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Neues Teleskop für die Luftwaffe

Kalkar/Uedem, 11.09.2018.

Mit dem ASA 400 blickt die Luftwaffe und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in größere Höhen. Das neue Teleskop im Weltraumlagezentrum in Uedem wird ressortgemeinsam genutzt und beobachtet den Nachthimmel in bis zu 36.000 Kilometern Höhe. Dabei werden Messdaten gesammelt, denen sowohl militärisch als auch zivil eine hohe Bedeutung zukommt.

Das ASA400 erkennt Objekte in bis zu 36.000 Kilometern Entfernung.
Das ASA400 erkennt Objekte in bis zu 36.000 Kilometern Entfernung. (Quelle: Luftwaffe/Stephan Ink)Größere Abbildung anzeigen

Arbeitsbereich der Luftwaffe ist zum großen Teil die dritte Dimension. Der Luftraum – nach oben begrenzt durch das Weltall. ...oder auch nicht. Der Aufgabenbereich des Weltraumlagezentrums beginnt dort, wo die Luft schon lange zu dünn ist, um Kerosin in einem Triebwerk zu verbrennen.

Die Beobachtungshöhe des neuen Teleskopes, dem ASA400 der Firma ASA Astrosysteme GmbH, ist enorm. In einer Höhe von 2.000 Kilometern kann es Objekte mit einer Größe von 30 Zentimetern beobachten. Objekte mit etwa einem Meter Größe beobachtet das System sogar in geostationären Umlaufbahnen – also etwa 36.000 Kilometer. Zum Vergleich: Die internationale Raumstation ISS umkreist die Erde in rund 400 Kilometern Höhe. Das voll automatisierte optische Teleskop wird im „Tracking“ bestimmte Objekte verfolgen. Auf Grundlage der weiterverarbeiteten Messungen wird anschließend deren exakte Flugbahn berechnet. Dazu reichen bereits drei Bilder aus, die in bestimmten Zeitabständen aufgenommen werden. Beim „Surveillance“ überwacht das Teleskop systematisch bestimmte Bereiche des Nachthimmels. Dazu reicht es aus, dass die Sonne nur 9° unter dem Horizont steht und das zu beobachtende Objekt von der Sonne angestrahlt wird. Mit vorheriger Programmierung arbeitet das Teleskop dann automatisch. Dr. Gerald Braun, ziviler Leiter Weltraumlagezentrum (DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt), betont, dass es das Ziel sei „…möglichst wenig noch ‚händisch‘ auszuwerten. Die Automatisierung der Auswertung und dadurch schnelles Handeln ist unerlässlich für die Sicherheit“.

Generalleutnant Joachim Wundrak, Oberstleutnant i.G. Marc Worch und Dr. Gerald Braun sind stolz auf die neue Fähigkeit im Weltraumlagezentrum.
Generalleutnant Joachim Wundrak, Oberstleutnant i.G. Marc Worch und Dr. Gerald Braun sind stolz auf die neue Fähigkeit im Weltraumlagezentrum. (Quelle: Luftwaffe/Stephan Ink)Größere Abbildung anzeigen

Doppelte Führung im Weltraumlagezentrum

Dr. Braun vom DLR ist ein Teil der Doppelspitze im Weltraumlagezentrum. Sein militärisches Pendant ist Oberstleutnant i.G. (im Generalstabsdienst) Marc Worch. Er weiß um die Wichtigkeit der Aufgabe seiner Dienststelle. „In der heutigen Zeit sind die zivile Gesellschaft und alle militärischen Einsätze abhängig von einer verfügbaren und funktionierenden Weltrauminfrastruktur. Der Schutz dieser Weltrauminfrastruktur ist daher eine ressortübergreifende Aufgabe. In seiner Zusammensetzung leistet das Weltraumlagezentrum am Standort Uedem hierzu einen wesentlichen Beitrag. Mit dem durch das DLR beschaffte Teleskop verfügt das Weltraumlagezentrum erstmals über die Fähigkeit, Analysen und Produkte zu Weltraumprodukten auch auf Basis eigener Messergebnisse zu erstellen.“

Messdaten zum Schutz ziviler und militärischer Weltrauminfrastruktur

Ist das Teleskop auf einen bekannten Himmelskörper gerichtet, erkennt es automatisch, wenn im Sichtbereich unbekannte Objekte auftauchen. Daraus werden dann Messdaten für die Bahnbestimmung gewonnen. Anhand von Geschwindigkeit und der Flugbahn wird dann errechnet, ob das Objekt eventuell auf Kollisionskurs mit einem anderen Objekt ist. Dies kann durch Ausweichmanöver betroffener Weltrauminfrastruktur rechtzeitig verhindert werden. Dazu werden eintreffende Warnungen verarbeitet, eine Kurskorrektur berechnet, geplant und durchgeführt. Je nach Objekt, Größe und Entfernung kann das einen Zeitraum von einigen Stunden über einige Tage bis hin zu längeren Zeiträumen gehen.

Unter der Kuppel ist das Teleskop bei Tag und schlechtem Wetter gut geschützt.
Unter der Kuppel ist das Teleskop bei Tag und schlechtem Wetter gut geschützt. (Quelle: Luftwaffe/Stephan Ink)Größere Abbildung anzeigen

Diese Ausweichmanöver sind nicht nur aus militärischen Gründen wichtig. Durch die Globalisierung und den technischen Fortschritt nutzt heute nahezu jeder Bundesbürger die Systeme, die durch Satelliten erst ermöglicht werden. Sei es die weltweite Kreditkartenbezahlung, Nutzung von GPS zur Orientierung mit dem Navi, das Wetterradar oder Satellitenbilder des eigenen Hauses. Außerdem ist das alles auch dank der Satelliten mit dem eigenen Mobiltelefon machbar.

Planung und Beschaffung in Rekordzeit

Das System des zivilen Unternehmens Astrosysteme GmbH ist ein Serienfertiges Produkt und musste dementsprechend nicht erst entwickelt werden. Somit war der Zeitraum von Planung, Beschaffung und Einführung in die Luftwaffe mit weniger als einem Jahr sehr kurz. Als gemeinschaftliches Projekt wurde der Aufbau und die Beschaffung durch das DLR getragen. Standort sowie die anfallenden Betriebskosten werden durch die Luftwaffe bereitgestellt.

Im Weltraumlagezentrum bekamen auch die anwesenden Journalisten alle technischen Details des Teleskopes präsentiert.
Im Weltraumlagezentrum bekamen auch die anwesenden Journalisten alle technischen Details des Teleskopes präsentiert. (Quelle: Luftwaffe/Stephan Ink)Größere Abbildung anzeigen

Dazu steht das Teleskop möglichst alleine auf der höchsten Erhebung im Umkreis. Dadurch kann auch die sogenannte Lichtverschmutzung auf den entstehenden Bildern weitgehend verhindert werden und das Sichtfeld wird nicht durch Gebäude oder Bäume blockiert. Um den Sensor vor Witterungseinflüssen zu schützen, ist es am Tag oder bei schlechtem Wetter von einer Kuppel aus einem Glasfaserverbund überdacht. Der Hauptspiegel (Ø 400 mm) und der Sekundärspiegel (Ø 155 mm) des ASA400 Ritchey–Chrétien G f8, wie die genaue Bezeichnung ist, arbeiten mit einer Brennweite von 3200 mm. Vergleichbar wäre das, sofern es das gäbe, mit einem 3,20 m langen Objektiv einer Foto-Kamera. Unterschied ist, dass die Vergrößerung im Teleskop mit Spiegeln erzeugt wird und nicht mit Linsen.

Wenn das Teleskop ein Objekt verfolgt, wird dieses als Punkt dargestellt. Alle anderen Objekte sind dadurch als weiße Striche sichtbar.
Wenn das Teleskop ein Objekt verfolgt, wird dieses als Punkt dargestellt. Alle anderen Objekte sind dadurch als weiße Striche sichtbar. (Quelle: Luftwaffe/Weltraumlagezentrum)Größere Abbildung anzeigen

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Stand vom: 13.09.18 | Autor: Philipp Rabe


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