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Deutsche Luftwaffe schützt wieder baltischen Luftraum

Ämari / Estland, 31.08.2018.

Die Deutsche Luftwaffe sichert ab heute – gemeinsam mit belgischen Streitkräften –erneut den Luftraum über den NATO-Mitgliedsländern des Baltikums. Für die nächsten acht Monate sind dazu im Rahmen der Verstärkung Air Policing Baltikum (VAPB) bis zu sechs deutsche Eurofighter im estnischen Ämari stationiert. Im Interview erläutert Kontingentführer Swen Jacob den Auftrag bei der Mission, die Vorbereitungen dafür und die Herausforderungen.

Rund 200 deutsche Soldatinnen und Soldaten sind auf dem NATO-Flugplatz in Ämari in Estland stationiert. Im Rahmen eines feierlichen, militärischen Appells hat Deutschland die französischen Partner abgelöst und wird die wichtige Mission zum Schutz der Bevölkerung in den kommenden acht Monaten unter Führung belgischer Streitkräfte wahrnehmen. Oberstleutnant Swen Jacob ist für die ersten vier Monate der Kontingentführer.

Oberstleutnant Swen Jacob ist der Kontingentführer für die Mission VAPB bis Ende des Jahres.
Oberstleutnant Swen Jacob ist der Kontingentführer für die Mission VAPB bis Ende des Jahres. (Quelle: Luftwaffe/Niels Juhlke)Größere Abbildung anzeigen

Welchen Stellenwert hat die VAPB für die baltischen Staaten und in Bezug auf die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern?

Hier kann ich natürlich nur auf die Informationen zurückgreifen, die ich aus den Medien entnehme oder im persönlichen Gespräch mit unseren estnischen Partnern erfahre. Aber nach meinem Verständnis hat diese Mission für die baltischen Staaten einen erheblichen Stellenwert. Die baltischen Staaten fühlen sich, insbesondere nach der Annexion der Krim, bedroht und befürchten, ihnen könnte es ebenso ergehen wie der Ukraine. Die VAPB ist dabei ein Beitrag und ein klares Zeichen, dass die NATO zu all ihren Bündnispartnern steht und in einem gemeinsamen Kräfteansatz die Sicherheit, durch uns eben insbesondere im Luftraum, gewährleistet.

Im Rahmen eines feierlichen Appells übergibt Frankreich die Aufgabe VAPB an Deutschland.
Im Rahmen eines feierlichen Appells übergibt Frankreich die Aufgabe VAPB an Deutschland. (Quelle: Luftwaffe/Niels Juhlke)Größere Abbildung anzeigen

Wie lange dauerte die Übergabe mit ihrem französischen Vorgänger und worauf kommt es bei diesen Gesprächen an?

Schon im Vorfeld wurden im Rahmen eines ersten Besuchs klare Absprachen bezüglich einer tages- und stundengenauen Übergabe der Räume von der französischen Luftwaffe an uns getroffen. Das ist eine diffizile Aufgabe, da bis zum genauen Zeitpunkt der Übergabe der Verantwortung die französische Luftwaffe eine hundertprozentige Einsatzbereitschaft der Alarmrotte (Quick Reaction Alert) sicherstellen muss und wir nur eine Sekunde später nach der Übernahme dasselbe gewährleisten müssen. Da viele Räume vorher und nachher eine gleiche Funktion übernehmen, aber insbesondere im Bereich der IT ein vollständiger Austausch stattfinden muss, ist dies eine große Herausforderung. Wir gestalten unseren Aufbau bereits seit drei Wochen und auch die französische Luftwaffe wird noch 14 Tage nach der Übernahme letzte Kräfte zum Abbau hier vor Ort haben.

Mit Estland, Lettland und Litauen überwacht die Luftwaffe gleich drei internationale Lufträume - was muss beachtet werden und gibt es Unterschiede bei der Überwachung in den jeweiligen Lufträumen?

Es wurden entsprechende Absprachen, festgehalten in einem Memorandum of Understanding, mit allen drei baltischen Staaten getroffen und für uns macht das Land, über welchem wir eingesetzt werden, letztendlich keinen Unterschied – es ist alles NATO-Luftraum. Die meisten Einsätze finden ohnehin an den Grenzen der drei Länder, bzw. im angrenzenden internationalen Luftraum statt.

Wie viele Soldaten der Luftwaffe werden für die Erfüllung des Auftrages gebraucht und welche organisatorischen Herausforderungen müssen im Vorfeld erledigt werden?

Der Auftrag wird im eingeschwungenen Betrieb von gut 160 Personen durchgeführt, während des Aufbaus und der Übergabe sind es knapp 200. Dabei kommen die Kräfte aus allen Teilen der Bundeswehr, je nach ihren fachlichen Fähigkeiten. Im Kern tragen dabei circa 75 Prozent der Kräfte eine Luftwaffenschwinge an der Uniform.

Wie verbringen Sie und Ihre Kameraden Ihre freie Zeit in Estland?

Bei VAPB handelt es sich um eine Mission, in der es keinen Dienstschluss, sondern nur eine Dienstunterbrechung gibt. Zudem stehen viele Soldaten in hohem Bereitschaftsstatus um die Durchführung des Einsatzes 24 Stunden am Tag / sieben Tage in der Woche zu gewährleisten. Die freie Zeit ist daher stark eingegrenzt. Aber natürlich bieten Estland und die Hauptstadt Tallinn Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Zudem ist die Unterkunft so ausgewählt, dass die Möglichkeit zum Sport für die Kontingentangehörigen auch in den sehr kalten und überwiegend von polarer Dunkelheit geprägten Wintermonaten besteht.

Wissen Sie schon, was Sie nach ihrer Rückkehr als Erstes machen werden?

In erster Linie werde ich meiner Tätigkeit als Kommandeur der Fliegenden Gruppe im Taktischen Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau wieder nachkommen und vieles aufarbeiten müssen. Vermutlich werden auch weitere Anfragen für Einsätze ‚an die Tür klopfen‘. Aber natürlich freue ich mich insbesondere auf die Zeit mit meiner Familie.

Die deutschen Eurofighter sichern den baltischen Luftraum von der Ämari Air Base in Estland aus.
Die deutschen Eurofighter sichern den baltischen Luftraum von der Ämari Air Base in Estland aus. (Quelle: Luftwaffe/Niels Juhlke)Größere Abbildung anzeigen

Bis zu sechs Eurofighter stehen sieben Tage die Woche in einer 24-Stunden-Bereitschaft, um bei einer Alarmierung innerhalb kürzester Zeit in die Luft zu steigen. Die Luftwaffe stellt diese Alarmrotte (Quick Reaction Alert) den baltischen NATO-Partnern Estland, Litauen und Lettland zur Verfügung, da diese über keine ausreichend ausgestatteten Luftstreitkräfte verfügen.

Bis zum Jahresende werden zunächst Soldatinnen und Soldaten des TLG 74 aus Neuburg den Auftrag wahrnehmen, um dann von ihren Kameraden des TLG 71 „R“ aus Wittmund abgelöst zu werden. Die Richthofener führen den Auftrag dann bis Ende April 2019 weiter.


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Stand vom: 03.09.18 | Autor: Stephan Jeglinski


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