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Der Eurofighter in der Luft-Boden-Rolle

Vidsel Test Range / Schweden, 20.09.2017.

Ein weiterer Schritt für die Luftwaffe auf dem Weg zur Luft-Boden Befähigung: Auf der Vidsel Test Range in Schweden hat der Eurofighter die ersten Laser- und GPS-gesteuerten GBU-48-Bomben abgeworfen. Bereits in der ersten Woche konnten erste Tests erfolgreich abgeschlossen werden.

Der Nörvenicher Eurofighter rollt mit der GBU-48 zum Start.
Der Nörvenicher Eurofighter rollt mit der GBU-48 zum Start. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Nach mehreren Flügen zur Orientierung und den ersten vier Abwürfen der GBU-48 Präzisionsbomben kann ein positives Zwischenfazit gezogen werden. „Jetzt, am Ende der ersten Woche können wir zufrieden sein“, sagt Oberstleutnant Stefan Ritter von der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 61. Als fliegerischer Leiter der Kampagne ist er verantwortlich für alle fliegerischen Belange und den Einsatz der Eurofighter vor Ort in Vidsel. Bei der WTD 61 ist er Testpilot für das Waffensystem Eurofighter und Dezernent für Transportflugzeuge. Früher ist er bei der Luftwaffe F-4F Phantom geflogen, bevor er zum Testpiloten ausgebildet wurde. Rund 50 verschiedene Luftfahrzeugmuster ist er in dieser Funktion bislang geflogen und kann auf rund 4.500 Flugstunden zurückblicken. Bei der WTD 61 fliegt er derzeit die C-160 Transall und den Eurofighter. Bei der Kampagne durfte er jetzt die erste GBU-48 abwerfen.

Der Pilot kurz vor dem Einstieg ins Cockpit.
Der Pilot kurz vor dem Einstieg ins Cockpit. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Erste Bombe für den Eurofighter

Zusammen mit einem weiteren Eurofighter als Begleitflugzeug rollt der Jet des Taktischen Luftwaffengeschwaders (TaktLwG) 31„Boelcke“ mit der ersten GBU-48, die vom Eurofighter abgeworfen werden soll, zum Start. Im Cockpit geht Oberstleutnant Ritter Stück für Stück seine Checkliste durch. Dann ist es soweit: der Kontrollturm hat die Startfreigabe erteilt. Die Nachbrenner der EJ200 Triebwerke zünden und der Jet beschleunigt trotz der Waffenbeladung in atemberaubendem Tempo. Bereits nach wenigen hundert Metern hebt er ab und steigt auf 3.000 Fuß über Grund mit Kurs Nordwest in Richtung des 70 x 35 km messenden Sperrgebietes der Vidsel Test Range. „Für die wunderschöne Natur hier in Lappland hat man keinen Blick, denn man ist hochkonzentriert und angespannt“, meint Ritter und fügt hinzu: „Vor dem ersten Abwurf wird ein sogenannter „Dry Run“ durchgeführt, bei dem alles so angewählt wird, wie es später beim Abwurf der Fall ist. Das Begleitflugzeug ist immer dabei, um den ordnungsgemäßen Abgang der Waffe verifizieren und dokumentieren zu können.“

Nach dem Start – der Eurofighter mit der GBU-48 Präzisionsbombe.
Nach dem Start – der Eurofighter mit der GBU-48 Präzisionsbombe. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Nicht immer läuft alles nach Plan

Eine Test Kampagne kann bisherige Erfahrungen bestätigen, neue Erkenntnisse mit sich bringen oder unvorhersehbare Ergebnisse liefern, wie das Test-Team von der WTD 61 und dem TaktLwG 31“Boelcke“ bei der ersten Mission feststellen musste. Die erste GBU-48 verfehlte ihr Ziel, da ein Bauteil, das die Waffe mit dem Eurofighter verbindet, nicht funktioniert hat. Oberstleutnant Ritter antwortet gelassen: „Genau deswegen sind wir von der WTD 61 hier und führen die funktionellen Tests und Erprobungen durch. Der Mangel wurde erkannt und abgestellt. Bei den weiteren Abwürfen hatten wir dann Volltreffer im Ziel und keine Probleme mehr.“

Die GBU-48 kurz vor dem präzisen Einschlag ins Ziel.
Die GBU-48 kurz vor dem präzisen Einschlag ins Ziel. (Quelle: Bundeswehr/WTD 61)Größere Abbildung anzeigen

Detaillierte Vorbereitung

Bereits im vergangenen Jahr wurde mit der Planung der Test-Kampagne in Schweden begonnen, um die Funktion und Eignung der Präzisionswaffe GBU-48 am Eurofighter zu überprüfen. Das gemischte Kommando aus verschiedenen Dienststellen ist in Schweden zu einem eingespielten Team geworden. Während die Wehrtechnische Dienststelle (WTD) 61 aus Manching im Auftrag des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) die funktionale Überprüfung der GBU-48 am Eurofighter testet, ist von Seiten der Luftwaffe ein Team von Piloten der Organisation für Taktik, Technik und Verfahren (TTV) und des Waffensystemunterstützungsteams Kampfflugzeuge (WUT) beauftragt, den Wirkverbund Eurofighter-GBU-48 unter operationellen, taktischen Gesichtspunkten zu untersuchen. Hinzu kommt das TaktLwG 31“Boelcke“ aus Nörvenich, das die WTD 61 personell und materiell nicht unwesentlich unterstützt.

In der überdachten Parkposition ist der Eurofighter gegen Regen geschützt.
In der überdachten Parkposition ist der Eurofighter gegen Regen geschützt. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Technische Unterstützung durch Geschwader aus Nörvenich

Neben den drei Eurofightern, die das TaktLwG 31“Boelcke“ an die WTD 61 ausgeliehen hat, sind rund 60 Techniker und weiteres Funktionspersonal für die Zeit der Kampagne zur WTD 61 abgestellt. Oberstleutnant Marc Hesemann ist Leiter der Teileinheit Systemingenieure und Prüfgruppe beim TaktLwG 31„Boelcke“. Vor Ort in Schweden ist er verantwortlich für die Technik und Wartung der Eurofighter. Die Zusammenarbeit zwischen der WTD 61 und seinem Geschwader bewertet er positiv: „Etwa zwei Drittel des technischen Personals stellt das TaktLwG 31„Boelcke“, da die WTD 61 nicht die personelle Kapazität hat das gesamte Personal zu stellen. Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend. Das technische Fachpersonal des Geschwaders und der WTD 61 ergänzt sich mit Erfahrung und Wissen.“

Teilnehmer der Kampagne GBU-48 aus verschiedenen Dienststellen  werden vom Testleiter über den Ablauf des nächsten Tages informiert.
Teilnehmer der Kampagne GBU-48 aus verschiedenen Dienststellen werden vom Testleiter über den Ablauf des nächsten Tages informiert. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Gemischtes Team

Dass diese Konstellation von verschiedenen Einheiten gemeinsam vor Ort in Vidsel ist, um parallel ihre unterschiedlichen Aufgaben und Zielsetzungen zu verfolgen, ist geübte Praxis. Die sogenannte integrierte Nachweisführung spart Zeit und Kosten. Wenn man die Kampagnen für den Funktionsnachweis und die Einsatzprüfung nacheinander durchgeführt hätte, wäre die Einsatzstufe "Luft-Boden" für den Eurofighter zu spät gekommen. Für 2018 ist das TaktLwG 31 mit Eurofightern in der Multi-Role (luft-Luft- und Luft-Boden-Fähigkeit) für die NATO Response Force eingeplant.

Letzte Schritte bei der Montage der GBU-48 an den Eurofighter.
Letzte Schritte bei der Montage der GBU-48 an den Eurofighter. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen

Bis zur Einsatzreife

Die Organisation TTV im Luftwaffentruppenkommando ist übergreifend für die operationelle Erprobung neuen Materials (Hardware und Software) und für die Erstellung entsprechender Einsatzverfahren zuständig. Die Arbeitsgruppe Taktik Technik Verfahren (TTVG) befasst sich im Falle des TaktLwG 31 seit der Einführung des Eurofighters in Nörvenich mit der Entwicklung und Festlegung taktischer Verfahren des Waffensystems. In Sachen Luft-Boden-Befähigung ist beispielsweise der Laser Zielbeleuchter LDP (Laser Designator Pod) schon seit 2015 in der Nutzung. Bei der letzten Hochwertübung FRISIAN FLAG im Frühjahr 2017 wurde der LDP bei simulierten taktischen Luft-Boden Verfahren erfolgreich eingesetzt. Für die operationelle Einsatzprüfung Luft-Boden geht es jetzt darum, taktische Abläufe im Einsatz mit der Präzisionswaffe GBU-48 zu testen und Verfahren zu entwickeln, die in der Ausbildung der Eurofighter Piloten in der neuen Rolle Anwendung finden. Noch ausstehende Höhepunkte werden der Mehrfachabwürfe gegen unterschiedliche Ziele und die zwei scharfen Abwürfe mit Gefechtsbomben sein.

Eurofighter beim ersten Start mit vier GBU-48 zum Tragflug.
Eurofighter beim ersten Start mit vier GBU-48 zum Tragflug. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)Größere Abbildung anzeigen


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Stand vom: 28.11.17 | Autor: Ulrich Metternich


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