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Wächter über den Orbit – das Weltraumlagezentrum (Teil 2)

Uedem, 03.08.2011.

Eine gesicherte Weltraumlage ist Grundvoraussetzung einer gesicherten Weltraumnutzung. Mit dem Aufwuchs des Weltraumlagezentrums in Uedem bei Kalkar nimmt eine vorrangige Aufgabe der Luftwaffe Konturen an.

Satelliten im Weltraum
Satelliten im Weltraum (Quelle: DLR)Größere Abbildung anzeigen

Seit dem 22. September 2009 implementiert, wurde das Weltraumlagezentrum nun deutlich verstärkt: Zum ersten Juli 2011 wurde die Anzahl der militärisch besetzten Stellen auf insgesamt 13 Posten aufgestockt.

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Der Anfang ist gemacht

Das Wappen des Weltraumlagezentrums
Das Wappen des Weltraumlagezentrums (Quelle: Luftwaffe)Größere Abbildung anzeigen

Hinzu kommen in 2011 zwei weitere zivil besetzte Stellen, die durch BMWi (Bundesministerum für Wirtschaft) alimentiert und durch die DLR Raumfahrtagentur besetzt werden. Ab 2012 ist eine weitere Beteiligung BMWi geplant - zusätzliche zwei Stellen für das Weltraumlagezentrum. Um die Arbeit der neuen Einrichtung, die erst am 20. Juli 2011 die Inbesitznahme ihrer neuen Operationszentrale feiern durfte, haushälterisch angemessen zu „unterfüttern“, wurde am 26. Mai 2011 die Entscheidung getroffen, die Anfangsausstattung für das WRLZ im Umfang von insgesamt 2,5 Mio. € auszuschreiben. Ziel ist eine IT - Ausstattung in 2011/2012 zu beschaffen, die es ermöglicht, den Anfangsbetrieb nicht nur sicherzustellen, sondern weiter auszubauen.
Fachlich liegt der Fokus auf Weltraumüberwachung und Weltraumwetter, die beiden essentiellen Bestandteile eines Weltraumlagebildes, um beispielsweise für deutsche Satelliten Kollisionswarnungen und Ausweichempfehlungen sowie die Auswirkungen der Sonnenaktivitäten und kosmischen Strahlung analysieren und bewerten zu können. Ferner ist für das Jahr 2012 ein Stellenaustausch des WRLZ mit Frankreich avisiert. Darüber hinaus ist die Luftwaffe intensiv im Begriff, auch mit den amerikanischen Streitkräften, der ESA (European Space Agency/Europäische Raumfahrtbehörde) und der Europäischen Union eine diesbezügliche Zusammenarbeit zu vertiefen.

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Herleitung aus dem Kalten Krieg

Der erste Satellit im All: Der russische Sputnik (russisch für Begleiter)
Der russische Sputnik (Quelle: NASA)Größere Abbildung anzeigen

Als 1957 mit Sputnik die Ära der Raumfahrt spektakulär und sicherheitspolitisch höchst brisant eingeläutet wurde, war die potenzielle technologische Entwicklung in diesem Bereich und ihre spätere Integration in das Gesellschaftsleben nicht vorhersehbar. Waren es zunächst die Großmächte des Kalten Krieges, die das Medium Weltraum zur Machtprojektion und später gezielt für ihre militärischen Zwecke nutzten, wurde mit der Beendigung der Ost-West-Konfrontation das nächste Zeitalter der Raumfahrt im Zeichen einer stetig wachsenden Informationsgesellschaft eingeleitet. Hier steht seitdem die Nutzung des Weltraums als Lieferant von weitreichenden Fähigkeiten im Vordergrund, sprich der Weltraum als Medium, welches ungeahnte Möglichkeiten im Rahmen der fortschreitenden Globalisierung offenbart.

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Die Informationsgesellschaft, in der wir leben

Antennen künden von unserer Abhängigkeit zu raumgestützten Diensten
Antennen künden von unserer Abhängigkeit zu raumgestützten Diensten (Quelle: DLR)Größere Abbildung anzeigen

Betrachtet man nun unser modernes Leben in dieser technologisch geprägten Informationsgesellschaft, so lässt sich schnell erkennen, dass heutzutage ohne den Rückgriff auf den Weltraum unser tägliches Dasein kaum denkbar wäre. Denn der Weltraum ist allgegenwärtig, im zivilen wie auch im militärischen Bereich. So sind beispielsweise Satelliten-Fernsehen, präzise Wettervorhersagen, globale Kommunikation und – ganz entscheidend – genaue Navigation auf die verlässliche Verfügbarkeit von Satelliten angewiesen. Zudem stellt das über die GPS-Satelliten zur Verfügung gestellte Zeitsignal für eine Vielzahl von Lebens- und Wirtschaftsbereiche die essentielle Grundlage dar. Neben den Energieversorgungs- und Mobilfunknetzen ist hier auch der internationale Finanzmarkt zu nennen, wo ein verlässliches Zeitsignal als unabdingbare Referenz für weltweite Transaktionen dient.
Jedoch lässt sich auch feststellen, dass Weltraumdienste mittlerweile so in unser tägliches Leben integriert sind, ja sogar so selbstverständlich geworden sind, dass wir darüber nicht mehr nachdenken. In der aktuellen strategischen Debatte wird der Weltraum als einer der vier Bereiche der „Global Commons“ gesehen, einem Raum, in dem keine nationalen Hoheitsrechte ausgeübt werden, doch deren ungehinderte Nutzung für eine globalisierte Welt gleichzeitig existenziell ist.

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Militärische Nutzung des Weltraums

Abhängig von funktionierendem GPS: Der Airbus A400M
Der Airbus A400M (Quelle: Luftwaffe/Björn Trotzki)Größere Abbildung anzeigen

Konzentriert man nun den Blickwinkel auf die Streitkräfte so ist festzustellen, dass weltraumgestützte Systeme in immer mehr militärischen Bereichen Einzug finden.
Klangen bis vor kurzem für die Bundeswehr noch Aussagen aus dem Bereich der amerikanischen Streitkräfte wie Science Fiction, als Generale offen postulierten, dass ohne die gesicherte Weltraumnutzung kein militärischer Konflikt zu bestreiten sei, so kann diesem in Bezug auf die aktuellen Einsätze der Bundeswehr nun nicht mehr ernsthaft widersprochen werden. Betrachtet man zudem aktuelle Rüstungsvorhaben, lässt sich in nahezu allen Beschaffungsprojekten eine Abhängigkeit weltraumgestützter Systemen und Fähigkeiten wie Satellitennavigation, Satellitenkommunikation oder entsprechende Geoinformationen erkennen.
Deutlich werden diese Zusammenhänge, wenn man beispielhaft einige neue Waffensysteme der Luftwaffe betrachtet, deren Nutzung in voller Funktionalität in weiten Teilen den Rückgriff auf die Produkte weltraumgestützter Systeme voraussetzt. So ist die strategische Mobilität mit dem A400-M ohne Satellitennavigation und die Verfügbarkeit digitaler Geländedaten nicht im angestrebten Maße zu verwirklichen.
Grundsätzlich ist für den Einsatz von Luftstreitkräften die Nutzung unterschiedlicher Anwendungen aus dem Weltraumbereich ohne Alternative, von der Gewinnung benötigter Zieldaten über die Navigation im Flug bis hin zur Wirkungsanalyse. Schließlich stellt die Einführung von unbemannten Luftfahrzeugen hinsichtlich des Bedarfs an breitbandigen Datenübertragungskapazitäten die Bundeswehr vor weitere Herausforderungen.

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Dienstleister für die Bundeswehr insgesamt

Potentiell anfällig: Datenleitungen der Streitkräfte
Potentiell anfällig: Datenleitungen der Streitkräfte (Quelle: PIZ SKB)Größere Abbildung anzeigen

Betrachtet man die offensichtlichen Anwendungsgebiete der militärischen Weltraumnutzung, so ist hier zunächst der Bereich der Satellitenkommunikation zu nennen. Zuverlässige und gesicherte Kommunikationswege sind für eine Entscheidungsfindung auf politischer und strategischer Ebene sowie für die unmittelbare Führung militärischer Einsätze unerlässlich. Sie sind die Grundlage für die Vernetzte Operationsführung, die es ermöglicht, mittels einer sicheren, netzwerkgestützten Informationstechnologie, Informationen in steigender Qualität und Aktualität für eigene Entscheidungen verfügbar zu machen. Ein solcher leistungsfähiger Informations- und Kommunikationsverbund ist bereits heute ohne weltraumgestützte Systeme nicht denkbar.

Nutznießer militärischer Daten: Das Kommando Strategische Aufklärung in der Eifel
Nutznießer militärischer Daten (Quelle: PIZ SKB)Größere Abbildung anzeigen

Für den Bereich der Nachrichtengewinnung und Aufklärung ist die satellitengestützte Aufklärung ein äußerst wichtiges Element, denn nur die schnelle Verfügbarkeit von strategischen Aufklärungsdaten garantiert fundierte politische und militär-politische Entscheidungen sowie eine Ziel führende Operationsplanung. Hier stellen moderne optische und abbildende Radar-Satelliten ein Fähigkeitsspektrum zur Verfügung, das durch andere Mittel schwerlich erreicht werden kann.

Landvermessung aus dem Weltraum
Landvermessung aus dem Weltraum (Quelle: DLR)Größere Abbildung anzeigen

Neben Kommunikation und Aufklärung leisten weltraumgestützte Systeme im Bereich der Geoinformationsunterstützung einen immanent wichtigen Beitrag für die Streitkräfte. So bilden Geoinformationen die Basis für jede militärische Operationsplanung und sind Grundvoraussetzung für den Einsatz moderner Führungs- und Waffensysteme der Bundeswehr. Speziell die modernen Waffensysteme der Luftwaffe stellen immer höhere Anforderungen an Verfügbarkeit, Auflösung und Genauigkeit von 3D-Geländedaten, vor allem hinsichtlich ihrer Abstands- und Präzisionsfähigkeit. Dabei ist die großflächige Erzeugung von 3D-Geländedaten höchster Auflösung nicht nur unter Effizienzgesichtspunkten ausschließlich mit satellitengestützten Aufnahmeverfahren zu realisieren.

Die satellitengestützte Navigation schafft zudem die Voraussetzung zur exakten Positionierung, Zeitbestimmung und damit präzisen Wirkung gegen Ziele. Die Nutzung meteorologischer Satelliten und damit die Bewertung der Auswirkungen meteorologischer Rahmenbedingungen auf die Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit der eingesetzten Weltraumsysteme ist eine weitere wesentliche Voraussetzung für eine optimierte Einsatzunterstützung der Streitkräfte.

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Fazit

Explosion einer orbitalen Raketenstufe
Explosion einer orbitalen Raketenstufe (Quelle: ESA)Größere Abbildung anzeigen

Die Luftwaffe verstand sich immer schon auch als „Dienstleister“ für die Streitkräfte insgesamt.
Zukunftsweisende Informationsgewinnung in Funktion des Weltraumlagezentrums ist dabei richtungsweisend für Streitkräfte, die immer mehr im Joint-Gedanken verzahnt sind und darauf aufbauen operieren. Mehr noch: Die Luftwaffe schützt hier konkret eine zivile Infrastruktur, über des Fragilität sich die meisten Bürger nicht annähernd bewusst sind, keine Science Fiction, sondern Notwendigkeit, unseren vor allem der Technik geschuldeten Wohlstand zu erhalten.

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Stand vom: 28.11.17 | Autor: Andreas Noeske, Mike Hellmann


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