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Perfekt verbunden – Link 16 im Einsatz

Ämari, 04.09.2018.

Das Heulen von Sirenen durchbricht die Stille auf dem estnischen Militärflugplatz Ämari. Piloten und Techniker laufen aus ihren Bereitschaftsräumen zu den beiden Eurofightern und bereiten diese auf einen Alarmstart vor. Nach nur wenigen Minuten rollen die Kampfflugzeuge aus ihren Hallen zur Startbahn und heben ab. Der Grund für die Alarmierung: Radarstellungen der NATO haben im internationalen Luftraum über der Ostsee ein nicht identifiziertes Luftfahrzeug erfasst. Daraufhin wurden die zwei Kampfflugzeuge vom zuständigen NATO-Luftverteidigungsgefechtsstand mit dem Auftrag alarmiert, das unbekannte Flugzeug nahe der Luftraumgrenze zu den baltischen Staaten zu identifizieren.

Hauptfeldwebel Torsten E. am Serverschrank des Technikcontainers.
Hauptfeldwebel Torsten E. am Serverschrank des Technikcontainers. (Quelle: Luftwaffe/Niels Juhlke)Größere Abbildung anzeigen

Während die Piloten mit ihren Eurofightern Kurs auf die Ostsee nehmen, bekommen sie auf den Bildschirmen in ihrem Cockpit bereits Informationen zur Position des nicht identifizierten Flugzeugs. Auch alle anderen Luftfahrzeuge im Umkreis der deutschen Kampfflugzeuge werden angezeigt, sodass die Piloten in Echtzeit einen Überblick über das Geschehen in der Luft erhalten. Möglich macht dies ein verschlüsselter Kommunikationsstandard mit dem Namen „Link 16“. Dieses Netzwerk erlaubt Führungseinrichtungen, Flugzeugen, Schiffen und Fahrzeugen die Übermittlung von Daten verschiedenster Art. Neben den Positionen von Flugzeugen gehören hierzu zum Beispiel Wetterdaten, die den Piloten in Textform, ähnlich einer SMS, gesendet werden können. Zu den Vorteilen dieser direkten Übertragungsart im Vergleich zum Sprechfunk gehört, neben der Verschlüsselung des Inhalts, auch der Wegfall von Missverständnissen aufgrund unverständlicher Funksprüche. Mittlerweile ist Link 16 aus der modernen militärischen Operationsführung nicht mehr wegzudenken. So werden in der NATO alle Radardaten aufbereitet, zusammengeführt und über Link 16 für Operationen zur Verfügung gestellt.

Die Container des verlegefähigen TDLMC auf der Ämari Air Base.
Die Container des verlegefähigen TDLMC auf der Ämari Air Base. (Quelle: Luftwaffe/Niels Juhlke)Größere Abbildung anzeigen

Alles - bloß keine Routine

Zurück auf der Ämari Air Base sitzt Hauptfeldwebel Torsten E. in einem olivfarbenen Container vor einer Wand aus Bildschirmen und verfolgt den Kurs der Eurofighter, die sich über der Ostsee ihrem Ziel nähern. Eine dicke Stahltür schirmt alle Geräusche von außen ab. In der konzentrierten Stille ist nur ein leises Summen der Klimaanlage zu hören. Der Soldat überwacht hier in der sogenannten verlegefähigen Tactical Data Link Management Cell (TDLMC) den Status der Link 16-Verbindung zu den Eurofightern. Rund um die Uhr stellt er mit seinen Kameraden sicher, dass die Flugzeuge in der Luft zuverlässig an das militärische Datennetz angebunden sind. Bei Fehlern und Systemausfällen muss der Dreißigjährige schnell handeln, da wichtige Informationen ihre Adressaten in der Luft oder am Boden sonst nicht erreichen könnten. „Bei uns gibt es keine Routine, weder im Aufbau unserer Technik, noch im Betrieb“, betont der Hauptfeldwebel mit Blick auf die weltweiten Einsätze und Übungen, an denen sein Team teilnimmt. „Wir sind viel unterwegs, ob zum Beispiel in Deutschland bei einer Übung zusammen mit der Marine oder auf Kreta mit der Flugabwehr der Luftwaffe. Dort gefällt mir neben der multinationalen Arbeit an meiner Aufgabe besonders, dass wir unser Equipment nicht bloß nutzen, sondern komplett selbst administrieren und einrichten.“

Hauptfeldwebel Torsten E. beim Aufbau des Antennenträgers.
Hauptfeldwebel Torsten E. beim Aufbau des Antennenträgers. (Quelle: Luftwaffe/Niels Juhlke)Größere Abbildung anzeigen

Voll verlegefähig: Der TDLMC-Trupp

Seine Technik- und IT-Expertise kann Torsten E. als Tactical Data Link Manager also nicht nur vor dem Bildschirm, sondern auch im benachbarten Container anwenden, der alle Server seines Trupps beherbergt. Außerdem ist er für den Aufbau des Antennenträgers und der Stromgeneratoren verantwortlich. So ist die verlegefähige TDLMC weltweit und unabhängig von der Infrastruktur vor Ort einsetzbar. In Deutschland ist der Hauptfeldwebel mit seiner Teileinheit Tactical Data Link Management in Mechernich stationiert. Diese gehört zum Bereich IT-Management im Betriebszentrum IT-System der Bundeswehr (BITS) und untersteht dem Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum (CIR).

Der Antennenträger ist jederzeit verlegbar.
Der Antennenträger ist jederzeit verlegbar. (Quelle: Luftwaffe/Niels Juhlke)Größere Abbildung anzeigen

Das Flugzeug über der Ostsee wurde mittlerweile als russischer Militärtransporter identifiziert und die Eurofighter bekommen die Anweisung, zum Flugplatz Ämari zurückzukehren. Die Datenübertragung über Link 16 hat bei diesem Einsatz reibungslos funktioniert und Torsten E. musste nicht eingreifen. Während die Maschinen sich auf dem Bildschirm wieder der Küste nähern, fasst der Soldat zusammen, worauf es bei seiner Tätigkeit ankommt: „Neben Fachwissen und IT-Expertise ist es von großer Bedeutung, ein ausgeprägtes operatives Verständnis zu haben, da wir unmittelbar an multinationalen Operationen von Heer, Luftwaffe und Marine beteiligt sind.“

Eine ganze Menge Technik: Der Serverschrank des Technikcontainers.
Eine ganze Menge Technik: Der Serverschrank des Technikcontainers. (Quelle: Luftwaffe/Niels Juhlke)Größere Abbildung anzeigen

Auch wenn der Abfangeinsatz erfolgreich abgeschlossen wurde, bleibt das Team vom verlegefähigen TDLMC wachsam, um beim nächsten Einsatz oder bei einer Störung schnell reagieren zu können. Dieses Ziel ist zugleich ihr Motto und weht auf einer Fahne über ihrem Container: „Facile Optimus – Fine Sync Worldwide“„Einfach die Besten – Weltweit angebunden“.

Die zwei Eurofighter (Flugzeugsymbole) auf dem Weg zum nicht identifizierten Luftfahrzeug (orange, mit "E" bezeichnet) über der Ostsee.
Die zwei Eurofighter (Flugzeugsymbole) auf dem Weg zum nicht identifizierten Luftfahrzeug (orange, mit "E" bezeichnet) über der Ostsee. (Quelle: Luftwaffe/Niels Juhlke)Größere Abbildung anzeigen

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Stand vom: 20.09.18 | Autor: Daniel Waite


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