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Chefwechsel bei der Luftwaffe – neuer Inspekteur übernimmt

Berlin, 29.05.2018.

Mehr als sechs Jahre war Generalleutnant Karl Müllner Inspekteur der Luftwaffe und damit der ranghöchste Soldat dieser Teilstreitkraft. So lange wie kein anderer vor ihm. Nun wird das Amt des Inspekteurs an seinen Nachfolger, Generalleutnant Ingo Gerhartz, übergeben.

Der blaue Himmel ist wolkenlos und die Hitze flimmert über dem Platz. Das Thermometer am Luftwaffenmuseum in Berlin Gatow zeigt 30 Grad an. Hunderte Soldaten sind in ihren blauen Uniformen angetreten. Rund 600 Gäste, darunter Politiker, Vertreter der Wirtschaft und Soldaten anderer Teilstreitkräfte und Nationen, verfolgen die Zeremonie von den Tribünen. Das Luftwaffenmusikkorps Erfurt und der Spielmannszug Berlin spielen unter der Leitung von Oberstleutnant Burkhard Zenglein den Regimentsgruß-Marsch. Soldaten marschieren mit der deutschen Flagge auf den Platz.

Aus allen Teilen der Luftwaffe reisten Abordnungen an, um beim Appell dabei zu sein.
Aus allen Teilen der Luftwaffe reisten Abordnungen an, um beim Appell dabei zu sein. (Quelle: Luftwaffe/Jane Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

Wechsel an der Spitze der Luftwaffe

Es ist der Übergabeappell des Inspekteurs der Luftwaffe. General Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr, entbindet heute Generalleutnant Karl Müllner von seinem Amt. Dessen Nachfolger, Generalleutnant Ingo Gerhartz, übernimmt und wird der neue Inspekteur der Luftwaffe. Damit endet eine sechsjährige Ära und eine neue beginnt.

Gemeinsam schreiten die Generäle die Front der Truppe ab.
Gemeinsam schreiten die Generäle die Front der Truppe ab. (Quelle: Luftwaffe/Jane Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

„Bleiben Sie wie Sie sind“

General Zorn eröffnet den Appell. In seiner Rede geht er auf die lange Amtszeit Müllners ein und bedankt sich für dessen Leistungen: „Sie haben vorzügliche Arbeit geleistet und sich immer mit ganzer Kraft für Ihre Aufgabe eingesetzt.“ Der Generalinspekteur umreißt die verschiedenen Stationen in der soldatischen Laufbahn Müllners. Er wünscht dem noch amtierenden Inspekteur der Luftwaffe viel Zeit mit der Familie und gibt ihm mit auf den Weg: „Bleiben Sie wie Sie sind – ein aufrichtiger und gewiefter Bayer mit preußischen Tugenden, der es immer verstanden hat, seine Luftwaffe mit Herz und klarem Wort zu führen.“

Zukunftsweisende Themen und Entscheidungen prägten die Dienstzeit von Generalleutnant Müllner. So wurden die ersten Transportflugzeuge des Typs A400M in die Luftwaffe eingeführt, die Entscheidung über ein neues Luftabwehrsystem wurde gefällt und die Weiterentwicklung des Eurofighters beschäftigte den Inspekteur maßgeblich.

General Zorn bedankt sich bei Karl Müllner für dessen hervorragende Leistungen für die Luftwaffe.
General Zorn bedankt sich bei Karl Müllner für dessen hervorragende Leistungen für die Luftwaffe. (Quelle: Luftwaffe/Jane Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

Dank an das Team Luftwaffe

Generalleutnant Müllner tritt ans Pult. Man sieht ihm an, dass das gerade kein leichter Gang für ihn ist. Er macht auch gleich zu Beginn seiner Rede deutlich, dass ihn dieser Moment trotz aller Professionalität nicht unberührt lässt: „Sie sehen es mir daher bitte nach, wenn ich jetzt, da ich das letzte Mal vor Ihnen stehen darf […] auch emotional berührt und ein wenig wehmütig bin.“ Den Augenblick möchte er nutzen, um den Soldaten seinen herzlichsten Dank auszusprechen: „Denn Sie sind es, die trotz zahlreicher Unzulänglichkeiten den Auftrag immer noch bestmöglich erfüllen, verlässlich und sicher. Dafür bin ich Ihnen allen [...]unendlich dankbar.“ Er spüre auch heute „auf diesem Platz, die Einheit, die Geschlossenheit und die Stärke unseres Teams Luftwaffe“.

Wehmütig nimmt Karl Müllner Abschied von seiner Truppe.
Wehmütig nimmt Karl Müllner Abschied von seiner Truppe. (Quelle: Luftwaffe/Johannes Heyn)Größere Abbildung anzeigen

Vom Kampfjet-Cockpit an die Spitze der Luftwaffe

Karl Müllner kam 1976 als Unteroffiziersanwärter zur Bundeswehr. Der gebürtige Bayer entschied sich schnell für eine Laufbahn als Offizier und Pilot. 1982 wurde er zum Luftfahrzeugführer für die F-4F Phantom ausgebildet. Er durchlief zahlreiche Laufbahnen im Geschwader vom Jagdflugzeugführer über den Staffelkapitän bis hin zum Kommodore. Es folgten Verwendungen im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) bis hin zu seiner Ernennung zum Inspekteur der Luftwaffe 2012.

„Macht es gut“

Müllner richtet das Wort an seinen Nachfolger, Generalleutnant Ingo Gerhartz. Er übergebe ihm keine fertige Luftwaffe, da selbst in seiner langen Amtszeit „zu viele aktuelle Probleme und offene Fragen zur Zukunft [der] Luftwaffe noch ungelöst und unbeantwortet geblieben seien“. Aber er betonte: „Dennoch, oder gerade deswegen, bleibt genug für Dich zu tun. Ich versichere Dir, dass Du auf das Vertrauen, den reichen Erfahrungsschatz, den ehrlichen Rat und die tatkräftige Unterstützung des stolzen Teams Luftwaffe bauen kannst.“

Sichtlich berührt verabschiedet sich Generalleutnant Karl Müllner von seinem Team Luftwaffe: „Danke für Alles, ich war stolz, Euer Inspekteur, Euer Boss, sein zu dürfen. Macht es gut.“

So schwer ihm der Abschied auch fällt, Generalleutnant Müllner freut sich auf die nun neu gewonnene Zeit mit seiner Familie.
So schwer ihm der Abschied auch fällt, Generalleutnant Müllner freut sich auf die nun neu gewonnene Zeit mit seiner Familie. (Quelle: Luftwaffe/Jane Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

Das Kommando über die Luftwaffe wird übergeben

Nun ist es soweit. Die drei Generäle treten nach vorn. Drei Soldaten marschieren mit der Truppenfahne auf die Mitte des Platzes. Die Flagge wird gesenkt und an Generalleutnant Müllner übergeben. Er gibt die Flagge, und damit symbolisch das Kommando über die Luftwaffe, an den Generalinspekteur zurück. Generalleutnant Gerhartz übernimmt diese danach und damit auch das Kommando. Damit ist der wichtigste Teil des Appells beendet: Das Amt des Inspekteurs Luftwaffe wurde übergeben.

Karl Müllner übergibt die Truppenfahne und damit das Kommando über die Luftwaffe an General Zorn.
Karl Müllner übergibt die Truppenfahne und damit das Kommando über die Luftwaffe an General Zorn. (Quelle: Bundeswehr/Johannes Heyn)Größere Abbildung anzeigen

„Ich bin und bleibe einer von Ihnen“

Ingo Gerhartz war bis vor kurzem Stellvertreter des Abteilungsleiters Strategie und Einsatz in Berlin im BMVg. Heute übernimmt er die Geschäfte als Inspekteur der Luftwaffe im Kommando Luftwaffe. „Ich freue mich auf die Aufgabe und damit die Verantwortung als Ihr Inspekteur, aber ganz besonders freue ich mich auf Sie – auf die Menschen in unserer Luftwaffe!“ Er betont, dass es für ihn wichtig sei, nicht losgelöst an der Spitze zu stehen, „sondern Teil des Teams Luftwaffe zu sein. Ich bin und bleibe einer von Ihnen und als solcher jederzeit ansprechbar, gerade wenn es darum geht, gemeinsam die Zukunft der Luftwaffe zu gestalten.“

„Für Ihre Unterstützung und Ihr Vertrauen sage ich Ihnen heute schon: Herzlichen Dank!“

Der neue Inspekteur möchte zusammen mit dem Team Luftwaffe die derzeiten Probleme gemeinsam lösen.
Der neue Inspekteur möchte zusammen mit dem Team Luftwaffe die derzeiten Probleme gemeinsam lösen. (Quelle: Luftwaffe/Johannes Heyn)Größere Abbildung anzeigen

Besondere Ehre für den ehemaligen Kampfpiloten

Der Appell wird plötzlich lautstark unterbrochen: ein donnerndes Geräusch kommt schnell näher. Vier Eurofighter und zwei Tornados fliegen über die angetretene Truppe hinweg. Mit dem Vorbeiflug wird der scheidende Inspekteur und ehemalige Pilot Müllner geehrt. Sowohl für ihn, für die gesamte Paradeaufstellung, aber auch für die Bewohner Berlin-Gatows war das etwas Besonderes.

Sowohl der alte als auch der neue Inspekteur sind Piloten. Zu ihren Ehren flogen Kampfjets vorbei.
Sowohl der alte als auch der neue Inspekteur sind Piloten. Zu ihren Ehren flogen Kampfjets vorbei. (Quelle: Luftwaffe/Johannes Heyn)Größere Abbildung anzeigen

Der Appell endet mit dem Ausmarsch der Truppenfahne. Anschließend geht es bei einem Empfang weiter, bevor am Abend die Gäste und Generäle den Ort des Geschehens ins BMVg verlegen. Dort wird Generalleutnant Karl Müllner mit einem großen Zapfenstreich in seinen Ruhestand verabschiedet. Damit endet nicht nur seine Zeit als Inspekteur der Luftwaffe sondern auch seine 42-jährige Karriere als Soldat.

Eindrücke und Informationen zum Großen Zapfenstreich bekommen Sie auf der Internetseite des BMVg.


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Stand vom: 31.05.18 | Autor: Stephan Prietzel


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