldaten, die das Interview hören oder lesen, mag es überraschend klingen, aber der Glaube, dass mit einem höheren Dienstgrad die Freiheit immer größer wird, ist nicht die ganze Wahrheit. So freue ich mich über einen Terminkalender, der zukünftig von mir gestaltet wird und nicht bereits ohne mein Zutun jeden Tag automatisch prall gefüllt ist.

Beim persönlichen Blick auf 40 Jahre Bundeswehr, was bleibt?

Wenn ich nur einen Aspekt nennen dürfte, dann antworte ich, dass für mich die Kraft des Teams Luftwaffe die stärkste Erfahrung bleibt. Eine Erfahrung, die ich auf allen Führungsebenen habe machen dürfen und die mir als Inspekteur noch mehr als zuvor bewusst wurde. Das Engagement, die Tatkraft, der Optimismus und die Professionalität unserer Soldatinnen und Soldaten trägt die Luftwaffe und lässt uns alle Herausforderungen meistern.

Karl Müllner bedankt sich bei Wolfgang Lippert für die Moderation des Balls der Luftwaffe 2018.
Karl Müllner bedankt sich bei Wolfgang Lippert für die Moderation des Balls der Luftwaffe 2018. (Quelle: Luftwaffe/Johannes Heyn)Größere Abbildung anzeigen

Wie wird Ihr erster Tag nach der Bundeswehr aussehen?

Ich habe keinen Plan. Vielleicht ist das schon die Antwort auf Ihre Frage. Vielleicht ist das der Luxus meines neuen Lebens. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass ich mit meiner nun freien Zeit sehr schnell in die häusliche Gemeinschaft meiner Familie integriert werde. Meine Frau und meine Söhne werden sich gemeinsam mit mir freuen, wenn ich nach dem Frühstück nicht aufbrechen muss, um ins Büro zu eilen.

Schon bald hängt Ihre Uniform am sprichwörtlichen Nagel. Was bedeutet Ihnen Ihre Uniform?

Wenn Sie mir diese Frage vor wenigen Wochen gestellt hätten, so hätte ich Ihnen tatsächlich eine andere Antwort gegeben als heute. Wenn man so viele Jahre jeden Tag selbstverständlich Uniform trägt, wird das Gefühl für das Besondere schwächer. Als ich jedoch vor wenigen Tagen meine Uniformen - meine Fliegerkombi und meine Flecktarn-Uniform - für die Abgabe zusammengesucht habe, war das schon ein emotionaler Augenblick. Emotionaler als angenommen. Und auch wenn ich als „Selbsteinkleider“ die blaue Uniform behalten kann, ist die ganze Wahrheit, dass ich von Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 in Neuburg gefragt wurde, ob ich nicht bereit wäre, eine meiner Dienstjacken der dortigen militärgeschichtlichen Sammlung zu stiften. Dort bin ich als junger Offizier geflogen, Staffelchef geworden und habe später als Kommodore sogar den Verband führen dürfen.

Wo wir schon von emotionalen Momenten sprechen: Gibt es etwas, worauf Sie ganz spontan stolz sind?

Ich hoffe, dass immer, in jedem Augenblick, spürbar war, dass ich auf die Leistung des Teams Luftwaffe stolz bin. Neben meinem Stolz auf das Team ist der Begriff in unserem Sprachgebrauch ja stark an eine individuelle Leistung geknüpft. Ich denke, dass Ihre Frage darauf zielt. Der Augenblick, wenn man ein persönliches Ziel erreicht hat, stand für mich jedoch eher nicht im Vordergrund. Als ich zum Inspekteur ernannt wurde oder auch als ich die fliegerische Ausbildung bestanden hatte, Staffelkapitän oder Kommodore in Neuburg wurde – all diese sehr schönen und unvergesslichen Momente meiner Dienstzeit sind nicht mit dem Gefühl von Stolz verbunden. Ich gebe jedoch zu, dass es mir sehr viel bedeutet hat, wenn mir meine Mitarbeiter am Ende einer Aufgabe das Gefühl gegeben haben, dass ich meine Sache gut gemacht habe. Das gilt für alle Ebenen und Stationen meiner Laufbahn.

Inspekteur Müllner beim Besuch des Kontingents im jordanischen Al-Asrak.
Inspekteur Müllner beim Besuch des Kontingents im jordanischen Al-Asrak. (Quelle: Luftwaffe/Johannes Heyn)Größere Abbildung anzeigen

Wie lautet Ihr (Lebens-) Motto?

Ein Lebensmotto habe ich nicht. Es gibt viele schlaue Sätze, aber wohl nicht einen Satz, der die Komplexität des Lebens abbilden könnte. Für mein dienstliches Leben hat sich mir jedoch ein Satz besonders eingeprägt: „Die Truppe hat meistens recht!“ Für mich war der offene und ehrliche Gedankenaustausch immer die entscheidende Basis meiner Entscheidungen. Die enge Einbindung der Truppe und das persönliche Gespräch mit den Soldatinnen und Soldaten habe ich immer als Bereicherung verstanden.

Letzte Frage: Gab es auch Enttäuschungen oder Momente, in denen Sie Ihre Entscheidung, Soldat geworden zu sein, bereut oder zumindest kritisch überdacht haben?

Zweifel sind immer erlaubt. Ein kritischer Blick ist oftmals Ausgangspunkt für etwas Positives – davon bin ich fest überzeugt. Aber ich muss Ihre Frage mit einem Nein beantworten.

Ich hatte in meiner Dienstzeit tatsächlich immer das Glück, dass mir meine Aufgaben große Freude gemacht haben. Ich habe daher die Entscheidung, Soldat geworden zu sein, nie bereut. Im Gegenteil!

Abschied mit Vorbeiflug

Generalleutnant Müllner wird morgen Abend mit einem großen Zapfenstreich beim BMVg durch das Wachbataillon verabschiedet werden. Zuvor wird aber am Nachmittag das Amt des Inspekteurs der Luftwaffe übergeben. Müllner wird von seinen Aufgaben entbunden und Ingo Gerhartz wird der neue Inspekteur der Luftwaffe. Der militärische Appell wird auf dem Flugplatz in Berlin-Gatow organisiert. Anlässlich dessen wird es einen Vorbeiflug mit Eurofightern und Tornados geben.


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Stand vom: 29.05.18 | Autor: PIZ Lw


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